Uta Schleiermacher vermisst Details bei einer Veranstaltung zum Tempelhofer Feld

Zwischen Vorfeld und Ghetto

Elke Breitenbach, SPD Foto: Carstensen/dpa

Wenn es um das Tempelhofer Feld geht, sitzt das Misstrauen tief. Vor allem, seitdem Bagger auf einer Wiese östlich der Flughafenhangars am Columbiadamm den Bau von sogenannten Tempohomes vorbereiten – also Containerdörfer für rund 1.100 Geflüchtete.

Politikerinnen und Vertreterinnen der Verwaltung wollten am Montagabend im Heimathafen Neukölln über den Bau der Unterkünfte informieren. Doch so einfach war das nicht. Viele BürgerInnen wollen Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) nicht glauben, dass die Container nur bis Ende 2019 dort stehen werden. „Baugenehmigung durch die Hintertür“ und „Integration statt Ghetto“ halten sie auf Plakaten hoch, rufen dazwischen und pöbeln. Der Verdacht: hier würden Teile des Feldes als Bauland vorbereitet und damit letztlich das Bauverbot des Tempelhofgesetzes ausgehebelt.

„Du hältst deinen Kopf für die falschen Leute hin, es ist unmöglich, wie du mit den BesucherInnen hier umgehst“, brüllt Moritz Wittler von der Neuköllner Linke die Senatorin an, die auf der Bühne nun ein Bauvorhaben verteidigt, das auch ihre Partei so nicht wollte. Breitenbach wiederum weist darauf hin, dass auch die SPD mit ihren Plänen sich nicht ganz durchgesetzt habe und dass die Stadt in der Frage, was auf dem Tempelhofer Feld passieren dürfe, nach wie vor tief zerstritten sei.

Das Publikum kritisiert: Es hätte mehr Bürgerbeteiligung geben müssen, es hätten andere Möglichkeiten für Unterkünfte auf dem asphaltierten Vorfeld der Hangars (das nicht unter das Tempelhofgesetz fällt) geprüft werden müssen, die Unterkünfte seien mit 16 Millionen für zwei Jahre viel zu teuer – und überhaupt käme die Informationsveranstaltung viel zu spät. „Es ist nicht das, was wir unter linker Politik verstehen. Wir fordern einen sofortigen Baustopp“, verkündet die Initiative 100 Prozent Tempelhofer Feld. Auf deren Detailfragen, die vielleicht gegenseitiges Verständnis ermöglicht hätten, gehen die fünf Frauen auf der Bühne kaum ein.

Sie reden lieber darüber, dass sie die Lebensumstände von Geflüchteten verbessern wollen, „die schon viel zu lange in Flughafenhangars und anderen höchst ungeeigneten Notunterkünften wohnen müssen“. Für die Bezirksbürgermeisterinnen Monika Herrmann (Friedrichshain-Kreuzberg, Grüne) und Angelika Schöttler (Tempelhof-Schöneberg, SPD) ist das Containerdorf eine Möglichkeit, dass die Geflüchteten in der Innenstadt bleiben können. „Damit erarbeiten wir uns ein kleines Zeitfenster, um parallel Wohnraum zu schaffen“, sagt Herrmann.

Und zu dem Vorwurf, dass mit über tausend Bewohnern hinter einem Zaun ein Ghetto entstehe, betonen alle, dass BesucherInnen und Ehrenamtliche erwünscht seien. Das Landeskriminalamt hält den Zaun für notwendig. Margaretha Sudhoff, Staatssekretärin für Finanzen, fügt hinzu: „Das ist peinlich für Berlin, weil wir hier Angriffe auf Flüchtlinge haben. In Hamburg müssen Container nicht eingezäunt werden.“ Ein Satz, der in dem Getöse um Standort und Finanzierung fast untergeht.