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Kabinett erzielt EinigungRegierung lässt Kinderlose für Pflegereform zahlen

Die Bundesregierung bringt die Pflegereform auf den Weg, über die Union und SPD bis zur letzten Minute gerungen hatten. Nun werden erste Details bekannt.

afp/dpa | In der Pflegeversicherung soll ab 1. Januar 2027 der Beitragszuschlag für kinderlose Mitglieder steigen. Er soll um 0,3 Punkte auf 0,9 Prozent angehoben werden, wie das Bundesgesundheitsministerium nach dem Beschluss der Pflegereform im Kabinett mitteilte.

Ziel des Gesetzentwurfs sei es, die Finanzierung der Pflegeversicherung in einem ersten Schritt zu stabilisieren, sagte Minister Carsten Linnemann (CDU) in Berlin. Maßnahmen auf der Ausgaben- und Einnahmenseite trügen dazu bei. Der Beitragssatz liegt nach einer Erhöhung vergangenes Jahr bei 3,6 Prozent, bei Kinderlosen bei 4,2 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen.

Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze

Linnemann sagte: „Das System steht massiv finanziell unter Druck.“ Es gebe eine Verdreifachung der zu Pflegenden: Heute seien es sechs Millionen, vor 20 Jahren seien es noch zwei Millionen gewesen.

Die vom Kabinett auf den Weg gebrachte Reform enthalte auch viele strukturelle Komponenten. „Deswegen möchte ich nicht allein von einem Spargesetz sprechen“, sagte Linnemann. So solle künftig im Rahmen der Pflegebegutachtung konsequenter geprüft werden, ob eine Reha den Pflegebedarf spürbar besser senken könne.

Geplant ist auch eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze in der Pflege um 300 Euro pro Monat, wie bei der Krankenversicherung. Zum 1. Januar 2028 soll ein Beitragszuschlag für die Mitversicherung von Ehegatten oder Lebenspartnern in Höhe von 0,52 Prozent erhoben werden, auch dies wie bei den Krankenkassen. Ausnahmen sollen etwa für Eltern von Kindern mit Behinderungen oder pflegende Angehörige gelten.

Die Pflegeversicherung übernimmt dagegen weiterhin – anders als ursprünglich geplant – die Rentenversicherungsbeiträge für pflegende An- und Zugehörige voll. Ab 2029 soll es eine jährliche Anhebung der Leistungsbeiträge der Pflegeversicherung auf Basis der Inflation geben.

„Keine Abstriche“

„Wir machen keine Abstriche bei der Rente von pflegenden Angehörigen, denn sie sind die stillen Helden unserer Gesellschaft“, sagte Linnemann. Unter anderem mit Pflegebegleitung vor Ort werde der Alltag der Pflegebedürftigen und ihrer Familien erleichtert.

Versicherte ab dem 60. Lebensjahr sollen Anspruch auf eine Früherkennungsuntersuchung „Check-up 60+“ erhalten. Eine Strukturkommission soll ab Oktober wie angekündigt grundlegende Reformen erarbeiten, bekräftigte Linnemann.

Nach Verhandlungen bis zuletzt hatte das Bundeskabinett den Entwurf zuvor beschlossen. Union und SPD hatten bis kurz vor der Kabinettssitzung beraten. Die SPD hatte „ein reines Kürzungspaket“ abgelehnt und mit Blockade gedroht.

Linke wirft SPD Einknicken vor Union bei Pflegereform vor

Nach dem Kabinettsbeschluss zur Pflegereform hat die Linkspartei der SPD ein Einknicken vor dem Koalitionspartner CDU vorgeworfen. „Das Kabinett hat heute eine Pflegereform beschlossen, die in weiten Teilen genau so bleibt, wie Gesundheitsminister Linnemann sie haben wollte“, sagte Linken-Fraktionschef Sören Pellmann am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP in Berlin.

„Die zentrale Forderung der SPD nach einer Beteiligung der privaten Pflegeversicherung ist hingegen vom Tisch und wurde in eine Kommission verschoben, die bis Januar Vorschläge erarbeiten soll“, kritisierte Pellmann. „Die Kürzungen gelten aber schon jetzt.“

Die SPD hatte gefordert, dass die finanziell besser dastehende private Pflegeversicherung die angeschlagene gesetzliche Pflegeversicherung unterstützt. Der koalitionsinterne Kompromiss sieht laut Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) so aus, dass eine noch einzusetzende Expertenkommission prüft, ob „Ausgleichsmechanismen zwischen den Pflegekassen“ verfassungsrechtlich möglich seien und dann Vorschläge unterbreitet.

