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Sozialdemos am Wochenende Gewerkschaften kümmern sich wenigstens

Kommentar von

Maike Rademaker

Am Wochenende starten deutschlandweit Demos gegen Sozialabbau – organisiert von den Gewerkschaften. Die haben leider keinen guten Stand.

D ie Busse sind bestellt, die Werbung läuft – am Samstag planen die Gewerkschaften in 15 Städten Demonstrationen gegen die Sozialkürzungen. Bestenfalls werden über 100.000 Demonstrierende dabei sein. Sehr schön. Aber das reicht nicht – nicht nur mit Blick auf die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder von rund 5,4 Millionen. Sondern auch mit Blick auf die 36 Millionen Beschäftigten.

Offensichtlich wird immer noch nicht begriffen, dass gegen Kürzungen und steigende Kosten vor allem eines hilft: sich gewerkschaftlich organisieren, höhere Löhne erkämpfen, soziale Errungenschaften verteidigen. Für die Beschäftigten macht das sonst niemand. Kein Arbeitgeber verschenkt freiwillig Geld, egal wie hoch Mieten sind und Benzinpreise steigen. Erst recht nicht in Ostdeutschland, wo es besonders wenig Gewerkschaftsmitglieder gibt.

Die höheren Löhne in der Gastronomie fallen nicht vom Himmel, die haben die Gewerkschaften rausgehandelt. Auch einen Sozialplan gibt es stets nur mit Betriebsrat. Anständige Rente, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, bezahlter Urlaub: zäh erkämpft. Aber auch abschaffbar – die Angriffe darauf sind da. Höchste Zeit, dass sich das Millionen Trittbrettfahrer klarmachen, die nicht in der Gewerkschaft sind, aber jede Lohnerhöhung und alle sozialen Goodies danklos mitnehmen.

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Nun sind Gewerkschaften auch selbst schuld daran, dass sie so unattraktiv scheinen. Ihre gruselige Sprache, die Hierarchien, zu wenige Frauen in den Führungspositionen – unbedingt verbesserungswürdig. Und ja, in den Gewerkschaften gibt es auch AfD-Wähler. Aber sie sind die Einzigen, die da sind, wo Politik und Medien sich selten finden: mitten in den Betrieben. Wer ihnen nicht mehr als eine schmuddelige Nebenrolle in der sozialen Debatte zugesteht – wie das auch Medien tun –, schaut nicht genau hin. Und spielt so das Spiel der Arbeitgeber und Konzerne, die vergnügt schweigen. Deren größte Hoffnung: schwache Gewerkschaften. Den Gefallen sollte man denen nicht tun.

Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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9 Kommentare

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  • Joachim Petrick

    Gewerkschaften starteten nach 1945 als Tiger November 1948 im selbst ermächtigt politischem Streikrecht sprangen erfolgreich gegen Währungsreform Ludwig Erhards, der ohne Mandat bei Lohnstopp Preise für Industriegüter, Nahrungsmittel, Mieten, Grund, Boden, Immobilien freigab, ernteten dafür bitteren Lorbeer, dass im Grundgesetz seit 1949 bis heute selbst nach Deutscher Einheit 1990 entgegen DDR Rundem Tisch Recht auf gewerkschaftlich politischen Streik fehlt, zu oft so als Genossen der Bossen in deren Kamingesprächen landeten in Krisen, Treuhand Komplex, Lex Theo Waigel Vereinigungskriminalität 1990-1994 von Strafverfolgung befreit war, Agenda2010 Niedriglohnsektor außerhalb Tarifgemeinschaften ohne betriebliche Mitbestimmung zementiert wurde an EU-, WTO Regeln vorbei. Dieselabgasgate 2015, Füße stillhielten, statt Aktivierung 1953 ausgesetzten Unternehmensstrafrechts zu fordern, sich für Wohnungsnotelend unzuständig halten mangels politischem Streikrecht, ohne Willen, das durch bundesweite Kampagnen zu ändern, nicht einmal bei Fragen von Krieg und Frieden in Europa, Deutschlands Verweigerung Pariser Weltklimagipfel Ziele 2015 bei Klimatransformation CO2 Emissionen anzustreben

  • Günter Witte

    Natürlich kümmern sich die Gewerkschaften um ihre Mitglieder, das ist ihre einzige Aufgabe. Nur ist es halt auch leicht alles mögliche zu fordern. Gewerkschaften müssen kein Produkt verkaufen, müssen keine Aufträge akquirieren, ob Kostendeckend oder nicht ist ihnen egal.



