Angespannter Ölmarkt: Das Kerosin wird knapp
Die Treibstoffversorgung am größten deutschen Flughafen in Frankfurt ist eingeschränkt. Auch die Trockenheit trägt dazu bei.
Foto: Boris Roessler/dpa
Auf dem Flughafen Frankfurt droht die Versorgung mit Kerosin knapp zu werden. Die Lufthansa bringt daher nun bei einigen ihrer Flüge Treibstoff von anderen Flughäfen mit. Das Unternehmen bestätigte am Donnerstag entsprechende Medienberichte, betonte aber zugleich, dass mit Flugstreichungen „derzeit nicht zu rechnen“ sei.
Wie das Unternehmen auf Anfrage mitteilte, habe man lediglich „vorsorglich verschiedene Maßnahmen ergriffen, um einen verlässlichen Flugbetrieb sicherzustellen“. Dazu gehöre eben „unter anderem, dass Flugzeuge auf ausgewählten Verbindungen vor Abflug nach Frankfurt zusätzlichen Kraftstoff tanken“.
Grund dafür sei „unter anderem eine reduzierte Pipeline-Kapazität“ am Standort Frankfurt. Darüber hinaus dürfte der niedrige Wasserstand des Rheins eine Rolle spielen, denn er führt dazu, dass Tankschiffe derzeit nur mit reduzierter Ladung verkehren können. Aufgrund der Trockenheit im Sommer erreichten die Pegel in diesem Jahr historisch niedrige Stände.
Die Fluggesellschaft bezeichnet ihren Schritt als „reine Vorsichtsmaßnahme“, die das Ziel habe, „einen verlässlichen Flugbetrieb auch über die nächsten Wochen hinweg weiterhin problemlos sicherzustellen“. Das Unternehmen weist zugleich darauf hin, dass die Versorgung der Maschinen mit Kerosin grundsätzlich Aufgabe der Airlines ist, auch wenn der Flughafen operativ involviert ist. Auf mögliche Engpässe müssten daher die Fluggesellschaften reagieren.
Angespannter Markt
Zu den Modalitäten ihrer Treibstoffbeschaffung äußert sich die Fluggesellschaft nicht weiter. Die Nachrichten aus Frankfurt dürften aber im Zusammenhang mit der allgemein angespannten Lage auf dem Markt der sogenannten Mitteldestillate stehen. Das sind die Fraktionen des Rohöls, die zwischen dem leichten Benzin und dem Schweröl stehen. Zu diesen zählen neben dem Kerosin auch der Diesel und das Heizöl.
Die Mitteldestillate sind in Europa derzeit besonders knapp, was sich auch daran zeigt, dass ihr Preis zuletzt deutlich stärker gestiegen ist als der Weltmarktpreis von Rohöl. An den Tankstellen reflektiert der Dieselpreis die knappe Versorgungslage: Der Liter Diesel ist inzwischen teurer als der Liter Benzin, obwohl die Mineralölsteuer für Diesel geringer ist.
Insbesondere die europäische Energiebörse ICE spiegelt die Knappheiten wider: Der Terminkontrakt für Diesel und Mitteldestillate (Low Sulphur Gasoil Future) stieg in den vergangenen Monaten deutlich stärker als der Preis für Rohöl. Anfang des Jahres notierte die Tonne noch bei rund 600 Dollar, inzwischen kostet sie mehr als 1.400 Dollar. Während der Rohölpreis sich aktuell etwa auf dem Niveau von März befindet, stieg der Index für Mitteldestillate seither um mehr als 50 Prozent.
Das Zusammenspiel von Rohölangebot und Preisen der Raffinerieprodukte ist komplex. Das liegt auch an den unterschiedlichen Zusammensetzungen des Rohöls je nach Herkunftsregion. Russisches Rohöl ist besonders gut für die Erzeugung von Diesel und Kerosin geeignet, während Rohöl aus Venezuela und Saudi-Arabien sehr schwer und Rohöl aus den USA wiederum recht leicht ist, was sich jeweils auf die Ausbeute von Diesel und Kerosin auswirkt.
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie begründet die besondere Anspannung in diesem Marktsegment mit dem Wegfall russischer Dieselexporte, die vor 2022 fast die Hälfte der europäischen Dieselnachfrage deckten. Auch die Internationale Energieagentur (IEA) schrieb dieser Tage in ihrem Oil Market Report, die Dieselmärkte stünden „weiterhin unter erheblichem Druck“ wegen anhaltender Lieferstörungen. Bereits im Frühjahr hatte der Chef der IEA, Fatih Birol, gewarnt, in Europa könne Kerosin schon bald knapp werden.
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