Lohnlücke zwischen Ost und West: DGB fordert mehr Tarifbindung in Ostdeutschland
Jahrzehnte nach der deutschen Einheit sind Löhne im Osten immer noch schlechter als im Westen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisiert ein unzureichendes Bundesgesetz.
Foto: Sina Schuldt/dpa
dpa | Zum bevorstehenden Tag der Deutschen Einheit wirft der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) der Koalition zu wenig Einsatz für gleiche Löhne in Ost und West vor. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts für den DGB verdienten Vollzeitbeschäftigte im Osten 2025 im Schnitt 19,6 Prozent (12.415 Euro) weniger im Jahr als im Westen, wie der Deutschen Presse-Agentur vorliegende Angaben zeigen.
Der Gewerkschaftsbund forderte deshalb mehr Tarifbindung im Osten. Das sei nötig, damit die Einheit endlich auf dem Lohnzettel ankomme, sagte der stellvertretende DGB-Vorsitzende Stefan Körzell der dpa.
Bundesunternehmen ohne Tarifvertrag
So sollten öffentliche Fördergelder nur an Unternehmen fließen, die nach Tarif bezahlen, forderte Körzell. Trotz eines im Frühjahr in Kraft getretenen Gesetzes für mehr Tarifbindung haben Betriebe des Bundes teils keinen Tarifvertrag, wie im Juli die Regierung auf eine Linken-Anfrage mitgeteilt hatte. In den meisten Bundesbetrieben gelten demnach an Tarifverträge angelehnte Bedingungen, andere haben auch das nicht.
Körzell forderte: „Tariftreue muss auch für Unternehmen mit Bundesbeteiligung gelten.“ Überfällig sei auch ein digitales Zugangsrecht zu den Beschäftigten in den Betrieben. Tarifverträge müssten auch leichter für ganze Branchen allgemeinverbindlich erklärt werden können. „Nur so kommen wir bei der Angleichung der Löhne schneller voran“, sagte der DGB-Vizechef.
Ost-West-Tarif-Unterschied
Die statistischen Zahlen zeigen, dass Tarifverträge im Osten einen besonders großen Unterschied machen. Demnach verdienen Vollzeitbeschäftigte dort mit Tarifvertrag im Mittel rund 13.295 Euro mehr im Jahr als ohne einen solchen Vertrag. Zwar sei die Tarifbindung im Osten von 2024 auf 2025 um drei Prozentpunkte gestiegen, liege aber immer noch bei nur 45 Prozent. In Westdeutschland arbeiten demnach 50 Prozent der Beschäftigten in einem tarifgebundenen Betrieb.
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