    Der Satz "Die höheren Löhne in der Gastronomie fallen nicht vom Himmel, die haben die Gewerkschaften rausgehandelt." ist dafür Sinnbildlich. Von 2020 bis 2025 haben 69000 Gastronomiebetriebe geschlossen in Deutschland, dazu kommen noch über 11000 Insolvenzen. Was hilft jetzt einem der höhere Lohn wenn es dafür keinen Arbeitsplatz mehr gibt ?

    • Xanyd

      @Günter Witte:

      Wer als Unternehmer den Mindestlohn nicht zahlen kann, hat ein nicht tragfähiges Geschäftsmodell. Wer Vollzeit arbeitet muss auch von dem Lohn seinen Lebensunterhalt bestreiten können. Aufstockung ist eine Subvention unrentabler Arbeitsplätze.



      Bei dem momentanen Fachkräftemangel wäre es hilfreicher diese Arbeitskräfte weiter zu bilden und an dringend gesuchten Stellen einzusetzen.

    • FtznFrtz

      @Günter Witte:

      So ein Unsinn, natürlich ist es nicht Aufgabe der Gewerkschaften, das Geschäft zu machen, das Produkt zu verkaufen. Das ist Aufgabe des Unternehmens, dass neben dem Inhaber vor allem aus den Mitarbeitern besteht, diese schmeißen den ganzen Laden, nicht die Geschäftsleitung. Dass die Mitarbeiter ihren fairen Anteil am Kuchen erhalten, dafür sind Gewerkschaften da. Und den Gewerkschaften zu unterstellen, ihnen sei es egal ob das Geschäft läuft oder nicht, ist eine Beleidigung und hat mit der Realität nichts zu tun.



      Dass die Gastronomie viele Insolvenzen zu beklagen hat mag mit der allgemeinen Wirtschaftsflaute, der Inflation und dem Mangel an Arbeitskräften zu tun zu haben, jedoch nicht damit, dass dort jetzt fürstlich verdient wird.

      • Günter Witte

        @FtznFrtz:

        Von den Betrieben die geschlossen/insolvent sind geben über 75 % die hohen Lohnkosten als Hauptgrund an: www.stromvergleich..._von_1998_bis_2026

  • Querbeet

    "Offensichtlich wird immer noch nicht begriffen, dass gegen Kürzungen und steigende Kosten vor allem eines hilft: sich gewerkschaftlich organisieren, höhere Löhne erkämpfen, ...."

    Und die höheren Löhne führen zu höheren Preisen, die dann wieder höhere Löhne erfordern. Wow. Geben wir dem Inflationskarussell doch mal ordentlich Schwung. Auf dass wir in D immer teurer werden und die schmutzige Industrieproduktion ins Ausland abhaut.

    • FtznFrtz

      @Querbeet:

      Hmmm...was wäre die Alternative? Löhne wie in der Mongolei? Wird dann alles gut?

  • Uwe Kulick

  • Lindenberg

    Eine aktuelle Dissertation (2024) untersucht das politische Bewusstsein von Arbeitern in Zeiten des Umbruchs, zeigt die Errosion der Mitte für Arbeiter die mittlere Einkommen haben. Gründe: gesellschaftliche Ungleichheit, starke Verunsicherung, resultierend aus Druck und Angst vor dem Abrutschen,



    was in Bezug auf die AFD besonders relevant ist, denn ein wesentlicher Teil der Interviewten glaubte nicht mehr an das Wohlstandsversprechen des Kapitalismus.



    Zwischen den politisch Vertretenen und ihren Repräsentant*innen ist ein deutlicher Riss entstanden.



    Laut der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik war in



    den vergangenen Jahren eine »erschütternde funktionale Umverteilung« von unten nach oben zu beobachten. Im Jahr 2020 waren in Gesamtdeutschland, in absoluten Zahlen betrachtet, mit 5,85 Millionen Mitgliedern so wenige Menschen in einer DGB-Gewerkschaft organisiert, wie zuletzt in der ersten Hälfte der 1950er Jahre allein in Westdeutschland. Lag der



    gewerkschaftliche Organisationsgrad 1985 noch bei etwas mehr als 31 Prozent, waren es im Jahr 2000 nur noch knapp über 14 Prozent.

    free downloud:

    www.transcript-ver...a9783839470411.pdf