Pellmann kritisierte, dass die Zuschläge zu den Heimkosten nun zeitlich gestreckt werden sollten, „wodurch auf dem Rücken Hunderttausender Pflegebedürftiger 2,6 Milliarden Euro eingespart“ würden. Außerdem werde der Zugang zu Pflegegraden erschwert, und bei Pflegegrad 1 fielen Leistungen ganz weg.

Der Linken-Politiker bekräftigte die Forderung seiner Partei nach einer Pflegevollversicherung. Gegenfinanziert werden solle diese durch eine höhere Beitragsbemessungsgrenze, Beiträge auf Kapitaleinkommen und die Integration der Privatversicherung. „Das würde über 20 Milliarden Euro im Jahr einbringen und Eigenanteile komplett abschaffen“, sagte Pellmann AFP.

Patientenschützer kritisierten den nun beschlossenen Reformkompromiss ebenfalls. Es sei „fraglich, ob die Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze und die Zuschläge für Kinderlose das Defizit der Pflegeversicherung in den nächsten zwölf Monaten ausgleichen kann“, sagte Eugen Brysch von der Stiftung Patientenschutz der „Rheinischen Post“. „Auf die zentralen Zukunftsfragen konnte sich die Koalition nicht verständigen. Wer nicht mehr weiter weiß, bildet eine Kommission“, betonte er.

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65 Kommentare

  • Ricky-13

    taz: *Nach dem Kabinettsbeschluss zur Pflegereform hat die Linkspartei der SPD ein Einknicken vor dem Koalitionspartner CDU vorgeworfen.*

    Die (S)PD wird bis zu ihrem Ende brav alles mitmachen, was die Merz/Söder-Union will. Wer soziale Willy-Brandt-Politik haben möchte, der muss 'Die Linke' wählen, denn die heutige (S)PD ist nur noch der Steigbügelhalter von Merz & Co.

    Hier im Phoenix-Interview hatte Carsten Linnemann (CDU) doch tatsächlich mal etwas Vernünftiges gesagt. Leider hat er nicht auf sich selbst gehört, sondern nur wieder das gemacht, was sein "Herr und Meister" will: www.youtube.com/shorts/ZTdKvNSri58

  • Altbayer

    Ist es Sarkasmus, wenn ich sage, dass ich mich, als Bayer - hier gibt es bekannterweise nur die Schwesterpartei - auf die nächsten Wahlen und Wahlergebnisse für die momentan herrschende Riege ( Merz, Linnemann, Reiche ) freue?!? Der einzige den ich ein bißchen vermissen würde, wäre Omas Enkel - Philipp Amthor. Der nimmt seine Fettnäpfchen wenigstens auf eine menschliche Art!

  • Wolfgang Laux

    Kurz und knapp, das Zweiklassen-System der Krankenversicherung ist so überflüssig wie nur was und gehört komplett abgeschafft. Das dies niemals geschehen wird, verdanken wir C++, sofern die nicht noch unter die 5% Hürde rutschen. Was ja nicht ganz ausgeschlossen ist. Bevor mich jetzt wieder die zahlreichen "Vollprofis" in Grund und Boden stampfen, ich BIN privat versichert !! Also, alles in einen Topf und gut ist. Schlaft weiter.

    • Galwayray

      @Wolfgang Laux:

      Warum deshalb in Grund und Boden stampfen? Weil du in der PKV bist?



      Allenfalls zu bedauern, weil du beim oder nach deinem Wechsel in die PKV offenbar einen oder evtl. auch mehrere individuelle Fehler hingelegt hast. Wieso sonst die beiden Streichhölzer (die !!)?

  • vieldenker

    Die Pflegekassen brauchen mehr Geld, irgendwer muss das bezahlen. Die Begründung, warum es die „Kinderlosen“ sein sollten, ist dabei genau so dünn, wie alle anderen Begründungen in dem Bereich auch. Letztlich versuchen wir in diesem Land immer „gerecht“ nachzusteuern - und treffen im Einzelfall doch sehr häufig daneben. Im Ergebnis haben wir so aufgrund der unglaublichen Regelungs- und Ausnahmedichte ein Beschäftigungsparadies für Steuerschlupfberater und ähnliche Experten geschaffen, ohne wirklich Gerechtigkeit herstellen zu können. Das wird auch diesmal so sein, ich bin mal gespannt, wie der neue Ausnahmekatalog im nächsten Jahr aussehen wird.

  • FtznFrtz

    Ob die erhöhten Beiträge für Kinderlose mit Art. 3 Abs. 1 GG vereinbar sind? Zweifel sind angebracht. Kinderlosigkeit ist entweder eine bewusste Entscheidung (die jedem zusteht) oder aber ungewollt, dann eben Ergebnis ungünstiger medizinischer oder sozialer Bedingungen. In beiden Fällen sehe ich nicht, warum der Staat diesen Umstand mit höheren Beiträgen sanktionieren dürfte. Beitragsanhebungen müssten dann alle Versicherte gleichermaßen treffen.

