AfD-Jugend in Neumünster: Mit Rechtsrock und Rückendeckung
Die AfD-Jugend zieht mit Neonazis durch Neumünster. Ein Funktionär mit SS-Spruch bekommt neue Posten. Der Gegenprotest ist deutlich größer.
Foto: Marcus Golejewski/dpa
Selbst bei der Musikauswahl ließ die Generation Deutschland, die Jugendorganisation der AfD, am Samstag wenig Raum für Zweifel über ihre politische Ausrichtung: „Antifa, halt's Maul“, schallte es in der Innenstadt von Neumünster aus einem Lautsprecherwagen – ein Song der rechtsextremen Band „Kategorie C“. Die Bremer Band gilt als eine der bekanntesten Bands des gewaltaffinen und rechtsextremen Hooligan-Spektrums. „Solange es keine verbotene Musik ist, habe ich damit kein Problem“, sagte der AfD-Politiker Carsten Ortfeld, von der taz auf die Musik angesprochen.
Gut abgeschirmt durch ein behelmtes Großaufgebot der Polizei, zogen am Samstag streng gescheitelte Funktionäre der AfD-Jugend, AfD-Politiker und Teilnehmende aus dem neonazistischen Spektrum gemeinsam durch Neumünster. Zum extrem rechten Aufmarsch mit laut Polizei etwa 130 Teilnehmenden hatte der Landesverband der AfD-Jugend in Schleswig-Holstein zusammen mit dem örtlichen AfD-Kreisverband unter den Slogans „Neumünster bleibt deutsch“ und „Zukunft sichern – Identität bewahren“ mobilisiert.
Angeführt wurde der Demonstrationszug von einigen Funktionären der Generation Deutschland. Am Frontbanner in der ersten Reihe lief auch Julia Gehrckens, die eine von zwei Frauen im Bundesvorstand der AfD-Jugend ist. Gehrckens steht dem völkischen und „identitären“ Frauennetzwerk Lukreta nahe, fiel in der Vergangenheit auch mit rassistischen und antisemitischen Aussagen auf.
Wie weit rechtsaußen die AfD-Jugend steht, ließ sich auch an dem Auftritt des Funktionärs Kevin Dorow ablesen. Dorow hetzte in seiner Rede gegen einen in Neumünster geplanten muslimischen Kindergarten. Der Kindergarten ist für Dorow ein Beleg für „wachsende Räume“, in denen die „Autorität einer Mehrheitsgesellschaft nur noch formal gilt“ – womit Dorow an die rassistische Verschwörungsideologie des sogenannten „Großen Austauschs“ anschließt. Jetzt beginne jedoch die „Ära der Selbstbehauptung“, raunt Dorow im nationalistischen Duktus, „für ein Deutschland, das sich selbst noch bewahren will“. Die ersten Reihen des Demozugs grölten daraufhin die Parole „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“.
Bundesweite Bekanntheit erlangte Dorow, weil er in einer Rede beim Gründungskongress der AfD-Jugend die Parole „Jugend muss durch Jugend geführt werden“ verwendete. Der Slogan stammt aus der bündischen Jugendbewegung, war später auch Leitsatz der Hitlerjugend. 2025 hatte Dorow am sogenannten Volkstrauertag zudem einen SS-Treueschwur zitiert.
Dorow, der Mitglied der Alten Königsberger Burschenschaft Alemannia in Kiel ist, kassierte deshalb zunächst ein Parteiausschlussverfahren. Im Frühjahr ließ die Partei das Ausschlussverfahren jedoch wieder fallen. Stattdessen bekam Dorow eine zweijährige Ämtersperre auferlegt und musste seinen Posten im Bundesvorstand der AfD-Jugend räumen.
Doch auch das ist nun hinfällig: Dorow verfügt trotz seiner üblen Ausfälle jede Menge Rückhalt aus der Partei und dem Jugendverband. Seit kurzem gehört Dorow nun dem Vorstand des Landesverbands Schleswig-Holstein der AfD-Jugend an. Dorow tritt bei den Landtagswahlen im April auch als Direktkandidat für die extrem rechte Partei an.
Auch am Samstag bleibt es rassistisch
Auch in anderen Redebeiträgen blieb es am Samstag rassistisch: So klagte etwa der AfD-Politiker Karsten Ambrosius, der auch im kommenden Jahr für die Landtagswahlen in Schleswig-Holstein antritt, über „fünf Dönerläden, drei Barbershops und zwei türkische Gemüsehändler“ in „einem Umkreis von dreihundert Metern“. „Dem müssen wir ein Ende setzen“, so Ambrosius.
Zahlenmäßig weitaus besser aufgestellt war am Samstag der antifaschistische Gegenprotest. Eine Demo mit laut Polizei etwa 800 Teilnehmenden zog nur wenige Straßen entfernt durch die Innenstadt. Entlang der Demoroute hatten sich zudem zahlreiche Antifaschist:innen positioniert, um ihrem Protest lautstark Ausdruck zu verleihen. Tröten, antifaschistische Sprechchöre wie „Nazi-Schweine“ und Gute-Laune-Technobeats übertönten die Redebeiträge der AfD-Demo teilweise beachtlich. Immer wieder versuchten Kleingruppen von Antifaschist:innen zudem, die Aufmarsch-Route zu blockieren. Polizisten schubsten und drängten diese jedoch zumeist sofort rigoros von der Straße, sodass der Demozug der AfD fast störungsfrei durch die Innenstadt laufen konnte.
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