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Bedeutendes und umstrittenes MagazinCiao, „Emma“!

Vor knapp 50 Jahren erschien die erste „Emma“ – gegründet von Alice Schwarzer. Jetzt ist Schluss. Wirtschaftliche Gründe stecken angeblich nicht dahinter.

dpa/taz | Alice Schwarzer stellt nach 50 Jahren ihr feministisches Magazin Emma ein. Die Ausgabe vom 8. Dezember werde die letzte sein, teilte die Frauenrechtlerin der Deutschen Presse-Agentur in Köln mit. Wirtschaftliche Gründe seien dabei nicht ausschlaggebend. „Sicher, auch unsere Auflage sinkt. Aber unsere Einnahmen decken immer noch die Ausgaben“, versicherte Schwarzer in einer Erklärung. „Nein, wir gehen, weil wir meinen: Es reicht!“

Emma habe über drei Generationen hinweg die Stellung gehalten und „gegen so manchen Unsinn im Namen des Feminismus“ Position bezogen. „Also gestattet: Jetzt sind wir ermattet.“

Schwarzer gilt als Deutschlands bekannteste Feministin und ist inzwischen wegen ihrer Position zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und ihrer Haltung zu trans Menschen hochumstritten. Die von ihr gegründete Emma erschien am 26. Januar 1977 zum ersten Mal. Ihr Motiv dabei beschreibt Schwarzer heute so: „Es war die Frauenfeindlichkeit der von uns Feministinnen sogenannten ‚Männermedien‘, die mich zu dem Schluss kommen ließ, dass wir Journalistinnen ein eigenes Magazin, eine eigene Stimme haben müssten.“

Kritik an Schwarzer

Seit Beginn des Ukrainekriegs 2022 hat sich Schwarzer, teils zusammen mit Sahra Wagenknecht, immer wieder für schnelle Friedensverhandlungen mit Russland ausgesprochen. Kritiker werfen ihr vor, sie verliere aus dem Blick, wer in diesem Krieg der Aggressor und wer das angegriffene Land sei. 2024 räumte sie ein, dass ihre Haltung zum Ukrainekrieg auch Folgen für die Abon­nen­t*in­nen­zahl der Emma habe. Zwar habe es „für Emmas Friedenskurs“ 2023 viel Zustimmung von den Le­se­r*in­nen gegeben. „Aber immerhin jede fünfte Leserin hat aus Protest ihr Abonnement gekündigt. Das soll wehtun – und tut es auch.“ Sie werde sich davon aber nicht einschüchtern lassen.

Proteste zog Schwarzer auch mit ihrer Haltung zu trans Menschen auf sich. 2023 forderten 33 Au­to­r*in­nen und Künst­le­r*in­nen die Absage einer Veranstaltung mit ihr beim Literarischen Herbst in Leipzig, weil sie immer wieder durch „transfeindliche, rassistische und misogyne Aussagen und Publikationen“ auffalle. Schwarzer reagierte empört, sie habe „Transsexuelle“, ein veralteter und falscher Begriff, da es nicht um Sexualität geht, noch nie angegriffen, versicherte sie damals. Dennoch sprach sie dabei von einer „Transideologie“, die sie kritisch sehe. Häufig nutzen Rechte sowie Trans-Hasser*innen den Begriff „Transideologie“, um trans Personen zu unterstellen, dass sie andere – insbesondere Kinder und Jugendliche – dazu verführen wollten, sich selbst für Transgeschlechtlichkeit zu entscheiden. Eine Darstellung, die der Tatsache widerspricht, dass Menschen sich nicht dafür entscheiden, trans zu sein, sondern: eben so sind.

Kein Raum für junge Chefinnen

Immer mal wieder kam auch die Frage auf, ob Schwarzer die Leitung der im Zweimonatsrhythmus erscheinenden Emma nicht in jüngere Hände geben müsse. 2008 übernahm tatsächlich die Journalistin Lisa Ortgies die Chef*innenredaktion, doch schon nach kurzer Zeit kam es zum Zerwürfnis, und Schwarzer nahm das Heft wieder selbst in die Hand.

