Angriffe auf Kühlanlagen : Eiskalt erwischt
Die Cyberattacken zeigen, wie verwundbar unsere Versorgung mit Lebensmitteln ist. Und wie sehr der Schutz kritischer Infrastruktur vernachlässigt wird.
E s gibt Attacken, die lassen uns kurz staunen und verschwinden dann wieder aus der persönlichen Wahrnehmung. Und es gibt Attacken, die für Hilflosigkeit und Verunsicherung sorgen. Letzteres haben die Täter:innen hinter den Cyberangriffen auf Kühlsysteme in etlichen Supermärkten Europas auf jeden Fall geschafft.
Unsere Versorgung mit Lebensmitteln ist verwundbar – und dies offenbar mit recht einfachen Mitteln. In Frankreich wurden bereits Anfang Oktober digitale Steuerungssysteme von Gefriertruhen und Kühlschränken in Einkaufsläden aus der Ferne manipuliert. Jetzt folgen Schweden, Italien, Belgien, Estland, Finnland und Deutschland.
Statt gekühlt wurden die Lebensmittel eher gegart, auf soften 50 Grad. Die Nahrungsmittel haben die Hitzeattacke nicht überlebt und mussten größtenteils entsorgt werden. Der verursachte Gesamtschaden dürfte Hunderttausende Euro betragen.
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Die Lebensmittelversorgung und damit auch die Kühlketten zählen zur kritischen Infrastruktur, die besonders im Fokus von Supermarktinhabern und Firmen stehen müssen. So schreiben es entsprechende Gesetze vor. Doch selbst in hoch digitalisierten Zeiten, in denen Begriffe wie hybride Kriegsführung, Sabotageakte oder Cyberkriminalität zum Standardrepertoire möglicher Gefahrenlagen gehören, ist die Sicherung solcher Systeme offenbar noch immer nicht ganz oben auf der Agenda der Unternehmen angekommen.
Gibt es unabhängige Netzwerke, die Versorgungskreise voneinander trennen? Sind die Passwörter sicher, um auf die digitalen Systeme zuzugreifen, und gibt es einen „doppelten Boden“, also eine alternative Überwachung der Kühlung? Vielleicht sogar ganz menschlich, also in Form von Personal, das die Temperaturen ab und an kontrolliert? Ganz zu schweigen von Notfallplänen, wenn ein System ausfällt.
Erschreckend sind in den aktuellen Fällen sowohl die politischen Antworten als auch die Äußerungen der Unternehmen, so naiv und hilflos, wie sie daherkommen. Es brauche mehr Anstrengung beim Schutz von digitaler Gebäude- und Betriebstechnik, sagt etwa Digitalminister Karsten Wildberger (CDU). Und Firmen stellen überrascht fest, dass im KI-Zeitalter Attacken diffiziler, schneller und durchschlagender werden. Tja, wer hätte gedacht, dass Digitalisierung nicht nur Personalkosten einspart, sondern auch Nebenwirkungen hat.
Noch ist unklar, wer hinter den Cyberattacken steckt. War es Sabotage – gar initiiert von „fremden Mächten“? War es gewöhnliche Kriminalität von Täter:innen, die die Inhaber der Supermärkte erpressen wollen? Klar ist, dass mehr Bewusstsein für den Schutz kritischer Infrastruktur nicht bloß eine Option ist, sondern alternativlos.
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