  • Pico

    Wer mich "abzockt und bestraft" kann nicht erwarten, dass ich als Dank so etwas auch noch wähle. Kinderlose tragen die Hauptlast zum Beispiel bei der Krankenversicherung. Denn davon profitieren vor allem jene, dessen Kinder dort kostenlos mitversichert sind. Und kommt mir jetzt nicht mit dem Argument, dass diese Kinder hinterher ebenfalls die Krankenversicherungsbeiträge aufbringen. Das genau ist eben oftmals NICHT der Fall.

  • Strolch

    Es gibt viele Gründe für Kinderlosigkeit. Die ungewollte Kinderlosigkeit, da es "nicht klappt". Der Häufigste ist aber in der heutigen Zeit, dass sich die Personen dagegen entschieden haben, da Kinder Zeit (und Geld) kosten und die eigene Freiheit einschränken. Das ist das gute Recht und kann jeder machen.

    Ich hätte auch keinen Schmerz damit, wenn wir nicht ein System hätten, dass auf Solidarität setzt und alle in einen Topf wirft. Das System hat solange funktioniert, so lange das System nur unfreiwillig kinderlose mitgetragen hat. Zum einen ist dies keine Entscheidung, so dass die Solidarität gerechtfertigt ist. Zum anderen handelt es sich dabei um einen geringen Prozentsatz.

    Wenn ich mich gegen Kinder entscheide, sollte mir aber schon bewusst sein, dass ich auch dazu beitrage, dass das auf Solidarität aufgebaute System nicht funktionieren kann. Das Geld bringt doch nur was, wenn jemand auch dafür arbeiten will. Wenn es aber niemanden gibt? Und wenn es keine Kinder gibt, gibt es im Alter nichts zu essen. Egal wie groß der Geldsack ist, auf dem ich persönlich hocke.

    • Chris McZott

      @Strolch:

      Die Frage ob gewollt oder nicht gewollt kinderlos ist doch belanglos. Fakt ist, dass (auch) Kinderlose Leistungen einer Solidargemeinschaft nutzen wollen, zu deren Erhalt sie aber nicht beigetragen haben.

      Außerdem sollte man sich fragen, was die Kinderlosen mit dem (gewollt oder ungewollt) vielen Geld gemacht haben, das sie gespart haben....

      • sailaway

        @Chris McZott:

        Ich kenne Kinderlose, die im Allgemeinen sowie im Speziellen engagierter in diversen Solidargemeinschaften tätig sind, als so manche Person mit Kindern. Streng genommen produziert ein Kind in den ersten - pi mal Daumen - 20 Jahren erstmal nur Kosten für die Allgemeinheit. Und wenn diese Kinder später im weiteren Erwerbsleben keiner Arbeit nachgehen, zahlen diese Kinder auch nicht in die Pflegeversicherung ein.

        • Ringsle

          @sailaway:

          Wie kurzsichtig gedacht...!



          Jegliche Gesellschaft beruht darauf, dass sie sich fortpflanzt. Wer bewusst und gewollt keine Kinder in die Welt setzt, interessiert sich nicht für das Fortbestehen unserer Gesellschaft, obwohl er außer Acht lässt, dass er schon in etwas höherem Alter selbst massive Auswirkungen davon spüren wird.

          Die Pflegebeiträge sind ein winziges Puzzlestück der essentiellen Bedeutung von Kindern für unsere eigene Existenz.



          Die Vorstellung, man selbst könne darauf verzichten, weil ja die andern... nein - es ist die proaktiv herbeigeführte Auslöschung unserer selbst.



          No blaming - wir sind frei zu entscheiden... ich glaube nur, den meisten ist gar nicht bewusst, was da dahinter steckt! Pflegebeiträge..dass ich nicht lache

        • Chris McZott

          @sailaway:

          "Solche und Solche" gab und gibt es immer und überall. Das ist kein Argument.

          Kinder haben wenigstens das Potential später positiv zu wirken - ihre Bekannten z.B. waren auch mal Kinder.



          Außerdem können selbst "gescheiterte" Menschen wiederum Kinder kriegen, bei denen die Würfel wieder neu geworfen werden.

          "Streng genommen produziert ein Kind in den ersten - pi mal Daumen - 20 Jahren erstmal nur Kosten für die Allgemeinheit." - Stimmt aber was ist mit den letzen - pi mal Daumen - 20 Jahren eines Menschen? Wäre da das Einsparpotential nicht größer?

