Gewerkschafter über TUIfly-Streik: „Sich krank zu melden, ist richtig“
Bei TUIfly melden sich so viele Flugbegleiter krank, dass zigfach Flüge ausfallen. Schuld daran sei die Fluglinie selbst, sagt der Gewerkschafter Nicoley Baublies.
taz: Viele deuten die Krankmeldungen als Streik, der arbeitsrechtlich so aber nicht erlaubt wäre. Streiken die FlugbegleiterInnen?
Nicoley Baublies: Das Bordpersonal ist für die Sicherheit im Flugzeug verantwortlich. Wer sich nicht fit genug fühlt, diese Verantwortung zu tragen, meldet sich krank, das ist verantwortungsbewusst und richtig. Mit der Ankündigung, Tuifly in eine österreichische Dachorganisation unter Ethihad einzugliedern, hat die Fluglinie für große Verunsicherung unter den Mitarbeitern gesorgt.
Hätten Sie Verständnis, wenn Einzelne aus Protest krank gemacht haben?
Von den Umstrukturierungen haben die Mitarbeiter durch ein lapidares Schreiben vor dem Wochenende erfahren. Wenn sich da Menschen aus Angst, Verunsicherung oder anderen Gründen krank melden, ist das eine Reaktion, mit der die Arbeitgeber rechnen müssen.
9.000 PassagierInnen wurde am Freitag der Flug ersatzlos gestrichen. Was muss passieren, damit der Betrieb bald wieder normal läuft?
Damit bald wieder Flugzeuge starten können, braucht es jetzt dringend ein Zeichen von Tuifly, dass sie die Sorgen der Belegschaft wahrgenommen haben und auch ernst nehmen. Gespräche beginnen jetzt, das ist ein guter Schritt, aber noch nicht ausreichend.
Ist ein Streik zu erwarten?
Noch ist ein Streik arbeitsrechtlich nicht möglich. Es stehen ja bisher nur Befürchtungen und Ankündigungen im Raum. Sobald es konkreter wird, wird man sich das anschauen und darauf reagieren.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert