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Gekränkte Männer in der Manosphere„Frauenhass ist zu einem sehr lukrativen Geschäft geworden“

Veronika Kracher arbeitet zu antifeministischen Onlinenetzwerken, der sogenannten Manosphere. Im Internet verstärkt sich geschlechtsspezifischer Hass.

Interview von

Klara Hohnke

taz: Veronika Kracher, wie gehen Sie mit Hass im Internet um?

Veronika Kracher: Wenn man in so einem Bereich arbeitet, wird man entweder der lustigste Mensch der Welt oder extrem depressiv. Es ist wichtig, eine Resilienz zu entwickeln und Abgrenzung zur Arbeit finden. Mir hilft vor allem die Erfahrung einer konkreten politischen, feministischen Handlungsfähigkeit und Solidarität meiner Genossinnen und Mitstreiterinnen. Das zeigt mir, dass es Menschen gibt, die diese Verhältnisse nicht hinnehmen und sie verändern wollen.

taz: Warum radikalisieren sich junge Männer im Internet?

Kracher: Wir leben in patriarchal strukturierten Verhältnissen, in denen die männliche Sozialisation sehr stark an die Abwertung des Nicht-Männlichen gekoppelt ist. Antifeministische Influencer appellieren an eine Krise der Männlichkeit und sprechen Jugendliche gezielt mit dem Versprechen an, ihnen die richtige Geschlechtsperformance beizubringen. Männer drängen Frauen und queere Menschen aus der Öffentlichkeit und nehmen sich selbst den Raum. Mit Hassnachrichten oder dem Generieren von Content in digitalen Räume ist es viel einfacher geworden, geschlechtsspezifische Gewalt auszuüben. Das ist im digitalen Mainstream angekommen. Die Entwicklung ist extrem gruselig. Frauenhass ist zu einem sehr lukrativen Geschäft geworden.

Im Interview: Veronika Kracher

Jahrgang 1990, ist Publizistin und bezeichnet sich als Expertin für belastende Männer im Internet.

taz: Könnte die Manosphere ohne Kapitalismus funktionieren?

Kracher: Geschlechtsspezifische Gewalt ist unabhängig von ökonomischen und politischen Systemen. Allerdings ist gerade das Monetarisieren von misogyner Gewalt ein Phänomen von kapitalistischer Plattformlogik. Männlich gelesene User werden auf Plattformen wie Tiktok oder Instagram schon nach kürzester Zeit mit antifeministischem Content vollgemüllt. Plattformen und die Betreiber von Social-Media-Apps stellen Technik her, die darauf ausgelegt ist, Frauen zu degradieren, und verdienen Geld damit. Techmonopole pushen diesen Content gezielt. Die Sicherheit von marginalisierten Menschen ist komplett egal, wenn es um Profitmaximierung geht.

taz: Sehen Sie eine Verbindung zum faschistischen Aufschwung?

Kracher: Definitiv ja. Denken wir an Maximilian Krah, der davon spricht, dass echte Männer rechts sind. Faschistische Organisationen und Strukturen sprechen ganz gezielt eine gekränkte Männlichkeit an: Früher war alles in Ordnung. Da hattest du eine treu sorgende Ehefrau und Kinder und konntest als alleiniger Ernährer fungieren. Heute ist dem nicht so. Als einfache Erklärung wird mit Feindbildern und reaktionären, verschwörungsideologischen Welterklärungen operiert, wie beispielsweise dem „großen Austausch“ oder dem Feminismus. Anstatt sich mit der eigenen Vormachtstellung zu befassen und wie diese sich im Zwischenmenschlichen artikuliert.

taz: Wo muss angesetzt werden, damit Männer nicht zu antifeministischer Gewalt greifen?

Kracher: Ich halte Aussteigerprogramme für wichtig. Aber wir sollten viel grundlegender ansetzen, wenn es um die Prävention von geschlechtsspezifischer Gewalt geht. Wir brauchen eine grundlegend feministische Pädagogik und Politik. Ein wichtiger Aspekt ist, dass Eigenschaften nicht mehr an Geschlecht gekoppelt werden.

Vortrag

„Vom Alpha-Mann zum Neonazi – Antifeministische Online-Radikalisierung“, 20. Oktober, 19 Uhr in der Volkshochschule Osnabrück, Bergstraße 8, Eintritt frei

taz: Inwiefern?

Kracher: Jungen muss von klein auf vermittelt werden, dass sie ihre Identität nicht darauf aufbauen müssen, andere Menschen abzuwerten. Frauenhass ist gesellschaftlich normalisiert. Da braucht es ein stärkeres Bewusstsein. Es ist bitter, dass die Bundesregierung bei Strukturen, die sich gegen geschlechtsspezifische Gewalt einsetzen, großflächig die Gelder kürzt. Das signalisiert, dass geschlechtsspezifische Gewalt gesellschaftlich nicht so wichtig ist.

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