Flávio Bolsonaro in „New York Times“: „Wie ich dorthin gelangt bin, nehme ich mit ins Grab“
Nach seiner Flucht in die USA zweifelt der brasilianische Wahlverlierer erneut das Wahlergebnis an. Die Brasilianer haben nur Spott für ihn übrig.
Foto: Eraldo Peres/ap
Nachdem er sich durch pathetische Nachrichten auf X lächerlich gemacht hatte, in denen er sich als den „wahren gewählten Präsidenten“ bezeichnete, war es ein paar Tage stiller um den Wahlverlierer Brasiliens geworden. In den sozialen Medien kursierten weiterhin Spottvideos. Mit Bezug auf den Linksrutsch bei den Midterm-Wahlen in den USA hieß es: „Flávio hat es nicht gereicht, in Brasilien zu verlieren, er musste auch noch Trump beim Verlieren helfen.“
Am Mittwoch hat der Senator der New York Times ein ausführliches Interview gegeben, bei dem er sich wie schon zuvor als Opfer darstellt, aber auch heldenhaft gibt. Die Flucht habe er allein ohne jegliche Hilfe von anderen Personen oder Regierungen organisiert, behauptet der 45-Jährige im Widerspruch zur Angabe US-amerikanischer Behörden, die bestätigt hatten, an der Flucht beteiligt gewesen zu sein.
Frei heraus gab Bolsonaro junior zu, er habe gewusst, dass er im Gefängnis landen würde, falls er in Brasilien bliebe. Vorwürfe gegen ihn lauten unter anderem: Geldwäsche, Korruption und illegaler Geldtransfer ins Ausland. Sobald der Senator im Januar seine Immunität verliert, weil sein Mandat endet, kann er deswegen zur Rechenschaft gezogen werden.
Humanitäres Visum für maximal ein Jahr
Zur Flucht habe er sich spontan nach einem Besuch bei seinem Vater Jair entschlossen, der zurzeit seine 27-jährige Haftstrafe wegen eines Putschversuchs im Hausarrest absitzt. Offenbar wollte er nicht wie der Papa enden. Einzelheiten zur abenteuerlichen Reise in die USA nannte er keine, die werde er „mit ins Grab nehmen“.
Der Wahlverlierer und seine Familie dürfen mit ihrem humanitären Visum maximal ein Jahr in den USA bleiben. Durch den Wahlsieg der Demokraten wird eine eventuelle Auslieferung bei einer Verurteilung wahrscheinlicher.
Zweifel am Wahlergebnis in Brasilien
Gegenüber der New York Times zweifelte der Sprössling des Putschisten Jair erneut das Wahlergebnis an, bei dem Präsident Luiz da Silva mit 4,4 Millionen Stimmen Vorsprung im Amt bestätigt wurde. Dieser Vorsprung sei „mathematisch unmöglich“, behauptete Flávio, weil er doch im ersten Wahlgang noch vorn gelegen hatte. Donald Trump, dem die Flucht des Brasilianers politisch geschadet hatte, distanziert sich: Er habe nicht vor, Flávio zu treffen, sagte der US-Präsident.
Flávio Bolsonaro betonte, er werde aus dem Ausland durch seine Verbündeten seine Agenda vorantreiben, etwa die Herabsetzung der Strafmündigkeit und die Begnadigung seines Vaters Jair Bolsonaro. Im Falle von Neuwahlen werde er selbstverständlich kandidieren. Bei X ist ihm auch dafür wieder Spott sicher: „Entweder hat ihn der Reporter reingelegt oder er hat auf Englisch nichts davon verstanden, worum es in dem Interview geht, in dem sie ihn fertig gemacht haben“, vermutete ein Brasilianer dort.
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