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Kritik von Grünen und UmweltschützernSatte Zuschläge für LEAG und RWE

Neue Gaskraftwerke sollen Strom liefern, wenn Wind und Sonne schwächeln. Bei einer ersten Ausschreibung jubilieren die alten Kohlekonzerne.

Hier soll der Strom in Zukunft herkommen, wenn Wind- und Solaranlagen wetterbedingt wenig liefern können: In der ersten Ausschreibung von Kraftwerkskapazitäten zur Sicherung der Stromversorgung hat die Bundesnetzagentur am Dienstag elf Zuschläge erteilt – ausschließlich für Gaskraftwerke. Anlagen zum Stromspeichern, die in Zeiten von viel Sonne und Wind mit Ökostrom befüllt und bei Knappheit angezapft werden könnten, kamen nicht zum Zuge.

Sechs Zuschläge erhielt die LEAG in Brandenburg und Sachsen, drei Zuschläge gingen nach Nordrhein-Westfalen an RWE, jeweils einer nach Bayern (Gaskraftwerk Leipheim) und Baden-Württemberg (Stadtwerke Karlsruhe). Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sprach von einem „fossilen Subventionsprogramm für klimaschädliche Gaskraftwerke großer Energiekonzerne“.

Die Bundesnetzagentur hatte im Rahmen des Strom-Versorgungssicherheits-und-Kapazitätengesetzes 4.500 Megawatt an gesicherter Kraftwerksleistung ausgeschrieben und 41 Gebote erhalten. Bezuschlagt wurden nun sogar 5.160 Megawatt an sogenannten Langzeitkapazitäten. Die Kraftwerke müssen von November 2031 bis Oktober 2046 zuverlässig auf Abruf Strom liefern können. Dafür erhalten die Betreiber dann Geld, zahlen müssen die Stromkunden.

„Über 12 Milliarden Euro werden so über 15 Jahre verteilt und aus einer Umlage auf den Strompreis finanziert“, beschwert sich der BUND. Besonders absurd sei, dass mehrere Zuschläge an alte Braunkohlekraftwerke gingen, die zu Gaskraftwerken umgerüstet werden sollen. „Diese alten Kraftwerke sind weniger flexibel und ineffizienter als neue Gaskraftwerke und damit noch klimaschädlicher“, monieren die Umweltschützer.

Hohe Hürden für Stromspeicher

An der Auktion konnten Anlagen teilnehmen, die technisch in der Lage sind, ohne Unterbrechung für zehn aufeinanderfolgende Stunden mindestens 80 Prozent der installierten Leistung bereitzustellen. Spätestens nach drei Stunden müssen sie dann erneut dazu in der Lage sein, was eine hohe Hürde für Speicher ist. Entsprechend kamen in dieser Runde ausschließlich Gaskraftwerke zum Zuge. Laut Netzagenturchef Klaus Müller hatten sich aber auch Stromspeicher beteiligt.

Während Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche die Ausschreibung als einen „großen Erfolg“ bezeichnete, kritisierte die grüne Bundestagsabgeordnete Katrin Uhlig die fehlende Akteursvielfalt: „Wir machen uns bei der Versorgungssicherheit wieder abhängig von einzelnen Unternehmen.“ Diese Struktur habe die Energiewende „eigentlich aufgebrochen“ gehabt.

Hintergrund der Ausschreibung gesicherter Kraftwerksleistung ist der massiv steigende Strombedarf in den Sektoren Industrie, Wärme und Mobilität bei gleichzeitigem Kohleausstieg. Die Deutsche Energieagentur (dena) hatte wiederholt darauf hingewiesen, dass ein „Ausbau von wasserstofffähigen Gaskraftwerken zur Deckung der Spitzenlast“ nötig sei. Auch das Beratungsunternehmen Enervis betont, „zeitnahe Investitionen“ in zumindest wasserstofffähige Gaskraftwerke seien „ein zentraler Baustein, um eine vollständige Dekarbonisierung des Strom- und Fernwärmesystems“ zu ermöglichen. Mindestens vorerst setzt die Energiewirtschaft mangels Wasserstoffs aber auf klimaschädliches Erdgas.

Dass die klimapolitisch gewollte Elektrifizierung der Wirtschaft ohne zusätzliche planbare Stromerzeugung kaum gelingen kann, spüren zunehmend auch regionale Netzbetreiber. Der Netzbetreiber Hamburger Energienetze zum Beispiel hatte erst am Montag mitgeteilt, dass in der Hansestadt aufgrund der schon heute „sprunghaft gestiegenen Anschlussanfragen“ derzeit keine Neuanschlüsse mit mehr als 1,5 Megawatt mehr möglich seien.

Selbst kleinere Städte sind mitunter am Limit. Jüngst schlug das Elektrizitätswerk Mittelbaden Alarm: Große Unternehmen könnten derzeit keine neuen Netzanschlüsse mehr bekommen. Auch einem Betreiber, der einen Megawatt-Ladepark für Lkw bauen wollte, musste das Unternehmen bereits absagen, weil durch Engpässe im vorgelagerten Hochspannungsnetz nicht genug Strom verlässlich in der Region ankommt. Daher hatte sich auch das E-Werk Mittelbaden mit einem geplanten Gaskraftwerk an der Ausschreibung beteiligt, ging aber in der ersten Ausschreibungsrunde leer aus. Der nächste Gebotstermin ist für den 29. Dezember vorgesehen.

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