WNTRP

Zeit, die nicht endet, Fenster, die keine sind

Paul Kuimet, „Untitled Transparen­cies“, 2017, Courtesy the artist and WENTRUP Foto: Foto:Paul Kuimet

Paul Kuimet, geboren 1984 in Tallin, arbeitet mit Film und fotografischer Installation, Nina Schuiki, geboren 1983 in Graz, mit Installation, Objekt und Fotografie. Wie gut sich die beiden Positionen ergänzen, wie sie fast pingpongartig aufeinander Bezug zu nehmen scheinen, lässt sich derzeit bei WNTRP beobachten. Dabei treffen Künstler und Künstlerin in der Schau „Space Coordinates“, kuratiert von Nico Anklam, erstmals aufeinander. Kuimet und Schuiki verbindet das Interesse an Raum und Zeit, deren Prinzipien sie gleichsam auf den Kopf stellen. Dazu nutzen beide den Loop, der ebenso verdichtet wie ins Unendliche dehnt. So wie in Kuimets Film „2060“, in der eine möbiusbandförmige Plastik des estnischen Künstlers Edgar Viies um sich selbst kreist, oder in Schuikis Audioarbeit „Faulenzer“, der permanenten Wiederholung von Fülllauten aus Sprachnachrichten. Interessant auch die Vorliebe der beiden für Fenster, die keine sind: Kuimet wirft Dias von Fenstern an traditionellen Holzhäusern, die zugebaut wurden, an die Wand, was an Duchamps mit schwarzem Leder verklebtes Fensterobjekt „Fresh Widow“ (1920) denken lässt, nur dass Kuimet nicht selbst Hand anlegte. Bei Schuki ist das Fenster indes von vornherein eine Illusion. „Notes on Duration (No. 3)“ wirkt nur wie der Lichteinfall durch gläserne Scheiben. In Wirklichkeit handelt es sich um die Fotografie einer Projektion. bsh