In der am 27. Oktober erscheinenden vorletzten Emma-Ausgabe versichert Schwarzer, sie habe im Laufe der Zeit durchaus versucht, „weitere Kolleginnen in unserem Geiste“ zu finden, immer wieder auch eine potenzielle Chefredakteurin. Es gebe auch Journalistinnen, die dafür infrage gekommen wären, doch hätten diese Kolleginnen andere Medien bevorzugt. Begründung: „Da weht der Wind von außen nicht ganz so rau.“

Anfangs befand sich die Emma-Redaktion am Kolpingplatz direkt in der Kölner Innenstadt. An Weiberfastnacht ging die Redaktion immer geschlossen auf dem Alter Markt Karneval feiern. Später zog die Redaktion in den mittelalterlichen Bayenturm im Kölner Rheinauhafen um. Hier arbeitete Schwarzer unter einem Bild der französischen Philosophin und Frauenrechtlerin Simone de Beauvoir, die ihr in den 60er Jahren den Weg gewiesen hatte.

Heute sei vielfach kaum noch bekannt, was Frauen damals alles durchlitten und sich dann mühsam erkämpft hätten, ist Schwarzers Ansicht. In Vergessenheit geraten sei auf der anderen Seite aber auch, wie frei Frauen damals gewesen seien: „Das waren Jahre des Aufbruchs, des Übermuts! Wir haben ja nicht nur gekämpft, wir haben auch gefeiert und getanzt. Und: Wir hatten wenig Zwänge. Wir hatten kein Instagram und haben kein Botox gespritzt. Das ist oft schwer zu vermitteln.“

2017 hatte Schwarzer die Zukunft von Emma beim 40-jährigen Jubiläum noch optimistisch eingeschätzt. Feministische Themen seien heute wieder gefragter als vor zehn Jahren, sagte sie damals. „Man hat in den 90ern geglaubt, man hätte schon alles erreicht. Und jetzt sehen wir: So schnell geht das nicht.“

Emma im Archiv

Nun betont Schwarzer, dass Emma Deutschland in einem halben Jahrhundert ein Stück verändert habe. Zwei von vielen Themen, über die das Magazin lange „quasi alleine“ berichtet habe, seien der sexuelle Missbrauch von Kindern und der Islamismus gewesen. Bei diesen Themen sei Emma schon 1978 beziehungsweise 1979 eingestiegen, lange vor den anderen. „Auf zahlreiche weitere Themen – wie zum Beispiel das Ehegattensplitting, der Brustkrebs oder die Genitalverstümmelung – wurden die Medien oft erst aufmerksam durch die Veröffentlichungen in Emma.“

Schwarzer behauptet zudem, Emma sei zuletzt das „weltweit letzte und einzige professionelle Publikumsmagazin am Kiosk in Feministinnenhand“ gewesen.

Das Emma-Archiv mitsamt Kisten und Kartons, Korrespondenzen und Kampagnen werde vollständig in den Bestand des Deutschen Literaturarchivs Marbach aufgenommen und dort Interessierten erschlossen, so Schwarzer.

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16 Kommentare

  • Westlahn

    Alice Schwarzer hat ihre Verdienste für die Frauenrechte. Aber über die Jahre hat dieser Kampf - und das war es wohl - gegen viele Widerstände wohl Tribut gefordert. Sie wurde doktrinär. Es mag sein, dass so ein Projekt, so ein Unternehmen wie Emma eine "starke Führungspersönlichkeit" braucht.



    Aber diese Persönlichkeit muss eben auch die fachliche und soziale Intelligenz haben oder entwickeln, das Projekt dadurch über sich selbst hinaus am Leben zu halten, dass sie Macht abgibt und andere, jüngere Personen "machen lässt".



    Das ist ihr nicht gelungen. Junge Journalistinnen kamen und gingen, weil ihnen die Herrschaft (oder muss man sagen: Frauschaft?) zu viel wurde. Gegen die persönlich haftende Eigentümerin kann eine andere Chefredakteurin offensichtlich nicht arbeiten , sobald sie andere Wege gehen will.



