piwik no script img

Verhandlungen über IPCC-BerichtBlockade im Weltklimarat

Einige Länder verlangen mehr Zeit für den nächsten IPCC-Sachstandsbericht. Damit droht die gemeinsame Grundlage für UN-Klimagipfel verloren zu gehen.

Wenige Wochen vor der nächsten UN-Klimakonferenz steckt das größte wissenschaftliche Klimagremium, der Weltklimarat (IPCC), in einer Krise. IPCC-Chef Jim Skea blieb am Montag nur, an Vernunft und Kompromissbereitschaft zu appellieren: Es sei „entscheidend“, einen Konsens zu finden, sagte er. Zeitplan und Budget für die weitere Arbeit stehen infrage.

Der IPCC ist eine zwischenstaatliche Institution, die regelmäßig den Stand der wissenschaftlichen Forschung zum Klimawandel für politische Entscheidungsträger zusammenfasst. An diesen Sachstandsberichten sind mehrere Hundert Au­to­r:in­nen beteiligt, die Zehntausende Studien auswerten. Die IPCC-Berichte machen immer wieder die Dringlichkeit klimapolitischer Maßnahmen deutlich. Von dem nächsten wird erwartet, dass er wegen des klimapolitischen Rollbacks zu besonders alarmierenden Ergebnissen kommt.

Am Freitag waren Gespräche in Addis Abeba über diesen Sachstandsbericht gescheitert, der nach dem Willen der Mehrheit der 195 Mitgliedstaaten zum UN-Klimagipfel 2028 vorliegen soll. Eine Gruppe von Staaten, zu denen Saudi-Arabien, Indien, China und Russland gehören, erklärte aber, es brauche mehr Zeit, um Erkenntnisse und Daten aus Entwicklungsländern einzuarbeiten. Sie will die Veröffentlichung auf 2029 verschieben.

Die Staaten dieser Gruppe setzen stark auf fossile Energien und sind auch auf den UN-Gipfeln als Blockierer aufgefallen. In Addis Abeba verzögerten sie nun so lange, dass weder ein Zeitplan noch ein Finanzrahmen beschlossen werden konnte, weil Delegationen vor allem kleinerer, vom Klimawandel besonders betroffener Nationen pünktlich abreisen mussten.

Am Montag veröffentlichten 117 Forscher:innen, die in 36 Ländern – unter anderem in Indien und China – arbeiten, einen offenen Brief. „Wir haben keine Zeit zu verlieren“, heißt es darin. Auf dem Klimagipfel 2028 sei die nächste globale Bestandsaufnahme zur Erderhitzung geplant. Diese solle nicht ohne IPCC-Grundlage erfolgen. Zugleich betonen die Unterzeichnenden, dass die Berichte „auf inklusive Weise“ erstellt würden und sie sich dafür einsetzten, dass „das Wissen, die Erfahrungen und die Prioritäten jeder Region vollständig berücksichtigt werden“. (mit afp)

Mehr zum Thema

0 Kommentare