„Friedrich Merz ist manchmal ein Sponti“

CDU-Gewerkschafter Arentz findet die Bekundungen des CDU-Supermanns Merz illoyal, irreal und politisch falsch

taz: Herr Arentz, Ihr Parteifreund Friedrich Merz rät allen Christdemokraten zum Austritt aus der Gewerkschaft. Werden Sie den Rat befolgen und Ihre Mitgliedschaft aufkündigen?

Hermann-Josef Arentz: Wir wissen ja, dass Friedrich Merz manchmal ein Sponti ist. Oft macht ihn das liebenswert, diesmal aber liegt er voll neben der Sache. Der Ärger darüber, wie sich führende Gewerkschaftsfunktionäre vor den Karren von Rot-Grün spannen ließen, ist berechtigt. Aber eine Volkspartei wie die Union ist denkbar schlecht beraten, sich die acht Millionen Gewerkschaftsmitglieder zu politischen Gegnern zu machen. Als Arbeitnehmer in der Union haben wir ein Interesse an starken Gewerkschaften, die eben auch nicht aus lauter Schwäche Parteipolitik machen.

Ist es skandalös, wenn Gewerkschaften „selbst auf Steuergesetze“ Einfluss nehmen?

Die Gewerkschaften beteiligen sich an dieser Diskussion genauso wie die Arbeitgeberverbände, und ich halte beides für legitim. Wo kämen wir denn hin, wenn die gesellschaftlichen Gruppierungen bei so etwas nicht mehr mitdiskutieren dürften?

Sind die christlichen Gewerkschaften eine Alternative zum DGB, wie Merz empfiehlt?

Die christlichen Gewerkschaften sind in vielen Branchen und Regionen keine reale Alternative. Arbeitnehmer gehen in eine Gewerkschaft, weil es für sie Schutz bedeutet. Und diesen Schutz kann nur eine Gewerkschaft bieten, die vor Ort auch mächtig ist. Deswegen ist die Vorstellung irreal, dass Arbeitnehmer aus politischer Verärgerung scharenweise ihre Gewerkschaft verlassen.

Welche Konsequenz ziehen Sie aus der Haltung der Gewerkschaften im Wahlkampf?

Der DGB muss endlich klären, ob er zum Grundsatz der Einheitsgewerkschaft zurückfindet. Seit Wochen fordere ich Herrn Sommer zu einer Diskussion über dieses Thema auf. Bis heute kneift er. Wenn aber unionsnahe Arbeitnehmer jetzt den DGB verlassen, würde diese Debatte umso schwieriger.

Wenn das alles so klar ist: Was treibt Herrn Merz?

Das müssen Sie Herrn Merz schon selber fragen.

Der hat sich am Wochenende auch über die Art empört, wie Angela Merkel ihn um den Fraktionsvorsitz gebracht hat. Ist diese Kritik berechtigt?

Diese Kritik schadet im Moment ausschließlich der Union, niemandem sonst. Vor dem Hintergrund, dass unsere Parteifreunde in Niedersachsen und Hessen gerade in zwei schweren Landtagswahlkämpfen stehen, halte ich das für ausgesprochen illoyal gegenüber der eigenen Partei.

Werden diese Äußerungen dem Fraktionsvize helfen, seine Position zu verbessern?

Ich habe den Eindruck, dass Herr Merz mit seinen Äußerungen eine ausgesprochen breite Welle der Solidarität mit Angela Merkel angestoßen hat. Und als bekennender Freund von Angela Merkel finde ich das gut.