    Also übernahm sie wieder selbst.



    Eine Erklärung ist mir aufgefallen: sinngemäß etwa: die Redakteurinnen sind nach vielen Jahren des Kampfes erschöpft...



    Das können dann wohl nur ältere Weggefährtinnen sein, eine Verjüngung der Redaktion ist wohl nicht gelungen.

  • Dr Regina

    Alice Schwarzer hat den Feminismus als ihr Karriere-Thema besetzt und sich als oberste Frauenführerin stilisiert.

    Vergessen werden dabei aber die unzähligen Frauengruppen, die sich jeweils vor Ort engagieren, Frauenzentren und Beratungsangebote auf die Beine gestellt haben.

  • Klaus Waldhans

    Trotzdem ich ein Mann bin, war mir Feminismus durchaus immer wichtig.



    Nur tolerant, human, demokratisch u.s.w. sollte er schon daherkommen.



    Natürlich existiert(e) der Feminismus neben Schwarzer und Emma, obwohl sie gerne den alleinigen Vertretungsanspruch dafür beanspruchte. Im Laufe der Zeit kristallisierte sich immer mehr heraus, dass Schwarzer eher für sich 'kämpfte' und den Feminismus nur noch als Steigbügelhalter benützte.



    Spätestens seit dem Ukrainekrieg mutierte Alice Schwarzer immer mehr zu Alice Schweidel. So schloss sich dann der Kreis für Frau Schwarzer und ihrer Weltsicht.



    Ich gehe auch davon aus, dass nicht allzuviele Menschen der 'Emma' eine Träne hinterherweinen.

  • Bürger L.

    Alles hat seine Zeit und jede/r hat ihre/seine Zeit.



    Alice Schwarzer hatte ihre Zeit, in der sie - soweit ich das als Mann beurteilen kann - in Deutschland eine wichtige Wegbereiterin für Feminismus war.

    Sie war viele Jahre in den öffentlichen Medien Gesicht und Stimme für die Rechte von Frauen.



    Dafür hat sie sich in einer von Männern dominierten Medienwelt der alten Bundesrepublik kritisieren und beschimpfen lassen. Frauenverächtede Häme und Herabwürdigung fand damals noch nicht in "sozialen Medien", sondern in Rundfunk, TV und Zeitungen statt.

    Dafür, ihren Kopf hingehalten und weiter gekämpft zu haben, gebührt ihr Anerkennung.

    Tragisch ist allerdings, dass Alice Schwarzer nicht das Gespür dafür hatte, wann ihre Zeit vorbei ist.



    Dazu kommt noch, dass sie offenbar, was ihre Sicht auf gesellschaftliche Veränderungen und Politik betrifft, irgendwann "falsch abgebogen" ist.



    Das ist schade, schmälert aber nicht ihre Verdienste - zumindest in den ersten Emma-Jahren.

  • spaltarsch

    Gut so, eine Zeitschrift, die Frauen in der besetzten Ukraine einfach bei Kindesraub und systematischer Vergewaltigung im Stich lässt und für einen Grabfrieden Werbung macht, ist moralisch schon lange bankrott.

  • hinnerk untiedt

    "Schwarzer gilt als Deutschlands bekannteste Feministin und ist inzwischen wegen ihrer Position zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und ihrer Haltung zu trans Menschen hochumstritten. "



    Unvergessen auch die Steueraffäre und die seitherige Einbindung Schwarzers in die BILD und WELT. Denn Springer, den strafbare Steuervermeidung bei Vermögenden seit je wenig stört, ist Schwarzer beigesprungen und hat sie verteidigt. Schwarzer hat ihren Teil des Pakts erfüllt. Erinnert sei an die bundesweite, geschmacklose BILD-Werbung "Jede Wahrheit brauche einen Mutigen, der sie ausspricht" in der das Blatt der gewerblichen Lüge sich mit Verstorbenen wie Martin Luther King und Mahatma Gandhi schmückte. Im Unterschied zu den wehrlosen Toten hat Schwarzer freiwillig und mit Vorsatz ihren Namen, ihr Gesicht und eben auch ihre Glaubwürdigkeit in die Dienste Springers gestellt. Schade, sehr schade.