    • sailaway

      @Strolch:

      Geringer Prozentsatz würde ich nicht sagen. Sie würden sich wundern wie hoch der Anteil an ungewollter Kinderlosigkeit in Deutschland tatsächlich ist..



      Quelle BFSFJ: "Der Anteil ungewollt kinderloser Frauen und Männer im Alter zwischen 20 und 50 Jahren ist zwischen 2013 und 2020 erheblich gestiegen, von 25 auf 32 Prozent."

      • My Sharona

        @sailaway:

        Ob gewollt oder ungewollt kinderlos ist doch komplett belanglos. Es geht nicht um eine finanzielle Bestrafung einer Entscheidung fürs Leben (wenn es denn eine war und nicht nur Schicksal).

  • Bolzkopf

    Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis.



    Das ist das Gesetz des kapitalistischen Marktes.

    Und wenn die Politik dann noch verkackt ... sie sehen es ja selbst.

  • Strenge Susanne

    Unser gesamtes Pflege- und Kinderbetreuungssystem stammt aus dem Patriarchat. Nur in Deutschland müssen sich Frauen anhören, schlechte Mütter und Töchter zu sein, wenn sie ihre Angehörigen betreuen lassen. Mittlerweile geht die Rechnung nicht mehr auf- wegen hoher Mieten usw. können Frauen es sich nicht mehr leisten zu pflegen. Und es gibt zu wenige Pflegende für den Boomer-Alten- Berg. Die Preise für Heimpflege sind unbezahlbar, stattdessen werden Polinnen ausgebeutet. Eine Reform muss her- und zwar eine richtige, nicht die aktuelle halbgare. Und natürlich bedeutet das gerechterweise, dass Besserverdiener mehr zahlen müssen. Es muss auch viel mehr Alternativen geben zu klassischer Heimpflege- etwas Alten-WGs mit externer Pflege, die gemeinschaftlich finanziert wird. Und wir Boomer dürfen nicht jammernd rumsitzen, denn Alter und Pflegebedürftigkeit sind so sicher wie der Klimawandel.

    • Ringsle

      @Strenge Susanne:

      Die Rechnung geht nicht auf, weil es immer weniger Kinder gibt. Die Geburtenrate ist im freien Fall.



      Die hohen Kosten sind nur Symptom der überalterten Gesellschaft, nicht Ursache.

    • Altbayer

      @Strenge Susanne:

      Ich bin heute noch stolz darauf, dass meine Adoptivmutter Ihre Mutter gepflegt hat, wie auch meine Schwester dann Ihre Mutter gepflegt hat!

    • Chris McZott

      @Strenge Susanne:

      "Nur in Deutschland müssen sich Frauen anhören, schlechte Mütter und Töchter zu sein, wenn sie ihre Angehörigen betreuen lassen."

      a) Wenn das stimmen würde, gäbe es die Myriaden von Altersheimen und Pflegediensten nicht.

      b) Gegenbeispiel: Mein syrischer Kollege hat sich anfangs sehr gewundert darüber, dass in Deutchland die Alten nicht in der Familie (=Frauen) gepflegt werden so wie in seiner Heimat.

      Wie kann das sein wo doch nach Ihrer Aussage dieser Anspruch nur in Deutschland so sei?

    • sailaway

      @Strenge Susanne:

      Bei der Rechnung stimme ich Ihnen zu. Das Modell "Eine Person verdient, die andere übernimmt unbezahlt Betreuung und Pflege" ist für viele Haushalte finanziell kaum noch tragfähig. Das gilt aber für Frauen genauso wie Männer.

    • Strolch

      @Strenge Susanne:

      Nur in Deutschland müssen sich Frauen anhören, schlechte Mütter und Töchter zu sein, wenn sie ihre Angehörigen betreuen lassen.

      Das war vielleicht vor 30 Jahren so.

      • Altbayer

        @Strolch:

        Da widerspreche ich Ihnen aus persönlicher Erfahrung aus tiefstem Herzen, Strolch! Was sich sowohl die Mutter, wie auch die Schwester, bei der Pflege der eigenen jeweiligen Mutter, anhören mussten, ist wirklich schon unsagbar.

  • Budzylein

    Die jetzt offenbar in einen Prüfauftrag umgewandelte Forderung der SPD nach einer Beteiligung der privaten Pflegeversicherung mag ja an sich sozial gerecht sein. Sie ist aber im Zusammenhang mit der (immer noch fortbestehenden) Weigerung Klingbeils, die Schulden des Bundes bei der Pflegeversicherung in Höhe von fast 6 Milliarden Euro zu begleichen, schon ziemlich dreist. Wieso will die Bundesregierung das Geld aus anderen Töpfen nehmen, bevor sie die Schulden des Bundes beglichen hat, für die sie selbst verantwortlich ist?

