Ein GAU kann ganz verschieden ausfallen

Grunewald-ReaktorNeue Einschätzung zum Gefährdungsbereich rund um den Forschungsreaktor

Das Darmstädter Öko-Institut hat seine Kritik am Katastrophenschutzplan für den Forschungsreaktor in Wannsee offenbar revidiert. Aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung heißt es gegenüber der taz, der Leiter der Arbeitsgruppe Strahlenschutz im Öko-Institut, Christian Küppers, habe seine früheren Aussagen zurückgenommen. Dabei ging es um die Frage, in welchem Umkreis nach einem Nuklearunfall mit gefährlicher Strahlung zu rechnen wäre.

Bei einem Fachgespräch der Bundestagsfraktion der Grünen im Juli hatte der Wissenschaftler gemahnt, der Radius für Evakuierungsmaßnahmen in der Umgebung des vom Helmholtz-Zentrums Berlin (HZB) betriebenen Forschungsreaktors BER II sei mit 2,5 Kilometern viel zu klein bemessen (taz berichtete). Um auch einem terroristischen Flugzeugangriff gerecht zu werden, müsse er auf 10 Kilometer für Kleinkinder und 8 Kilometer für Erwachsene ausgedehnt werden. In diesem Radius liegen große Teile von Potsdam und Zehlendorf.

„Großer Spielraum“

Wie ihr Sprecher Martin Pallgen mitteilte, lud die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung im September zu einem weiteren Fachgespräch mit Vertretern des Öko-Instituts (darunter auch Küppers) und des Bundesumweltministeriums. In einer der taz vorliegenden gemeinsamen Erklärung heißt es, „bei der Wahl der Randbedingungen und der konkreten Werte für einzelne Parameter“ eines Unfalls bestehe ein „großer Spielraum“. Es sei aber „für eine Katastrophenschutzplanung nicht sinnvoll“, bei jedem einzelnen Aspekt „die ungünstigsten theoretisch denkbaren Annahmen zu unterstellen“. Vielmehr gehe es darum, „ein außerordentlich unwahrscheinliches Ereignis möglichst konsistent in seinen Konsequenzen abzubilden“.

Alle Gesprächsteilnehmer seien der Ansicht, dass der derzeitige Katastrophenschutzplan diesem Anspruch genüge und „eine sehr gute Grundlage für die Bewältigung eines Ereignisses“ darstelle. Allerdings heißt es weiter, die Maßnahmen zum Bevölkerungsschutz seien „so gut vorbereitet“, dass sie im Zweifelsfall auch in einem größeren Gebiet als dem festgelegten greifen könnten.

Nach Bekanntwerden der Kritik am Katastrophenschutzplan hatte die Bürgerinitiative „Anti-Atom-Bündnis Berlin Potsdam“ den Bund und das Land Berlin – die die Arbeit des HZB finanzieren – zur sofortigen Abschaltung des BER II aufgefordert. Dieser soll noch bis 2019 betrieben werden. Bis zum Abtransport ins Zwischenlager Ahaus werden die Brennelemente anschließend noch mehrere Jahre zum Abklingen im Reaktorgebäude bleiben.