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Geleakte AfD-Mails Folgen jetzt mal Konsequenzen?

Konrad Litschko

Kommentar von

Konrad Litschko

Zehntausende geleakte interne Mails belegen nochmals, was ohnehin im Großen und Ganzen bekannt ist. Was folgt jetzt daraus?

E s sind Zehntausende interne Mails der AfD, die nun öffentlich sind. Nachrichten, die teils Jahre zurückliegen, einige aber auch nur wenige Wochen. Noch gibt es keinen finalen Überblick über die Inhalte, noch muss vieles geprüft werden. Aber das Bild, das sich schon jetzt abzeichnet, ist das einer Partei, in der rassistische Ausfälle zum normalen Ton gehören, in der mit NS-Referenzen gespielt, mit rechtsextremen Gruppen gekumpelt wird, Reisen nach Russland geplant oder auch kreative Umgänge mit Parteispenden besprochen werden.

Nichts davon erschüttert das Bild, das es bisher von der AfD gibt. Im Gegenteil: Genau dieses Bild gibt es seit Jahren. Denn die AfD versteckt ja nichts. Man muss ihren Funktionären nur zuhören, wie sie Menschen „in Anatolien entsorgen“ wollen oder „wohltemperierte Grausamkeit“ ankündigen. Man kann ihnen offen zusehen, wie sie den Prediger der „Remigration“, Martin Sellner, hofieren oder wie sie ihren Verwandten Jobs auf Steuerzahlerkosten verschaffen. Nichts davon geschieht im Geheimen.

Und all dies ist seit Jahren nicht nur durch Einstufungen des Verfassungsschutzes dokumentiert, sondern auch zuletzt in einem akribischen Gutachten der Gesellschaft für Freiheitsrechte, das zum Ergebnis kam, dass die AfD verfassungsfeindlich ist.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Die Frage ist: Was folgt daraus? Ein Parteiverbotsverfahren? Ein Entzug der Parteienfinanzierung? Ein Vorgehen gegen besonders radikale Landesverbände? Die bittere Antwort: Nichts folgt bisher daraus.

Was durch das Nichtstun aber durchaus folgt: eine immer weiter fortschreitende Normalisierung der AfD, die dafür sorgt, dass die Partei in Sachsen-Anhalt kurz vor ihrer ersten Landesregierung steht. Trotz aller Selbstentlarvungen der AfD, die in den jetzt geleakten Mails nochmals dargeboten werden. Oder wegen.

Was braucht es noch, um aufzurütteln? Um zumindest mal eine Arbeitsgruppe einzusetzen, die ein Verbotsverfahren prüfen soll? Dies zu tun, liegt in der Verantwortung von Bundesrat, Bundestag oder Bundesregierung. Handelt endlich!

Konrad Litschko

Konrad Litschko Reportage und Recherche

Ressort Reportage und Recherche. Zuvor Redakteur für Themen der "Inneren Sicherheit" im taz-Inlandsressort, dort von 2022 bis 2024 stellvertretender Ressortleiter. Davor im Berlin-Ressort. Mitautor der Bücher "Staatsgewalt" (2023), "Fehlender Mindestabstand" (2021), "Extreme Sicherheit" (2019) und „Bürgerland Brandenburg" (2009). Threema ID: 2H9VKXR4
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18 Kommentare

  • Strolch

    Die Frage ist nicht, dass die AFD Holocaustleugner anzieht. Das ist klar. Die Frage ist, wie die AFD damit umgeht. Wird es geduldet? Unterstützt? Oder werden solche Leute ausgeschlossen? Bislang habe ich noch keinen Artikel gelesen, der dies darstellt. Wie so oft gilt: abwarten. Bei 400000 mails dauert das mal ein paar Tage/Wochen.

  • Bürger L.

    Gelegentlich ist zu lesen, dass der Antisemitismus in Deutschland nie ganz weg war.



    Dass es sich mit dem Rechtsradikalismus seit 1945 nicht anders verhält, zeigt eine kurze, aktuelle Auflistung der Bundeszentrale für Politische Bildung t1p.de/qqzr2.