    • Altbayer

      @Budzylein:

      Budzy, Sie dürfen hier davon ausgehen, dass sich Herr Klingbeil erst einmal dagegen versperrt, und auch wehrt!, da sonst auch die momentane Reform wieder einmal für einen kompletten anderen Mist verwendet werden würde.

      Einer der angenehmeren Effekte der SPD IST es nun einmal, dass eben gerade nicht, wie bei der FDP üblich gewesen, z.B. der Pensionsfonds zweimal geleert wurde, um die Rente zu sichern... Das Ergebnis ist bekannt.

  • T-Rom

    Höhere Beiträge für Kinderlose sind grundsätzlich gerecht. Wäre übrigens auch für die Rentenversicherung zu überdenken (jedenfalls solange diese umlagefinanziert ist).



    Bei der Reform fehlen noch Massnahmen bei den Ausgaben. Es wird im Pflegesystem sehr viel Geld verdient. Das sind zT grosse Betreiber von Pflegeheimen. Aber auch Anbieter von diversen Hilfsmitteln und Dienstleistungen, die von der Pflegekasse finanziert werden. Da hat sich eine regelrechte Goldgräberstimmung entwickelt. Anbieter optimieren da sehr effektiv, möglichst viel Geld aus dem System umzusetzen.

    • Pico

      @T-Rom:

      Gerecht ist dies bestimmt nicht. Kinderlose zahlen ja auch für die "kostenlose Mitversicherung von Kindern in den Krankenkassen" ein. Deswegen wäre es angebracht, dass Kinderlose nicht noch weiter bestraft werden. Ich fände es besser: Eine Pflegekasse nur für Kinderlose und nur von Kinderlosen finanziert. Sollen die Kinderlosenhasser bleiben wo der Pfeffer wächst ...

      • Ringsle

        @Pico :

        Nur dass halt niemand mehr nachkommt...in ihre Kinderlosenkasse

      • Oleg Fedotov

        @Pico :

        Das kann man ja machen, dann plädiere ich aber für einen Beitragssatz dieser Kinderlosen zur entsprechenden Kinderlosen-Pflegekasse von 50% des Bruttolohnes. Denn schließlich müssen für die Pflege dieser Menschen dann wahrscheinlich hochqualifizierte und entsprechend teure Fachkräfte aus dem Ausland angeworben werden.

      • Strolch

        @Pico :

        Stellen Sie sich vor, Sie sind zusammen mit Ihren Altersgenossen die letzten Menschen, da Sie keine Kinder bekommen haben. Und jetzt soll Sie jemand pflegen. Sie sitzen auf einem Riesen Haufen Geld und einem dicken Auto. Hmm... und jetzt? Wer hilft Ihnen?

        In dieser Welt sind wir nicht. Aber diejenigen, die Kinder großgezogen haben - auf extrem viel Geld verzichtet haben, damit das möglich ist, diese Kinder sollen sich um Sie kümmern. Nein, es ist keine Bestrafung von kinderlosen. Es ist nur ein Ausgleich. Und finanziell betrachtet sogar spottbillig.

        • Pico

          @Strolch:

          Wer auf einen Haufen Geld sitzt, braucht bestimmt nicht die Kinder vom Nachbarn. Und wenn man noch ein dickes Auto hat, fährt man zu jenen die mein Geld wollen. Und es sind viele die das wollen.

        • Budzylein

          @Strolch:

          "Aber diejenigen, die Kinder großgezogen haben - auf extrem viel Geld verzichtet haben, damit das möglich ist," Das ist ein Märchen. Niemand bekommt Kinder, "damit" diese Kinder später fremde Leute pflegen. Und Kinder zu bekommen, kann auch objektiv nur dann zur Sicherstellung der Pflege beitragen, wenn diese Kinder später auch in der Pflege tätig sind.

          • Pico

            @Budzylein:

            So ist es. Und weil die Kinder, zahlreiche Neffen und Nichten von jüngeren Geschwistern, nur eines wollen, nämlich das Haus und das Vermögen, pflegen ich und meine Frau, ebenfalls im hohem Alter, meine Schwägerin bzw. Schwester. Und das OHNE auf Geld zu schauen oder auf das Haus. Es soll ein Leben in Würde sein, deswegen hängen wir uns da voll und ganz rein. Hört mir auf damit, dass die Kinder die "Alten" pflegen! Das Gegenteil ist der Fall.

