taz. thema

Wasser

die verlagsseiten der taz.die tageszeitung

28 Badewannen für ein Steak

Verbrauchswerte Die Ressource Wasser ist für das ökologische Gleichgewicht enorm wichtig. Wie viele Liter wir aus dem Hahn laufen lassen, spielt dabei allerdings eine untergeordnete Rolle

Ökorrektes Verhalten kann ziemlich vertrackt sein. Wer etwa beim Zähneputzen den Hahn zudreht, um weniger von der natürlichen Ressource Wasser zu verbrauchen, geht die Sache ineffektiv an. Denn in Deutschland ist Wasser im Überfluss vorhanden. Jährlich könnte hierzulande auf knapp 190 Milliarden Kubikmeter Wasser zurückgegriffen werden. Nur ein Bruchteil der hiesigen Regenmenge fließt in unsere Haushalte.

Das meiste Wasser versickert als Grundwasser im Boden und geht zurück in den Wasserkreislauf. Zwischen 1990 und 2015 ist der tägliche Wasserverbrauch pro Kopf in Deutschland von 147 auf 122 Liter zurückgegangen. Nicht zuletzt effizienteren Wasch- und Spülmaschinen ist das zu verdanken. Unser Trinkwasserversorgungs- und Abwassernetz sowie die Aufbereitung des Wassers in den Wasserwerken und Kläranlagen ist allerdings noch zu Zeiten dimen­sio­niert worden, als für Deutschland ein linear ansteigender Verbrauch prognostiziert wurde. Ein zu geringer Wasserverbrauch kann daher auch negative Folgen haben.

In manchen Regionen Deutschlands etwa fließt das Trinkwasser zu langsam durch die Rohre. Dadurch können sich Keime bilden, stehendes Wasser kann Korrosion in den Rohren verursachen. Gegen diese Pro­bleme gehen die Wasserversorger unter anderen damit vor, dass sie viele Tausend Liter Trinkwasser durch das Rohrnetz pumpen. In manchen Gegenden Deutschlands ist noch ein anderes Phänomen zu beobachten: Der Grundwasserspiegel steigt, weil zu wenig Grundwasser entnommen wird. Das hat teilweise zur Folge, dass Wasser in die Häuser drückt.

All das sind keine Gründe, Wasser zu verschwenden. Aber den Hahn laufen zu lassen ist für sich genommen noch nicht das Problem. Anders sieht es wiederum bei Warmwasser aus. Denn was da aus dem Durchlauferhitzer oder Boiler kommt, musste zuvor mit viele Energie auf die gewünschte Temperatur gebracht werden – oft mit Gas oder Öl, fossilen Brennstoffen, mit deren Nutzung der Klimawandel forciert wird. Warmwasser ist der zweitgrößte Energieverbraucher im Haushalt und macht etwa 12 Prozent des Gesamtenergieverbauchs aus. Zudem belastet es die Umwelt, wenn Wasser verschmutzt wird. Entscheidend ist, ob Chemokeulen ins Wasser gelangen oder biologisch abbaubare Reinigungsmittel – und wie viel davon. Wir verbrauchen unser Wasser nicht, sondern verschmutzen es. In den Kläranlagen wiederum werden je nach Verschmutzungsgrad entsprechende Ressourcen verbraucht. Am Ende der langen Entsorgungskette landet alles wieder im natürlichen Wasserkreislauf: in Flüssen und im Grundwasser.

Der erste Blick auf unseren Wasserverbrauch übersieht zudem die wahren Dimensionen. Die oben genannten 122 Liter pro Kopf und Tag bezeichnen lediglich, was wir durch den Wasserhahn oder Duschkopf laufen lassen. Viel größer jedoch ist der virtuelle Wasserkonsum jedes Menschen. Private Haushalte sind nur für rund 10 Prozent des weltweiten Wasserverbrauchs verantwortlich. Den Rest teilen sich Industrie und Landwirtschaft, je nach Region unterschiedlich. Das meiste in Deutschland verbrauchte Wasser wird importiert, oft aus Ländern, in denen die Ressource zum sehr kostbaren Gut geworden ist. In jedem Produkt steckt Wasser: In einem Kilo Importtomaten sind es etwa 40 Liter. Die Bilanz für 1 Kilogramm Rindfleisch sieht noch ganz anders aus: Darin stecken vom Futter fürs Rind bis zur Reinigung der Ställe rund 15.500 Liter Wasser. Das macht fast 4.000 Liter pro 250-Gramm-Steak oder rund 28 volle Badewannen.

Wer Wasser sparen will, sollte Lebensmittel aus regionaler und ökologischer Produktion kaufen. Der Vormarsch von wasserintensiven Anbaumethoden sowie der Fleischproduktion führt gerade in wasserärmeren Ländern des Südens zum Absinken des Grundwasserspiegels und damit zu Bodenerosion, Versalzung und Versteppung. 92 Prozent des Trinkwassers versickern weltweit in der Landwirtschaft. Virtuelles Wasser ist aber nicht nur in Lebensmitteln, sondern auch in jedem anderen Produkt enthalten: Um eine Getränkedose herzustellen, braucht es rund 25 Liter Wasser. Rund 6.000 Liter virtuelles Wasser stecken in einer Jeans und in einem Auto bis zu 20.000 Liter. Auch Strom sparen hilft übrigens, den Wasserverbrauch zu senken. Ein großer Teil des Wassers in Deutschland wird nämlich zum Kühlen in Wärmekraftwerken genutzt. Bei Konsumgütern weisen Gütezeichen wie etwa der Blaue Engel auf wasser- und umweltschonende Waren wie zum Beispiel Recyclingpapier hin. LK