    Dazu passt, dass man in der alten Bundesrepublik nach 1945 die Erzählung, dass "der Feind links steht" nahtlos fortsetzen konnte, während einzelne Altnazis in Verwaltung, Politik und Justiz stillschweigend akzeptiert wurden.



    Nach Gründung der DDR wurde in der konservativ dominierten Presselandschaft eher das Schreckgespenst des Kommunismus, als die Gefahr durch Rechte Rassisten an die Wand gemalt. Nach dem Ende der DDR fühlten sich große Teile der Gesellschaft in dieser Haltung bestätigt.

    Das ist der Boden, auf dem die rechts-nationale AFD gut gedeihen konnte. In Zeiten allgemeiner Verunsicherung unterstützt die Schwäche der demokratischen Parteien das Erstarken rechtsradikaler Kräfte.

    Vor diesem Hintergrund wundert es mich nicht, dass Hemmnisse bestehen, ein Verbotsverfahren auf den Weg zu bringen.



    Bleibt nur zu hoffen, dass die politisch Verantwortlichen endlich den Ernst der Lage erkennen, bevor es (wieder) zu spät ist.

  • ttronics

    Kann man solche wie auch immer geleakten Mails eigentlich wirklich verwenden?

  • Gerhard Krause

    Warum wurde die Verlinkung auf die Website gelöscht? ..

  • warum_denkt_keiner_nach?

    Natürlich geschieht nichts. Eben weil in den Mails nichts Neues steht.

  • Elite123

    Für ein Verbotsverfahren muss bewiesen werden, dass die AfD als Ganzes danach strebt, gewaltsam die FDGO zu beenden.

    Selbst wenn sie es fordert, ohne es gewaltsam durchsetzen zu wollen, muss das BVerfG das Verbotsverfahren ablehnen.

    Die bisher beschriebenen Sachverhalte reichen leider nicht aus, um diese Hürde zu überwinden.

  • Flix

    Solange Teile der Union glauben, die AfD zum einen als potentiellen Partner und zum andern als Rechtfertigung für die eigene rechte Politik zu benötigen, wird gar nichts passieren. Dass die AfD durch und durch rechtsextrem ist, liegt doch schon seit Jahren offen, ein paar geleakte E-Mails mehr oder weniger dürften da kaum zu neuen Erkenntnissen führen.

  • EchteDemokratieWäreSoSchön

    Ja, es sollte zumindest eine Prüfung eines Verbotsverfahrens geben.

    Aber es wird wieder der Punkt vergessen, der noch wichtiger ist als ein Verbot der AfD.

    Noch wichtiger ist, dass diese Regierung endlich eine Politik macht, die nicht immer noch mehr Wähler der AfD zutreibt.

    Solange weiterhin eine Politik gemacht wird, die die ganzen Lasten der sogenannten Reformen bei den ärmeren 70-80% ablädt, aber insbesondere Superreiche (>100 Mio. $) und Milliardäre schont, werden immer mehr Menschen aus Angst, Sorge und Wut auf die Regierung die AfD wählen.

  • Birne Helene

    Was folgt jetzt daraus?

    Nichts. Die Linke muss sich endlich gegen jeden Antisemitismus bekennen. Aber sonst? Ariel wäscht nicht nur sauber, sondern rein.

    • Lizu Mutzson

      @Birne Helene:

      Ist das hier ein whataboutism-Kontest oder wie? Was hat Antisemitismus in kleinen (aber lauten) Teilen der Linken damit zu tun? Sicher, darum muss sich gekümmert werden, aber genauso gut könntest du uns hier was von Verzögerungen beim Ausstellen erstmaliger Füherscheine in vielen Landratsämtern in.Deutschland erzählen, hätte ähnlich viel mit dem Topic zu tun. Antisemitismus gibt es in den Mails übrigens auch zuhauf, wieso bleibst du nicht beim Thema und schreibst was dazu.

  • Frank Naumann

    "Folgen jetzt mal Konsequenzen?"

    Definitiv nicht.



    Bei faktisch allen Straftaten zum Nachteil von politisch missliebigen Menschen oder Organisationen werden die Täter nicht bestraft. So wird es auch in diesem Fall laufen.