    • Budzylein

      @T-Rom:

      Höhere Beiträge für Kinderlose sind nicht gerecht, wurden aber vom Bundesverfassungsgericht erzwungen, weil das Gericht meinte, Menschen mit Kindern würden einen "generativen Beitrag" zur Pflegeversicherung leisten und müssten deswegen mit geringeren Beiträgen belastet werden als Kinderlose, obwohl sie bereits Vorteile in der Pflegeversicherung erhalten, weil ihre Kinder beitragsfrei mitversichert sind. Für Eltern gelten übrigens auch dann niedrigere Beiträge, wenn ihre Kinder keinen einzigen Cent in die Pflegeversicherung einzahlen (können), z. B., weil die Kinder auswandern, weil sie krankheits- und behinderungsbedingt nicht in der Lage sind, erwerbstätig zu sein, oder weil sie im Kindesalter gestorben sind. In diesen Fällen ist ein "generativer Beitrag" nicht erkennbar, und es wird allein das Kinderkriegen belohnt.

      Ohnehin ist es eine Milchmädchenrechnung: Nach der Rechnung des Bundesverfassungsgerichts werden Eltern belohnt, weil deren Kinder angeblich "gut" für die Pflegeversicherung sind. Wenn dieselben Kinder dann aber selbst kinderlos bleiben, sind sie auf einmal "schlecht" für die Pflegeversicherung und müssen einen Beitragszuschlag zahlen.

      • Strolch

        @Budzylein:

        Wer pflegt Sie, wenn es keine Kinder gibt? Ihr Bankkonto?

        • Pico

          @Strolch:

          Klar pflegt das "Geldkonto". Das tut es schon heute. Und das tut es gerade wenn Kinder im Spiel sind. Glaubt denn wirklich jemand ernsthaft, dass ein männlicher Nachkomme, seiner Mutter die Windeln wechselt? Da wird der Pflegedienst gerufen oder gleich das Heim gewählt. Insofern ist es das "Geldkonto" das pflegt. Und je mehr jemand bezahlt umso besser wird die Pflege sein.

          • Ringsle

            @Pico :

            Sie verstehen nicht...es gibt dann irgendwann niemanden mehr, weil niemand mehr nachkommt. Das dauert ein paar Generationen, natürlich. Man sieht es nicht sofort.



            Klar ist Zuwanderung eine Lösung, aber auch nicht dauerhaft nachhaltig.

        • *Sabine*

          @Strolch:

          Meiner Meinung nach gibt es zwei Möglichkeiten:

          Deutschland kann seinen Wohlstand erhalten und ist somit weiterhin beliebt bei Menschen, die hier nicht geboren wurden, aber gerne hier leben und arbeiten, sich vielleicht sogar mit einer eigenen Firma eine Existenz aufbauen möchten. Dann wird es weiterhin Zuzüge geben bzw. werden Menschen über Anwerbeabkommen nach Deutschland umziehen. Kann ja auch nur für Monate oder ein paar Jahre sein oder auf Wunsch für immer.

          Deutschland verarmt weitgehend. Dann wird niemand mehr nach Deutschland migrieren wollen, aber wir stehen in Bezug auf alle "Schwächeren" und vermutlich auch einigen "Stärkeren" in unserer Gesellschaft, Kranke, Kinder, Eingeschränkte, alte Menschen, vor der Herausforderung, diese Menschen zu versorgen oder es sein zu lassen. Vielleicht helfen dann diesbezüglich, wie in den Entwicklungsländern, eigene Kinder bei der Versorgungssicherheit ihrer Eltern. Ob das funktionieren wird, kann ich nicht einschätzen, gehe aber davon aus, dass es dann vielleicht auch potentielle Eltern geben wird, die in einer "solchen Welt", die "Schwächeren" keine Hilfe oder Schutz bieten kann, keine Kinder möchten; zumindest in der Übergangsphase.

      • warum_denkt_keiner_nach?

        @Budzylein:

        Kurz. Das BVG hat Recht. Es ist schlicht unmöglich jeden möglichen Fall zu berücksichtigen.

        • My Sharona

          @warum_denkt_keiner_nach?:

          Es ist schlicht dieselbe, sehr nachvollziehbare Logik, nach der Krankenkassenbeiträge (Mitgliedschaft in derselben Krankenkasse vorausgesetzt) sich nicht unterscheiden zwischen Menschen mit Hobbys, die eher mal zu Verletzungen führen, und denen, die ihre Freizeit weniger risikoreich gestalten. Ein abstraktes Solidarprinzip.

          • warum_denkt_keiner_nach?

            @My Sharona:

            Ob jemand Kinder hat, lässt sich leicht prüfen. Wie sollen Hobbys eingestuft und auch noch geprüft werden? Das Bürokratiemonster wäre kaum zu bändigen.

