30. Sept.- 12. Okt. 2019

Tunesien

Reiseleitung: Edith Kresta und Renate Fisseler-Skandrani

Die Hafenstadt Mahdia ist letzte Station der Rundreise - bevor es nach Tunis zurück geht. Bild: Susanne Kaufmann

Tunis – Kairouan – Sidi Bouzid – Gafsa – Djerba – Dahargebirge – Mahdia

Eine Gelegenheit, die Stimmung in dem Land, in dem die arabische Revolution 2011 begann, sowie das Ringen um eine neue politische Kultur kennenzulernen. Tunesien - anders als Ägypten, Libyen, Syrien oder Jemen - durchlebt einen interessanten Prozess gesellschaftlichen Wandels.

PROGRAMM

PREISE UND LEISTUNGEN

LITERATUR ZUM EINLESEN

 

PREIS: ab 1.580 € (DZ/HP/ohne Anreise)

VERANSTALTER:

via cultus Studienreisen, Stutensee, Tel. 0721-9684773, info@via-cultus.de

 

Die Reise kann nur beim Veranstalter gebucht werden.

Trotz aller neuer Probleme, trotz Terrorattacken: die Entmachtung Ben Alis wird von allen als Zeitenwende wahrgenommen. Gleich zu Beginn der Reise erleben wir in Tunis, welche Kräfte die Jasmin-Revolution 2011 im Lande freigesetzt hat.

Edith Kresta, taz-Reise- Redakteurin; Autorin des MarcoPolo-Reiseführers Südtunesien

 

Renate Fisseler-Skandrani; Publizistin und taz Autorin, Dozentin, u.a. am Goethe-Institut in Tunis, wo sie seit 25 Jahren lebt.

 

Wir bleiben mehrere Tage in der Hauptstadt und treffen  Akteure des neuen Tunesiens. Dann startet eine Rundfahrt durch die reizvollsten Landschaften Tunesiens.

Erste Station der Rundreise ist die „heilige Stadt“ Kairouan. Weiter geht es über Sidi Bouzid, den Ort, in dem die Revolution begann, nach Gafsa, Hauptort der Phosphatregion und Hochburg der Gewerkschaften.

Dann fahren wir auf die Urlaubsinsel Djerba, wo sich viele neue Umwelt-, Kunst- und Tourismus-Initiativen gegründet haben. Zeit auch zum Relaxen.

Weiter geht es über den alten Römerdamm aufs Festland und entlang der „Straße der Ksours“ ins Dahar-Gebirge nach Tataouine. Ziel ist der kleine Ort Douiret, wo wir bei einer Umwelt-Initiative von Frauen übernachten. Auf der Rückfahrt nach Tunis bleiben wir noch eine Nacht in dem reizvollen Fischerort Mahdia.

Protestierende in der Avenue Bourguiba in Tunis kurz nach dem Sturz von Ben Ali Ende Januar 2011. Bild: Renate Fisseler-Skandrani

Demokratie-Labor Tunesien

Am 14. Januar 2011 ging von Tunesien aus eine Botschaft um die Welt: Diktatoren können gestürzt werden, das Recht auf ein würdiges Leben in Freiheit und Demokratie ist ein Menschenrecht. Die oft behauptete „arabische Ausnahme“ –Demokratieunfähigkeit und Freiheitsfeindlichkeit –wurde widerlegt.

Der Aufbau des neuen Tunesien wird daher Thema vieler unserer Gespräche mit engagierten Frauen und Männern sein. Dabei werden wir verschiedene Vereinigungen und Projekte der Zivilgesellschaft und deren Arbeit kennen lernen, aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten. Wir treffen Jugendliche, Frauenrechtlerinnen, Blogger, Aktivisten von Schwulen- und Lesbenorganisationen, Theaterleute und Journalist*nnen, Gewerkschafter und politische Funktionsträger*nnen: die Aktivist*nnen des Demokratie-Labors Tunesien.

Tunesien befindet sich seit dieser „Jasmin-Revolution“ im Januar 2011 in einer Art Laborsituation: Es gilt, einen radikalen Bruch mit der Vergangenheit zu bewerkstelligen: Aufklärung, Aufarbeitung und Beseitigung der Hinterlassenschaft der korrupten und mafiösen Einparteiendiktatur in der Exekutive, im Sicherheitsapparat und in der Justiz.

Frauen forderten seit Beginn der Revolution - hier im März 2011 - die volle Gleichberechtigung Bild: Archiv

Einen Anfang hat Tunesien gemacht: 2014 wurde eine neue Verfassung verabschiedet. Diese moderne Verfassung schreibt eine geteilte Exekutive fest und weist dem Islam einen begrenzten Raum zu. Sie setzt zudem - erstmals in einem Staat der arabischen Welt - das Ziel, dass in den gewählten Kammern genau so viele Frauen wie Männer sitzen sollen.

Seinen Anfang nahm der Arabische Frühling in Tunesien nicht in den städtischen Zentren an der Nordküste, sondern im armen, von struktureller Entwicklung abgehängten Südwesten des Landes, wo der Funke zum Aufbegehren schon länger schwelte; mindestens seit der 2008 gewaltsam niedergeschlagenen sozialen Bewegung gegen Arbeitslosigkeit und ungerechte Einstellungspolitik in der Phosphatregion um Gafsa.

Als sich am 17. Dezember 2010 der Straßenhändler Mohamed Bouazizi in Sidi Bouzid (rund 100 km nord-westlich von Gafsa) aus Verzweiflung selbst anzündete, löste dies im Landesinneren (Sidi Bouzid, Kasserine, Thala, Gafsa) spontane Massenproteste aus. Vor allem junge, oft gut ausgebildete Menschen erhoben sich mit Unterstützung der Gewerkschaftsbasis gegen Arbeitslosigkeit, unwürdige Lebensbedingungen, Unterdrückung und mafiöse Strukturen.

Graffiti 2013 in Tunis: "Bleibt standhaft, Tunesier, die ganze Welt ist stolz auf Euch!" Bild: Gabriele Gräfe

Die Welle von Aufständen, zunehmend mitgetragen von der Gewerkschaft, von zivilgesellschaftlichen Gruppen, Künstler*nnen und Teilen der Mittelschicht, erreichte die Hauptstadt. Am 14. Januar 2011 machte sich der Diktator Ben Ali aus dem Staub und mit ihm zwei Familienclans, die das Land mehr als zwei Jahrzehnte unterdrückt und ausgeplündert haben.

Es ist eine völlig neue politische Landschaft in Tunesien entstanden. Details finden Sie in einem Überblick über wichtige Etappen seit der Revolution 2011 bis zu den Auseinandersetzungen bei der Wahl des neuen Staatspräsidenten Beji Caid Essebsi Ende Dezember 2014:  Renate Fisseler-Skandrani erinnert an die Jasmin-Revolution und die Monate danach

Die politische Herausforderung für das neue Tunesien, das als einziges Land des arabischen Frühlings den demokratischen Prozess weiterführt, besteht darin, der Herausforderung durch terroristische Anschläge zu trotzen, ohne die alten repressiven Geister herauf zu beschwören.Aber vor allem geht es darum, wirtschaftliche Perspektiven zu entwickeln und die Jugendlichen einzubeziehen. Blogger und junge Aktivisten haben den Sturz der Diktatur wesentlich mitgetragen, viele fühlen sich jetzt von den Parteien nicht mitgenommen.

Tunis: Protest gegen die Regierung Laarayedh im Oktober 2013 Bild: Klaus Ehrmann