  • Wanderin

    "Nichts davon geschieht im Geheimen."



    -



    Nein, ihr unterschlagt die tiefe wahnhafte Obsession mit antisemitischen Verschwörungstheorien und Holocaust-Leugnungen, die diese Leute anscheinend während ihrer Arbeitszeit auf ihren dienstlichen Email-Postfächern empfangen und offensichtlich diskutieren. Ja, ich sage "wahnhaft" weil selbst Angela Merkel wegen ihrer Flüchtlingspolitik anscheinend zur "Jüdin" deklariert wird. Ich bin mir auch sicher, dass manche immer noch nicht mitbekommen haben, dass diese Leute an die Verschwörung glauben, dass "Juden" den deutschen "Bevölkerungsaustausch" mit Flüchtlingen "orchestrieren".



    -



    Ihr, liebe Taz, macht mit bei der Verharmlosung. Wochenlang habt ihr die Hysterie um die Wahlparty in Berlin angefacht und suggeriert, dass dort die schlimmste Bedrohung des Landes lauert und falsche Hufeisen-Gleichsetzungen publiziert. IHR habt es anscheinend immer noch nicht begriffen. Wie sonst sind solche bornierten Artikel zu erklären wie z.B. von Barbara Dribbusch, die schrieb: "Lasst sie einfach mal regieren!" Gunnar Hinck, der den unsäglich ignoranten Volksbad-Artikel schrieb, sollte gezwungen werden, diese emails und das Interview mit Viola Mabel zu lesen.

    • Wanderin

      @Wanderin:

      Nachtrag: Vielleicht geht ihm dann langsam mal das Licht auf, dass das Problem nicht die Linkswoken sind, sondern der tief perverse, sadistische Hass auf Schwarze, Migranten sowie das fieberhafte antisemitische Weltverschwörungsdenken, das in diesen Emails in voller Dröhnung zutage tritt. - Und immer mehr institutionelle Macht gewinnt.

      • Lizu Mutzson

        @Wanderin:

        Verschwörungserzählungen, Rassismus, Antisemitismus und Aufrufe zur Gewslt durch AfD Mandatsträger, Mitglieder, oder Symphatisanten gab es durchaus auch schon früher teils ganz offen auf social Media, in Interviews & Co, oder entsprechende Äußerungen sind auf anderem Wege an die Öffentlichkeit gelangt, Ausmaß und Menge des Gesagten in den Mails sind aber tatsächlich neu.

  • Sabine Hofmann-Stadtländer

    Es wird nach meiner Einschätzung wieder nichts passieren, noch nicht einmal ein Prüfverfahren. Dafür wird bei uns in Baden-Württemberg seitens des Innenministeriums massiv vor der Gewalt durch linksradikale Aktionsgruppen bei den anstehenden schwäbischen GenZ-Demonstrationen gewarnt.

    Es ist zum Verzweifeln, wie auf der einen Seite Gewalt herbeigeredet (self-fulfilling prophecy) und auf der anderen Seite tatsächliche Gewalt völlig negiert wird.

  • Westlahn

    Ein paar Hunderttausend Mails sauber zu analysieren dürfte einigen Aufwand benötigen. Einfach eine KI drüber laufen zu lassen, springt glaube ich etwas zu kurz.



    Und die "hohen" AfD - VertreterInnen haben ja schon ihre Taktik gezeigt: alles irrelevant, Einzelfälle, unglückliche Formulierung, böswillige Unterstellungen und wo's gar nicht anders geht: fake news, und als "running gag": das wird man ja wohl noch sagen dürfen. Leugnen und Aussitzen. Hat bisher noch immer funktioniert, wenn das Ziel ist, die Wahl-Klientel bei der Stange zu halten.

  • Heho

    Macht bitte mit:



    pruef-demos.de/

  • gyakusou

    Warum sollte sich jetzt irgendwas neues ergeben? Bis jetzt ist keine "Smoking Gun" aus den Leaks bekannt. Eher im Gegenteil: Problematische Vorfälle wurden aufgearbeitet und endeten in Parteiausschlussverfahren. Am Ende helfen diese Leaks der Partei noch in einem möglichen Parteiverbotsverfahren.