        • Budzylein

          @warum_denkt_keiner_nach?:

          Die Anzahl der Fälle, in denen die Kinder nichts zur Pflegeversicherung beitragen, ist aber enorm hoch. Das sind keine Einzelfälle. Aber das Gericht behauptet einfach pauschal, dass die Zeugung und Geburt eines jeden Kindes ein wertvoller Beitrag zur Pflegeversicherung sei.

          • Pico

            @Budzylein:

            So ist es. Wer in die Pflegeversicherung einzahlt, hat auch das Recht dafür im Bedarfsfall eine Pflege zu erhalten. Und da Kinderlose mehr einzahlen, sollten sie auch mehr erhalten.

          • *Sabine*

            @Budzylein:

            Üblicherweise werden Immobilien usw. auch rechtzeitig an die Kinder übertragen, damit im Pflegefall der Eltern kein Zugriff durch die Sozialbehörden mehr darauf erfolgen kann.

          • warum_denkt_keiner_nach?

            @Budzylein:

            Ehrlich gesagt kann ich nicht nachvollziehen, wenn sich Menschen so aufregen, nur weil sie einen kleinen Beitrag für die Gesellschaft leisten sollen.

            Im konkreten Fall. Kinder zu haben, ist ein erster Schritt. Ob die dann etwas Bestimmtes leisten, kann man nicht von vornherein sagen. Aber man kann ohne Aufwand sagen, ob jemand den Schritt getan hat. Also was soll die Aufregung?

  • Evi Holtendorp

    Warum wird auch hier (wie allgemein üblich) bei den Kritikern als erstes ausführlich eine Partei erwähnt, und erst als kurzes Anhängsel eine Stellungnahme aus der Zivilgesellschaft?



    "Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit." (Art. 21 GG)



    Natürlich meinen so gut wie alle Parteien, daß die politische Willensbildung ihre Angelegenheit sei, nachdem sie einmal gewählt worden sind.



    Um mal nostalgisch zu werden: Dazu, diese Parteienüberheblichkeit zu stützen, wurde die taz nicht gegründet.

  • Kabelbrand Höllenfeuer

    Auch damit treiben die Altparteien die jungen Wähler an die politischen Ränder. Die Mehrheit von denen hat in den ersten 12 Jahren des Erwachsenseins keine Kinder - das Durchschnittsalter für das erste Kind liegt bei 30,5 Jahren (Statistisches Bundesamt).



    Kinderlose bezahlen mit ihren Steuern übrigens auch die gesellschaftliche Infrastruktur, die für Kinder notwendig ist.



    Das jetzt auf den letzten Drücker der Beitrag von 0,3 auf satte 0,9% verdreifacht wurde, sollte man als abgekartetes Betrugsmanöver verbuchen, das Berliner Politbüro wollte schlichtweg die entsprechende Diskussionen und den zu erwartenden Widerstand umgehen.



    Auch das stärkt die politischen Ränder.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Kabelbrand Höllenfeuer:

      Vorweg. Ich bin (unfreiwillig) kinderlos. Ich zahle also den Zuschlag.

      Dabei muss man aber eben auf dem Boden bleiben. 0,9% sind alles andere als "satt". Sie machen nicht arm. Den politischen Rändern treiben solche geizgetriebenen Übertreibungen Wähler zu. Nicht ein paar Punkte hinterm Komma.

      Natürlich müsste es andere Reformen im System geben. Wichtig wäre, den Faktor Profit rauszunehmen. Schließlich wird der auch über Beiträge finanziert. Und es gibt auch andere Punkte. Aber so lange sich das Volk über Kleinigkeiten aufregt...

  • Grenzgänger

    Weiss jemand, wie die Politik „kinderlos“ definiert? Sind das die, die nie Kinder hatten oder sind das die, deren Kinder altersbedingt ausgezogen sind oder sind das beide Gruppen??

    • Altbayer

      @Grenzgänger:

      Danke für Ihren Humor! Erschütternderweise kenne ich diese Form des Humors, wenn die Frau Mama über die CDU-Politik nachgedacht hat... Möge es Ihr Humor bleiben, und nicht zu einer Stilblüte werden!

    • Kabelbrand Höllenfeuer

      @Grenzgänger:

      Kinderlos = Nie Kinder gehabt.

  • Roland Mader

    Sind Männer von der Erhöhung befreit? Meines Wissens nach KÖNNEN Männer keine Kinder bekommen 🤔

    • sailaway

      @Roland Mader:

      Männer - wie Frauen - von (nichtleiblichen) Pflegekindern, zahlen ebenfalls keinen Kinderlosenzuschlag.

    • Momo33

      @Roland Mader:

      Es geht um haben, nicht können. Herr Spahn ist da wirklich das beste Beispiel.

