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Vergabe der Alternativen NobelpreiseMenschen in der Krise eine Stimme geben

Den Alternativen Nobelpreis erhalten Initiativen in Georgien, Pakistan, USA und dem Süden Afrikas. Die Preisträger setzen sich auch gegen die Übermacht der KI-Konzerne ein.

Anne Diekhoff

Aus Härnösand

Anne Diekhoff

Der Alternative Nobelpreis geht in diesem Jahr nach Georgien und Pakistan, in die USA und in den Süden Afrikas. Ausgezeichnet werden Menschen und Organisationen, die sich einsetzen für den Schutz der Demokratie, für die Stärkung verfolgter Minderheiten, für die eigene Hoheit über Land und Landwirtschaft und gegen die Übermacht der KI-Konzerne.

Das gab die Organisation hinter den „Right Livelihood Awards“ am Mittwochmorgen in Stockholm bekannt. Deren Direktor Ole von Uexküll sieht bei allen vier Preisträgern eine Gemeinsamkeit: Sie alle setzen sich dafür ein, grundlegende menschliche Werte ins Zentrum der Gesellschaft zu rücken – weg vom Rand, an den andere sie gedrängt hätten.

Ob es um den Klimawandel, die Risiken von AI oder Rückschritte in der Demokratie gehe, „von diesen Krisen profitieren nur wenige, die meisten leiden darunter“, sagte von Uexküll anlässlich der Bekanntgabe der diesjährigen Geehrten: Sie zeigten die Möglichkeit eines besseren Lebens für alle. Dabei schafften sie es in ihren sehr unterschiedlichen Feldern, komplizierte Krisen greifbar zu machen und Einzelnen zu zeigen, wie sie Einfluss nehmen können. „Sie geben Menschen in der Krise eine Stimme“, so von Uexküll.

Durch die Nominierungen, die sie längst aus allen denkbaren Ländern erreichten, höre auch „Right Livlihood“ von vielen Projekten zum ersten Mal. 200 Nominierungen seien es dieses Jahr gewesen. Besonders beeindruckt hätten sie sich die elf Jurymitglieder davon gezeigt, wieviel verändernde Kraft ihre Preisträger durch eine breite Aktivierung in der Zivilbevölkerung erreicht hätten.

Es gehört zu den Right Livlihood Awards, besonders hervorzuheben, dass Menschen bereits Lösungen für bestehende Krisen haben und dass sie mit ihrem Einsatz die Welt permanent ein Stück verbessern. Die seit mehr als 40 Jahren vergebene Auszeichnung wird auch Alternativer Nobelpreis genannt. Sie wurde gestiftet, nachdem die Nobelstiftung den Vorschlag abgelehnt hatte, zusätzlich zu den bisherigen auch Preise für die Förderung von sozialer Gerechtigkeit und Umweltschutz einzuführen.

Das sind die Preisträger des Right Livlihood Awards 2026:

Jalila Haider: Die Menschenrechsanwältin Jalila Haider erhält den Alternativen Nobelpreis als Anerkennung für ihren Kampf gegen ethnische, staatliche und patriarchale Verfolgung von Menschen in Pakistan. Als erste Anwältin aus ihrer Hazara-Community habe sie Grenzen durchbrochen, immer angetrieben von der Überzeugung, dass kein Mensch illegal sei, heißt es in der Begründung.

„Rural Women’s Assembly“ (RWA): Als Wächterinnen von „Land, Leben, Saatgut und Liebe“ beschreiben sich die Frauen der „Rural Women’s Assembly“ (RWA) selbst. In elf Ländern des südlichen Afrika verbindet die Bewegung inzwischen mehr als 178.000 Frauen auf dem Land. Gemeinsamer Gegner der so vereinten Kräfte sind beispielsweise Agrarkonzerne und patriarchale Enteignung.

Die Frauen hätten mit einer Freiwilligenstruktur seit 2009 eine der größten autonomen Plattformen der Region geschaffen, begründet Right Livelihood die Entscheidung. Die Bewegung habe Fortschritte bei der Lebensmittelsicherheit und der körperlichen Selbstbestimmung von Frauen erreicht

Georgian Young Lawyers’ Association (Gyla): Die Vereinigung junger Anwälte in Georgien wird für ihre Verdienste um den Aufbau der Demokratie in ihrer Heimat nach dem Ende der Sowjetunion ausgezeichnet – und dafür, dass sie auch angesichts der jüngsten demokratischen Rückschritte nicht aufgeben. Right Livlihood hebt in seiner Begründung die große Bandbreite der juristischen Arbeit von GYLA hervor, von einem Netzwerk für kostenlose anwaltliche Beratung über die Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen zu Klagen gegen verfassungswidrige Gesetzgebung.

Timnit Gebru: Die KI-Expertin erhält den Preis, weil sie mit ihrer Arbeit gegen die konzentrierte Macht der Tech-Konzerne über Künstliche Intelligenz hervorgehe. Sie zeige die Gefahren, die von KI-Systemen bereits jetzt ausgehen und entwickele alternative Technologien auf Grundlage von Gerechtigkeit und menschlicher Mitwirkung.

„Ihre Forschung hat dazu beigetragen, internationale Debatten über Sinn, Zweck und Regulierung von Künstlicher Intelligenz zu verändern“, betont Right Livelihood. Die US-Forscherin – geboren in Äthiopien und mit Wurzeln in Eritrea – habe schon früh festgestellt, dass weder Wissenschaft noch Technologie vorurteilsfrei seien. Das von der einstigen Google-Mitarbeiterin gegründete Institut DAIR (Distributed Artificial Intelligence Research Institute) bringe Menschen zusammen, die gemeinsam an technologischen Alternativen arbeiten

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