Mit Scherz und Leidenschaft

Konzert Hutwerfen in der Hamburger Laeiszhalle: Elvis Costello beim letzten Stopp seiner autobiografisch inszenierten Detour-Deutschlandtour

Elvis in Concert: wie hier leicht erkennbar mit dem roten Hut Foto: Zeichnung: Imke Staats

VON Imke Staats

„Finally welcome!“, begrüßt der britische Weltstar am Dienstagabend die Gäste der Hamburger Laeiszhalle. Es ist die „last night of the german tour“, der letzte Stopp der – sehr kurzen – Deutschlandtour. Der andere war in Bochum.

Eigentlich sollte er im vergangenen Mai hier seinen exklusiven Deutschlandstopp auf der „Detour“, so der Name der Einmannshow, einlegen. Das Konzert wurde jedoch so kurzfristig abgesagt, dass viele erst an der Tür – und deshalb umso herber – enttäuscht wurden. Damals war zu beobachten, wie einem in letzter Minute angerauschten Taxi drei stilvoll gekleidete Damen entstiegen und nach einem erkenntnisbringenden Sprint zum Einlass um Fassung rangen.

Bezeichnend an dem Trio war der Generationsverbund: Es handelte sich dem Anschein nach um Mutter, Tochter und Großtochter. Das geht bei Cos­tello: Der 62-Jährige hat in den mehr als 40 Jahren, in denen er Musikgeschichte schreibt, fast alles gemacht. Von Punk bis Oper hat er beinahe jedes Genre für sich adaptiert, es mit seinem eigenen Stil durchsetzt. So ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass für jeden (anspruchsvollen) Musikfan etwas dabei ist.

Musik für Gourmets

Trotz dauernder Chartbrecherei in vergangenen Dekaden macht er keine Mainstreammusik, die wenigsten Radiosender dudeln regelmäßig seine Hits. Es ist eben Musik für Gourmets, denen liefert der Londoner Sohn eines Berufsmusikers und einer Mutter, die in den 50er Jahren bereits in einem angesagten Plattenladen jobbte, Virtuosität, Stil, Ideen und Aussage; kurz: Können auf der ganzen Linie plus seine markante, leicht heisere Stimme.

Er liefert Virtuosität, Stil, Ideen und Aus­sage; kurz: Können auf der ganzen Linie plus seine markante, leicht heisere Stimme

An diesem Abend sind diese Fans zumeist männlich und Ü60. Ein paar Damen jeden Alters und wenige Kinder ergänzen das Bild. Das Bühnenbild kontrastiert mit dem neobarocken Stuck im Saal, wo in einem riesigen altmodischen Fernseher das quirlige Video „From Monkey to Man“ läuft, bevor der Star selbst auf die Bühne tritt: allein, in Schwarz, mit Sonnenbrille, nur in Begleitung eines Gitarrenmuseums, eines Pianos und dreier Hüte, die er per Wurf nach Backstage wechselt (schade, nie ins Publikum).

Die Hutwechsel entsprechen Stimmungswechseln der Songs wie auch Facetten seiner Persönlichkeit, denn auf der autobiografisch inszenierten Detour stellt er sich selbst als seinen Gast vor. Der beginnt mit einem guten Rat von 1981, „Better Watch Your Step“, auf einer akustischen Gitarre, gefolgt von der „Poisened Rose“, dann von „Church Underground“ auf einer anderen Gitarre. Auf dem TV flimmern Bilder von alten Filmplakaten, Femmes fatales und Familienmitgliedern (inklusive eigener Kinderfotos des kleinen Declan Patrick MacManus).

Nach dem vierten Song wirft er schwungvoll die Jacke ab und spielt und erzählt sich mit Elan weiter durch Stationen seines Lebens, geht dabei mal ans Piano oder zu einem Stuhl. Die Bühnenmitte gehört den rockigen Titeln, wie „I Want You“ . Er erzählt von seinem frühen Job als Computertechniker, wir lernen seinen Vater Ross MacManus kennen, seine Mutter und seinen Großvater Patrick, dem er den nostalgischen Songbook-Song „Jimmy Standing in the Rain“ zuordnet, den er ohne Mikrofon vorträgt.

Dazu passt das flotte „Vitajex“ auf der Ukulele, welches seinem werdenden Musical „A Face in the Crowd“ ( nach dem Film von Eliah Kazan) entstammt. Kurz stutzt das (durch seine Autobiografie kundige) Publikum, als er einen Song von „seiner Flamenco-Platte“ ankündigt. Die gibt’s (noch) nicht. Alles gut – es folgt der Filmhit „She“. Mit Scherz und Leidenschaft prescht er durch 24 Songs, bedient zwischendurch noch hartnäckige Autogrammjäger, um sich am Piano mit „I Can’t Stand up for Falling Down“ ein bisschen erschöpft zu verabschieden.