Krieg in Jemen: Gegenoffensive im Morgengrauen
Die jemenitischen Huthi-Rebellen wollen nach der Küste am Roten Meer weitere Städte einnehmen. Jetzt läuft ein Gegenangriff. Schickt die Türkei Truppen?
Foto: Abdulnasser Alseddik/ap/dpa
Die Jugendlichen ziehen mit ihren eigenen Waffen an die Front, um Taiz zu verteidigen. Vergangene Woche hatten die Huthi-Rebellen in Jemen einen Großangriff auf die Millionenstadt im Zentrum des Landes gestartet. Rund 30.000 Huthi-Kämpfer operieren an 50 Fronten, sagen lokale Quellen.
Fast drei Millionen Menschen leben in Taiz und im Umland. Seit 2015 belagern die Huthis die Stadt, einmarschieren konnten sie nie. Am Donnerstag, dem 1. August, starteten sie ihren neuen Großangriff auf die Stadt. Am Sonntag schnitten sie sogar die Hauptstraße von Taiz zu Jemens wichtigster Hafenstadt Aden ab. Infiltrierte Kämpfer hatten sie zuvor gesprengt.
Inzwischen sollen nach lokalen Berichten Truppen der international anerkannten Regierung Jemens die Straße wieder freigekämpft haben, aber die Kämpfe sollen andauern.
Rashad al-Alimi, Vorsitzender des jemenitischen Präsidialrats, hatte am Montag den Beginn der Gegenoffensive um Taiz verkündet, einen Tag nach Verkündung einer Großoffensive zur Rückeroberung von Sanaa. Man sei „von der Vorbereitung zur Tat geschritten“, so al-Alimi am Sonntagabend.
Jemen ist seit 2014 geteilt
Seit die Huthi-Rebellen 2014 die jemenitische Hauptstadt Sanaa einnahmen, ist das Land geteilt zwischen der von Iran unterstützten Huthi-Regierung in Sanaa und der von Saudi-Arabien unterstützten international anerkannten Regierung in der Hafenstadt Aden. Die Frontlinien waren seit einem UN-vermittelten Waffenstillstand 2022 weitgehend stabil.
Doch im September starteten die Huthis ihre größte Offensive seit diesem Waffenstillstand und nahmen die Stadt Mokha und daraufhin die gesamte Küste am Roten Meer sowie vorgelagerte Inseln ein.
Damit kontrollierten die Huthis Jemens Küste an der Meerenge Bab al-Mandab, wichtigste Seehandelsroute zwischen Europa und Asien. Sie hatten bereits Ende Juli eine Marineblockade gegen saudische Schiffe verkündet, als „Antwort auf die saudische Blockade“ gegen Jemens Huthi-Gebiet.
Raketen und Drohnen der Huthis trafen außerdem mehrere Ziele in Saudi-Arabien, begründet als Reaktion auf saudische Luftangriffe in Jemen. Militäranalysten sagen der taz, es gehe auch darum, Saudi-Arabien von einer direkten Unterstützung der jemenitischen Regierungstruppen abzuhalten und die Kontrolle über die Meerenge Bab al-Mandab zu festigen.
Die Huthis vom Roten Meer zurückdrängen
Die Gegenoffensive der Regierung seit Montag startete im Morgengrauen. 100 Flugzeuge der saudischen Luftwaffe nahmen nach Angaben des Sprechers der regierungstreuen Koalition, Generalmajor Turki al-Maliki, daran teil. Regierungsstreitkräfte eroberten nach Angaben der Regierung den Distrikt Dhubab an der Meerenge Bab al-Mandab zurück und rückten auf bis rund 20 Kilometer vor der Stadt Mokha vor. Mehrere weitere Städte sollen umkämpft sein.
Bewohner von Mokha berichten, dass die Huthis sich aus der Stadt zurückgezogen, aber zahlreiche Gebäude und Autos vermint hätten. Am späten Montag explodierte ein Auto vor dem Sportstadion al-Mina, als ein Passant daran vorbeiging. Niemand traute sich, nachzusehen, ob der Passant überlebte oder wer er war.
Brigadegeneral Mohammed al-Kumaim, Berater in Jemens Verteidigungsministerium, erwartet, dass die Regierungstruppen versuchen, die Huthis wieder vom Roten Meer zu entfernen. Die Huthis wiederum rücken nach eigenen Angaben im Landesinneren vor – sie belagern nicht nur Taiz, sondern vermelden auch die Einnahme der Stadt al-Turbah weiter südlich.
Der Krieg könnte sich auf Saudi-Arabien ausweiten
Es droht nun eine weitere Intensivierung des Krieges. Jemens Regierung hofft auf eine Mobilisierung von Huthi-Gegnern innerhalb des Huthi-Gebietes: In Saudi-Arabien lebende jemenitische Staatsführer haben zur Teilnahme an einer „entscheidenden und existenziellen“ Schlacht aufgerufen.
Huthi-Militärsprecher Yahya Saree vermeldete seinerseits am Montagabend Angriffe auf den internationalen Flughafen der saudischen Hauptstadt Riad und eine Aramco-Ölraffinerie in Saudi-Arabien.
In Riad kam ebenfalls am Montagabend das Komitee des Verteidigungsbündnisses von Mekka, das Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan umfasst, zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. In einer Erklärung verkündete das Komitee, man habe beschlossen, die gemeinsamen Schutzverpflichtungen „unverzüglich praktisch umzusetzen“ und „die notwendigen Maßnahmen zu treffen, um die vereinbarten militärischen Streitkräfte und Kapazitäten zur Verfügung zu stellen und ihre rasche Stationierung im Königreich (Saudi-Arabien, d. Red) sicherzustellen“.
In der Türkei wurde dies als Vorstufe einer Truppenentsendung nach Saudi-Arabien gewertet. In Pakistan erklärte das Verteidigungsministerium, man werde „Riad alle Mittel zur Verfügung stellen, sollten die Huthi-Angriffe weitergehen“.
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