  • Dr Regina

    Alice Schwarzer hat sich mit dem Feminismus große Verdienste gemacht.

  • Dr Regina

    Aice Schwarzer hat sich mit dem Feminismus große Verdienste gemacht.

  • Sybille Bergi

    Für Frau Schwarzer habe ich hohen Respekt. Sie hat weder Angst sich mit dem establishment anzulegen, noch mit ihrem eigenen Lager. Möge sie ihren verdienten Ruhestand genießen.

  • Lindenberg

    Ciao dem Team der Emma und der Gründerin Alice Schwarzer. Schade, dass Schwarzer ihr Baby nicht einer jungen Generation in die Hände legte, z. B. mit einem Stiftungsmodell, welches durch reiche Erbinnen aus dem Rheinland sicher zu finanzieren wäre. Feminist philanthropy nennt sich dieses Konzept. Ilse Bosch ist eine Pionierin in diesem Zusammenhang. Oder aber befindet sich der Feminismus in Deutschland in einer Sackgasse, weil die Szene zersplittert ist und nicht an einen Strang zieht? Traurig, dass dezidierter Feminismus im öffentlich rechtlichen Rundfunk eingestellt wurde, ohne dass es nennenswerten Protest gab.

  • Minderleister

    Als Schwarzer in einem Fernsehinterview wörtlich sagte, dass die Ukraine ein „ganz, ganz kleines Land“ sei, war mir sofort klar, wie kompetent sie war, sich zu diesem Thema zu äußern. Und vorher hat es mich schon massiv gestört, dass sie anderen Frauen vorschreiben wollte, wie „richtiger“ Feminismus aussieht. Wenn die eine andere Definition von Emanzipation hatten, dann waren sie eben patriarchalisch indoktriniert.

    • Minderleister

      @Minderleister:

      Nachtrag: Ich glaube, dass weibliche Popikonen wie Madonna als Role Models mehr für den real existierenden Feminismus getan haben als Intellektuelle wie Alice Schwarzer oder Simone de Beauvoir.

  • Hans Dampf

    Diese Dame macht gerne auf Moral, hat aber 3,5Millionen illegal in der Schweiz angelegt, dessen Steuern man hier für Millionen einkommensschwache Frauen gebraucht hätte. Ich kann daher kein gutes Wort über diese falsche Moralistin verlieren.



    Die Druckauflage im Jahr 2000 betrug bis 130.000 Exemplare, heute sind es noch 25.660 verbreitete Exemplare. Ich glaube sehr wohl, dass neben " Jetzt sind wir ermattet"=Lustlosigkeit auch wirtschaftliche Gründe für die Einstellung sprechen.

    • Herbarius Zunichten

      @Hans Dampf:

      Was genau soll das heißen? Das man als Geschäftsfrau nichts verdienen darf und zur Seite legen? Das man, weil man in der "guten" Sache unterwegs ist sein verdientes Geld verteilen muss, weil Frauen sowas tun sollen?Bei Ihnen darf man als Frau nicht mal versuchen Steuern zu hinterziehen, weil Frau altruistisch zu sein hat?



      Selten so was frauenfeindliches gelesen.

  • Hubertus von Mainberg

    Eine gute Nachricht. Wer unter dem Deckmantel des Feminismus gegen andere Menschengruppen hetzt, hat Feminismus nicht verstanden.

    • Herbarius Zunichten

      @Hubertus von Mainberg:

      Ich habe von Frau Schwarzer niemals Hetze gehört oder gelesen. Wann soll das gewesen sein? Als sie versucht hat Frauenrechte gegen Willkür oder gegen Kopftuchzwang zu schützen? Ist das schon Hetze?