Der Kanzler und die Frauen: Friedrich Merz jetzt Feminist
Wenn eine Frau Bundespräsidentin wird, dann soll das schon Gleichberechtigung sein. Der Kanzlerposten aber bleibt beim Mann.
Foto: Thilo Schmuelgen/reuters
B ei Loriot verstehen Männer und Frauen einander nicht, und je mehr beispielsweise Hermann aus „Das Frühstücksei“ erklärt, was er mit „hart“ meint, desto prekärer wird seine Situation. Bei Friedrich Merz ist es ganz ähnlich: Er selbst versteht sich ausgezeichnet. Aber die Frauen verstehen ihn meistens nicht. Und seine Berater beten dann, er möge bloß nicht anfangen zu erklären, was er eigentlich gemeint hat.
Doch nun hat der Bundeskanzler zum Befreiungsschlag in Sachen Feminismus ausgeholt. Diese Woche verkündete er: Eine Frau soll nach Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ins Schloss Bellevue einziehen. Eine Frau! Wie überaus großzügig. Damit dürfte wohl klar sein, dass er tatsächlich ein Frauenversteher ist, wie er schon seit Jahren betont hat: „Wenn ich wirklich ein Frauenproblem hätte, wie manche sagen, dann hätten mir meine Töchter längst die Gelbe Karte gezeigt – und meine Frau hätte mich nicht vor 40 Jahren geheiratet.“
Wird eine Frau Bundespräsidentin, dürfte andererseits natürlich nachvollziehbar sein, dass es damit dann erst einmal gut sein muss mit dem Feminismus. Bundeskanzler hat entsprechend auch bei der nächsten Bundestagswahl selbstredend ein Mann zu werden, vorzugsweise der von Charlotte Merz. Letztere hat den Vorteil, dass sie über 40 Jahre Zeit hatte, den Friedrich verstehen zu lernen. Eine endlos wirkende Zeit, wenn man bedenkt, wie quälend lang einem bereits die 18 Monate seit dem Amtsantritt des Kanzlers vorkommen.
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Doch vielleicht entwickelt Merz doch noch Mutti-Qualitäten. An der nötigen Emotionalität scheint es dem über Nacht zum Feministen gereiften Kanzler jedenfalls nicht zu fehlen. Bei der Verleihung des Deutschen Schulpreises Ende September flossen Tränen, bei der Wiedereröffnung der Münchner Synagoge ein Jahr zuvor ebenfalls. Auch bei einer Rede über die Ukraine rang der Kanzler um Fassung. In der Disziplin Rührung ist er inzwischen jedenfalls bestens aufgestellt.
Nur wenn Frauen ihm erklären, was sie bedrückt, und ihn dabei sogar noch öffentlich kritisieren, ist es mit der Empathie bisweilen schnell vorbei. Vielleicht sollten seine Berater Merz in Dauerschleife Loriots „Frühstücksei“ vorspielen, auf das ihm die Erkenntnis kommt: Manchmal liegt das Problem nicht am Ei, sondern an dem Mann, der es erklärt.
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