Ausstellungsempfehlung für Berlin

What is love?

Tip der Woche: Das Ausstellungsprojekt „Thou shalt love“ bei Scotty Enterprises reflektiert die Diskurse der Liebe.

Liebe ist auch nur ein Sprechakt. Annette Sonnewend, „Bla Bla“, Neonschrift Foto: Annette Sonnewend

Goethes pathetisch leidender junger Werther diente Roland Barthes als Schlüssel für seine Typologie alphabetisch sortierter Liebender. In „Fragmente einer Sprache der Liebe“ kommen die halluzinatorischen Phrasen des Sturm und Drang nicht sehr gut weg. Und doch sind es dramatisierte Banalitäten, die die größten Regungen des Herzens (oder war es des Geistes?) steuern.

Wie Barthes in der Ausstellung „Thou shalt love“ bei Scotty Enterprises wegkommt, wird sich zeigen: Annette Sonnewend und Reka Goldt dekonstruieren in ihren Arbeiten Liebesdiskurse und andere Sprachmaschinen.

Die entscheidende Frage „Ist die Liebe gefunden oder erfunden?“ ergründet die Neoromantics-Lesegruppe mit Emma Gradin.Eine kollektive Lektüre der philosophischen Liebesabhandlungen von Barthes, Alain Badiou, Seneca und Luce Irigaray ist vielleicht der beste Weg, sich nicht in der Kopflastigkeit zu verlieren. Obwohl wir ja, wenn es nach Irigaray ginge, erst einmal das „polysensorische Hören“ lernen müssten, um ein transzendentales „Zwischeneinander“ erreichen zu können.

Wer sich den banalen Urkräften, wie Barthes sie schilderte, allein stellen will, finde sich bei der Eröffnung zu performativen Einzelsitzungen von Cie. Agar Agar ein. Oder hole sich beim Verfassen von Liebesbriefen einfach Hilfe von Konzeptkünstler Peter Westman. Baby, don’t hurt me.

Einblick: Das Künstlerduo Cie Agar Agar im Interview

taz: Welche Ausstellung in Berlin hat euch zuletzt an- oder auch aufgeregt? Und warum?

CAA: Isa Genzkens „Mach Dich hübsch!“ im Martin-Gropius- Bau. Weil ihr künstlerisches Universum, zum Beispiel ihre narrativen Collagen, uns inspiriert!

Welches Konzert oder welchen Klub in Berlin könnt ihr empfehlen?

Der Allzeitklassiker panoramabar im Berghain, obwohl, seitdem die Gala darüber schreibt, wissen wir nicht mehr so genau …

Welche Zeitschrift/welches Magazin und welches Buch begleitet euch zurzeit durch den Alltag?

Auf jeden Fall Roland Barthes’ „Fragmente einer Sprache der Liebe“, Suhrkamp Taschenbuch. Außerdem Peter Grattons „Spekulative Realism. Problems and Prospects“, Bloomsbury Academic – weil es eine gute Einführung in diese relativ neue Philosophieströmung ist.

Was ist euer nächstes Projekt?

Ganz aktuell sind wir beide mit Vorbereitungen diverser Ausstellungen beschäftigt und arbeiten an einer Performance, die uns im Rahmen von Performa 2017 zum Gründungsort von Cie. Agar Agar nach New York zurückbringen soll.

Welcher Gegenstand/welches Ereignis des Alltags macht euch am meisten Freude?

Eröffnung: 27. 5., 19 Uhr

Mi. – Fr. 15 – 19 Uhr, Sa. 14 – 18 Uhr, bis 18. 6., Oranienstr. 46

Neuromantics Lesegruppe: LOVE am 1. 6., 19 Uhr; Anmeldung: mail@annettesonnewend.com

Da unser beider Leidenschaft Kochen ist, bringt uns der Frühling wieder viele frische freche Früchtchen.

Zu den Personen

Annette Sonnewend (*1971) lebt in Berlin, studierte in Wien an der Universität für Angewandte Kunst. Seit 2011 Mitglied von Scotty Enterprises Berlin; Zahlreiche Ausstellungen, Preise und Stipendien: supermarket artfair, Stockholm; Campell Works, London; Number Three: Here and There, Julia Stoschek Collection.2004 Gründung von Cie. Agar Agarmit Michael Strasser.

Michael Strasser (*1977) lebt in Wien, studierte dort an der Universität für Angewandte Kunst. Zahlreiche Ausstellungen und Installationen: Die Freiheit, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum; Solitaire, Serdica, Slowenien; stop talking in babylanguage, Chicago, USA; Number Three: Here and There, Julia Stoschek Collection.

Zur Eröffnung von „Thouh shalt love“ bei Scotty Enterprises lädt das Duo zu Einzelsitzungen ein.

Text und Interview erscheinen im taz.plan. Mehr Kultur für Berlin und Brandenburg immer Donnerstags in der Print ausgabe der taz

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