KUNST

Eben war er noch Kurator bei der Manifesta in Zürich, nun zeigt Christian Jankowskiim Haus am Lützowplatzwieder eigene Arbeiten. Gewissermaßen knüpft er dabei jedoch direkt an die Manifesta an: Dort stellte er eine mehr oder weniger lustige Reihe Berufe vor, im HAL steht sein eigener, der des Künstlers, im Fokus. Jankows­ki wäre aber nicht Jankowski, wenn er sich dafür nicht einen besonderen Dreh überlegt hätte. In der Schau arbeitet er sich an der Legende seines Künstlerkollegen Martin Kippenberger ab, an raumhohen, gemalten Kulissen vorbei zieht man wie durch Stationen von dessen Leben. Zum Einsatz kamen diese im Hauptwerk der Ausstellung, einem Biopic über Kippenberger, das als Trashversion eines Guido-Knopp-Formats durchgeht. Jankowski hat das Drehbuch gemeinsam mit Autoren einer TV-Fabrik in Singapur geschrieben, von dort stammt auch der Moderator, der in die Szenen einführt, in denen wiederum allerlei Kunst-Gesichter, Jankowski selbst, Paris-Bar-Besitzer Michel Würthle oder Sammlerin Julia Stoschek mit Schwarzwälder Bollenhut als Darsteller auftreten. „Build your own legend“, empfiehlt der Moderator am Schluss. Nur zu! (bis 20. 11., Di–So. 11–18 Uhr, Lützowplatz 9).

Bei Michael Fuchs tritt Jankowski dann aber doch wieder als Kurator auf. Ausstellungen, so behauptet er, seien die besten Entschuldigungen. An etwas anzuknüpfen zum Beispiel, und genau das tut er in der Gruppenschau. Die vier mexikanischen Künstler Jose Dávila, Gonzalo Lebrija, Eduardo Sarabia und Fernando Palomar unterhielten früher in Guadalajara das Oficina para Proyectos de Arte,wo Jankowski 2009 eine Einzelausstellung hatte. „When I was a Cuisillo“ hieß das dortige Musikvideo, in dem er bei Malversuchen der „Banda Cuisillos“ in Windeln Modell stand. Bei Michael Fuchs hat er nun Arbeiten der vier Weggefährten zusammengetragen, skulpturale Balanceakte von Dávila,auseinandergefaltete Papierflieger von Lebrija und eine knallbunte Installation von Sarabia mit Kunstharz-Quetzals, in prähispanischen Kulturen als heilig verehrte Vögel. Jankowski steuert zwei Teppiche bei, handgeknüpft nach Notizzetteln. Ausstellungen sind „auch die beste Entschuldigung für ausbalancierte Gruppenausstellungen“, schreibt Jankowski im Pressetext. Recht hat er (bis 29. 10., Di.–Fr. 10–18, Sa. 11–18 Uhr, Auguststr. 11–13).

Nicht mit Legenden, sondern mit der Zukunft beschäftigt sich das soeben gestartete 3hd Festival mit hybriden Formaten, Talks, Clubnächten und Performances und mit einer Ausstellung in der Vierten Welt über das Post-Brexit-Europa (bis 15. 10., verschiedene Orte: 3hd-festival.com).