Merz und die Sozialreformen: Nicht meckern, investieren!
Unser Kanzler hat es auch nicht immer leicht gehabt. Und hat es noch immer nicht. Man möge sich ein Beispiel an ihm nehmen.
L iebe Nation, hier spricht Ihr Bundeskanzler. Meine heutige Regierungserklärung richtet sich nicht an meine treue Wählerschaft, die Elite, nein: Ich wende mich an die 40 Prozent des Landes, die kein nennenswertes Vermögen haben! Ich weiß, für Sie bedeuten meine Sozialreformen harte Zeiten. Aber wenn ich kurz persönlich werden darf: Ich mag auf Sie wie ein sorgloser Siegertyp wirken – aber harte Zeiten kenne auch ich nur zu gut.
Kein Kanzler vor mir hat je so viel ertragen müssen! Und schon vor meiner Wahl hatte ich es nicht leicht. Wie Sie komme ich nicht aus einer der fünf Familien, die zusammen mehr als die Hälfte der Restbevölkerung besitzen. Nein, ich entspringe einer bodenständigen Anwaltsfamilie im Sauerland (mein Opa war irgendein Politiker, mehr weiß ich nicht).
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Trotz dieser bescheidenen Herkunft schaffte ich es auf zwei Gymnasien! Es reichte zwar nur für ein Abi von 3,8, aber habe ich mich davon entmutigen lassen? Nein! Ich habe mich – mit nichts außer einem Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung – aus dem Milieu meiner Anwaltsfamilie befreit und meinen eigenen Weg eingeschlagen. Als Anwalt. Und Politiker. Knochenjobs.
Zeitweise war ich sogar gezwungen, mein klägliches Politikereinkommen durch Nebenjobs in Aufsichtsräten aufzubessern. Und als mein Traum (was mit einem Bierdeckel, ich will nicht drüber reden) niedergeschmettert wurde – hab ich da geschmollt und alles hingeworfen? Ja. Aber dann habe ich mich weitergebildet! Dank der NGO BlackRock konnte ich einen objektiven Blick darauf gewinnen, was Menschen wie Sie und ich als Investoren von einem Bundeshaushalt erwarten! So eine Schulung sollten Sie auch machen! Fragen Sie mal beim Hartz-IV-Center nach, oder wie das heißt. Nicht betteln, investieren!
Ja, ich bin einer von Ihnen! Auch ich liebe proletarischen Ballsport! Haben Sie die sympathischen Bilder von mir in Wimbledon gesehen? Auch ich bin auf ein motorisiertes Transportmittel angewiesen! Und mit meinem Privatflieger profitiere ich nicht mal vom Tankrabatt. Von wegen privilegiert!
Und nun Sie, kleine Paschas! Auch wir haben etwas gemein. Auch ich leide unter Rassismus, und zwar in seiner perfidesten Form: dem Rassismus von Leuten, die wie ich keine Ausländer mögen, aber statt Union AfD wählen!
Also: Meckern Sie nicht über Reformen, machen Sie was aus ihrem Leben, wie ich. Lauern sie darauf, dass alle talentierteren Leute in ihrem Feld keine Lust mehr haben – und packen Sie zu! Kanzler ist schon vergeben. Aber wie wäre Soldat?
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