    • test_name

      @Roland Mader:

      Herr Spahn hat gerade das Gegenteil bewiesen.

      • warum_denkt_keiner_nach?

        @test_name:

        Na ja. Er hat keins bekommen. Er hat eins gekauft 😉

        • Altbayer

          @warum_denkt_keiner_nach?:

          Trocken bemerkt: Da bin ich ja froh, adoptiert worden zu sein - und nicht gekauft. Bei diesem Leasing-Modell a la Spahn fürchte ich immer die Rückerstattungsforderung bei Vertragsende - wie beim Leasing-Fahrzeug halt.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Roland Mader:

      Es gibt auch Frauen, die keine Kinder bekommen können...

  • KlausT15

    „ Zum 1. Januar 2028 soll ein Beitragszuschlag für die Mitversicherung von Ehegatten oder Lebenspartnern in Höhe von 0,52 Prozent erhoben werden, auch dies wie bei den Krankenkassen.“

    Alle Medien titeln, dass die Kinderlosen es zahlen sollen. Dabei steigt deren Beitragssatz um 0,3%.



    Die Versicherung meiner Ehepartnerin Steig rum 0,52%, obwohl sie ihre Mutter pflegt.

    Also Mutti ab ins Pflegeheim und arbeiten gehen. Politik gemacht von nicht-Betroffenen.

    • Altbayer

      @KlausT15:

      Aus persönlicher Erfahrung zieh ich den Hut vor der Leistung ihrer Frau!

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @KlausT15:

      Kann ich jetzt nicht nachvollziehen:

      "Zum 1. Januar 2028 soll ein Beitragszuschlag für die Mitversicherung von Ehegatten oder Lebenspartnern in Höhe von 0,52 Prozent erhoben werden, auch dies wie bei den Krankenkassen. Ausnahmen sollen etwa für Eltern von Kindern mit Behinderungen oder pflegende Angehörige gelten."

  • Dietmar Rauter

    Eigentlich sollten wir die verantwortungslosen Politiker nach Hause schicken, nur: Was haben sie denn überhaupt gelernt ? Nein, jetzt in aller Eile nach einem 'Kompromiß' zu suchen, nur, damit sie 'ihre Handlungs(un)fähigkeit' beweisen, zeigt doch das Dilemma dieser, unseren Ellenbogengemeinschaft: Da ist ein größer werdender Anteil alternder und gealteter WählerInnen, die alle in einen in Bezug auf das Klima verantwortungslosen 'Wohlstand' gedrängt wurden und jede Einschränkung inzwischen als Zumutung empfinden (was es für die ärmere Bevölkerung, die aber nichts zu sagen hat, auch ist !) und jetzt Rentenansprüche anmelden, die erst noch von den Jüngeren, die aber immer weniger werden, 'erwirtschaftet' werden müssen. 'Sparen und Aufsummieren' funktioniert in der Marktwirtschaft nicht, denn Geld, das nicht mindestens in Immobilien angelegt wird, ist nichts -mehr- wert. Die Jungen spüren das und die Alten berufen sich auf angebliche Privilegien. Ist es da ein Wunder, wenn da die ratlose (?) 'Politik' versagt oder aus eigenen Machtinteressen heraus schweigt ? Jetzt wären mindestens die in dieser Lage besonders 'reich' gewordenen an der Reihe, ihr Vermögen mit allen anderen zu teilen!

  • Vic Merz

    Und wieder einmal Totalversagen der Union in Verbindung mit der SPD, da holen wo es keine Lobby gibt, also ganz unten...



    Aber für nen Strandstuhl den man dann doch wieder nicht haben will ist immer Platz...



    Und Reiche reicht durch, von Eon gewollt, von ihr geschrieben und weiter im rückschstritt, Zack Zack, sonst meckert Fritze wieder..,



    Traurig traurig, aber ich kann endlich verstehen warum sich mein dad schon vor Jahren ins Ausland abgesetzt hat...



    +++, zu faul die ganzen versagen aufzulisten...

    • Oleg Fedotov

      @Vic Merz:

      Woanders ist das Gras halt immer grüner. Besonders wenn man, im Vergleich zu den Einheimischen, mehr Geld zur Verfügung hat. Dann kann man als Rentner oder auch im Home-Office in Thailand oder auch Rumänien etc. so richtig die Sau raus lassen.

  • Berliner99

    Sowohl bei der Krankenversicherung als auch bei der Pflegeversicherung wäre ein Basisbeitrag sinnvoll, der die Infrastruktur trägt. Der sollte ohne Beitragsbemessungsgrenze erhoben werden. Dazu kommt dann die individuelle Leistung, die privat oder gesetzlich abgesichert werden kann. Das dann wiederum mit Beitragsbemessungsgrenze.