„Soundcinema“-Festival Düsseldorf: Voll konzentriert beim Hören in 7.1
Das Festival „Soundcinema“ in Düsseldorf bietet als einziges seiner Art seit 2019 „Recorded Sounds für experimentelle Musik und Klangkunst“.
Als der Medienwissenschaftler Maximilian Haberer (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) 2019 „Soundcinema“ gründete, war es das erste Festival für „Recorded Sounds für experimentelle, elektronische und elektroakustische Musik und Klangkunst“ weltweit.
Auch 2026 ist dem auf drei Personen angewachsenen Veranstalterteam diese Ausnahmerolle sicher: Bis jetzt gibt es kein anderes Festival mit dem Fokus auf vorproduzierte Musik. Das Format kommt an: Jährlich zieht „Soundcinema“ ein vielfältiges Publikum quer durch alle Alterskohorten an und füllt damit den Saal im Freien Forum Theater Düsseldorf.
Die Räumlichkeiten sind Teil eines Konzepts, das gleich mehrere unkonventionelle Setzungen bietet: Der Theaterraum ist eine Blackbox, gänzlich in Schwarz gekleidet, die Bühne leer und kaum ausmachbar. Stattdessen hängt eine 7.1 -Anlage, die mit ihren dunklen Boxen kaum auffällt. 7.1 bedeutet, dass es neben sieben individuell ansteuerbaren Lautsprechern, drei an jeder Seite, einer frontal, noch einen Subwoofer für Bassfrequenzen gibt.
Dies ist der Rezeptionsraum für das Festival und seine Soundkompositionen. Einzig ein funzliges blaues Deckenlicht illuminiert den Raum schwach. Im Mittelpunkt steht die unabgelenkte auditive Rezeption. Damit schließt das eintägige Format an die Ideen der Akusmatik an, ein aktuell viel beachtetes Musik- und Klangforschungsfeld (entstanden im Frankreich der 1950er), das die Nichtsichtbarkeit der Klangquelle und das Ideal des „Reinen Hörens“ verfolgt.
Messen im Wettbewerb
„Soundcinema“ ist Festival und Wettbewerb zugleich, in dem sich je fünf Teilnehmer*innen in zwei Kategorien (eine mit einem jährlich wechselnden Themenschwerpunkt, die andere ist frei) mit vorproduzierten Stücken messen und von einer dreiköpfigen Jury begutachtet werden. Dazu gesellt sich ein Publikumspreis. Alle drei Preise sind mit jeweils 750 Euro dotiert. 700 Einreichungen aus aller Welt beweisen, dass dies auch von der internationalen Community wertgeschätzt wird.
Beiträge kommen vornehmlich als Kompositionen der Akusmatik, die in ihren rein elektronischen oder elektroakustischen Stücken, Aufnahmen von analogen Instrumenten, Fieldrecordings, hochkomplexe Hardware- und Softwareaufbauten zusammenbringen. Begriffe wie „neuronales Netzwerk“, „asymmetrisches Buffering“, „Granularsynthese“ und selbstverständlich „künstliche Intelligenz“ nahmen auch am vergangenen Mittwoch, bei der achten Festival-Auflage, viel Raum ein.
Je vager, desto besser
Dass sich dahinter sowohl superexperimentelle, durchaus anstrengende und herausfordernde Soundcollagen als auch lustvollere, herkömmlichere Vokalkompositionen verbergen, liegt in der Vagheit der Vorgaben. Dies ist ein Zustand, der von Festivalmachern und Publikum ausdrücklich begrüßt wird.
Gerade die Abwechslung, erfahre ich von zwei Besucher*innen, mache das „Soundcinema“ so spannend: „Du weißt nie, was als Nächstes folgt.“
„Soundcinema“ Düsseldorf ist als erfolgreiches Festival Beweis dafür, dass sich nicht nur von Künstler*innen, sondern auch von Kurator*innen und Veranstaltenden mehr Experimentierfreudigkeit gewünscht wird.
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