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Spekulationen über Melania TrumpEine First Lady in Teilzeit

Als erste First Lady hat Melania Trump eine Waffenruhe ausgehandelt. Der ukrainische Präsident Selenskyj würdigt diesen Erfolg mit einem Orden.

An Melania Trump scheiden sich die Geister. Am Mittwoch hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Gattin seines US-Kollegen mit dem Orden der Fürstin Olga erster Klasse ausgezeichnet. Er zeigt damit die Dankbarkeit der Ukraine für die von Melania Trump ausgehandelte Waffenruhe und teilweise Evakuierung der von Russland eingekesselten Frontstadt Oleschky.

Der Orden ist die höchste Auszeichnung, die nur an Frauen vergeben wird. In dem Selenskyj-Dekret heißt es zur Begründung, Trump erhalte die Auszeichnung für ihren „bedeutenden persönlichen Beitrag zur humanitären Unterstützung der Ukraine, ihr aktives Engagement für Menschenrechte und wohltätige Aktivitäten zum Schutz ukrainischer Kinder“.

Melania Trump hatte nach einem Bericht der Nachrichtenagentur AP wochenlang mit Unterhändlern Russlands und der Ukraine verhandelt, um die seit Monaten nicht mehr mit Wasser, Nahrungsmitteln, Medikamenten und Treibstoff versorgten Menschen in Oleschky zu beliefern. Und allen dort, die gehen wollen, die Ausreise in die Ukraine oder nach Russland zu ermöglichen. Das war etwa 800 Menschen am Sonnabend gelungen.

Melania Trump ist damit die erste Präsidentengattin, die eine Waffenruhe ausgehandelt hat. Zuvor hatte sie als erste First Lady in der Geschichte der Vereinten Nationen eine Sitzung des UN-Sicherheitsrates geleitet. An diesem Donnerstag will sie Details zu der Rettungsaktion in Oleschky berichten. Ob sie dabei auch etwas zu ihren Bemühungen um die Freilassung der Zehntausenden nach Russland verschleppten ukrainischen Kinder sagt, bleibt zunächst unklar.

Weniger öffentliche Auftritte

Damit zeigt sich die 1970 in der damals noch zu Jugoslawien gehörenden slowenischen Kleinstadt Sevnica Aufgewachsene erstmals wieder der Öffentlichkeit. Die Wahlnacht der Midterms hatte sie nach Presseberichten nicht an der Seite ihres Mannes Donald Trump und dessen Beratern im Weißen Haus verbracht.

Laut einer Analyse des TV-Kanals NBC hatte Melania in der zweiten Trump-Amtszeit nur halb so viele öffentliche Auftritte wie in Donald Trumps ersten vier Jahren. Melania Trump, die einst bei von US-Medien berichteten Ehekrisen gesagt hatte, „Ich weiß, wen ich geheiratet habe“, macht sich rar. „Ich habe gehört, ihr habt mich vermisst. Hier bin ich“, sagte die 56-Jährige am 20. August, als sie im Rosengarten des Weißen Hauses nach 32-tägiger Abstinenz die von ihr entwickelte Initiative zur Unterstützung von Pflegekindern vorstellte.

Im Oktober setzte sie beim Präsidentengatten eine Initiative für Frauengesundheit durch. Aktuell macht sie Schutz von Kindern vor künstlicher Intelligenz zu einem Kernthema. Über das 1995 nach New York übergesiedelten Model Melania Knauss, seit Januar 2005 mit Trump verheiratet, gehen die Meinungen auseinander: Die New York Times nannte sie „die slowenische Sphinx“. In der Los Angeles Times wurde sie indes als „politische Akteurin, die keine Kompromisse kennt“ bezeichnet. Und laut New Yorker sei sie „mindestens so imperial wie ihr Mann“.

Sie selbst hatte in der Zeit, als ihr Mann wegen einer Schweigegeldaffäre um seine Liaison mit der Pornodarstellerin Stormy Daniels vor Gericht stand, CNN gesagt: Die Leute würden denken „Oh, arme Melania.“ Aber sie sage den Leuten: „Habt kein Mitleid mit mir. Ich kann damit umgehen.“

Hohe Verluste

Seit Trumps erster Wahl spekulieren die Medien, ob sie Rätsel, Opfer oder Komplizin sei. Im Ergebnis jedenfalls sei laut Trump-Biograf Michael Wolff ein Firmenimperium mit 17 Millionen Dollar Gewinn entstanden, davon mehr als 10 Millionen Dollar Erlöse aus dem von Amazon finanzierten Film „Melania“. Der mit 40 Millionen Dollar teuerste je in Auftrag gegebene Dokumentarfilm spielte hohe Verluste ein und wurde als „berechnend, wütend machend und entsetzlich“ verrissen.

Wegen ihrer Rückzüge aus der Öffentlichkeit, während über ihren Gatten wegen möglicherweise zu enger Beziehungen zu seiner Assistentin Natalie Harp oder zuletzt erneut über Vergewaltigungsvorwürfe berichtet wird, wird Melania als „Teilzeit-First-Lady“ bezeichnet. Sie ist laut CNN die unbeliebteste First Lady aller Zeiten. Allerdings wussten da die Befragten noch nicht, dass sie eine Waffenruhe und die Rettung von 800 Menschen erreicht hat.

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