Knaller in der Nische

Bremen zeigt die wichtigsten deutschen Comics in einer betrüblich randständigen Ausstellung – und verschenkt mal wieder eine Gelegenheit, etwas aus der hiesigen Comic-Kompetenz zu machen

Politische Kunst im Comic: „Madgermanes“ Foto: Birgit Weyhe/Avant Verlag

Von Jan-Paul Koopmann

Einen besseren Überblick über das, was im Comic derzeit angesagt ist, bekommt keine Ausstellung an die Wand. Im Wallsaal der Zentralbibliothek sind die Preisträger des letzten Max-und-Moritz-Preises zu sehen, des wichtigsten deutschen Comicpreises. Dass hier (fast) keine Geheimtipps hängen, liegt nun daran, dass der Preis seit Jahren wichtiger Stichwortgeber für das Feuilleton ist und die prämierten Titel darum zuverlässig rauf und runter besprochen werden. Lohnen tut der Besuch trotzdem – wegen der zahlreichen Originalzeichnungen, die man sonst ja kaum zu Gesicht bekommt.

Kurz gesagt: Die Wanderausstellung ist ein dickes Ding und dass sie nun auch nach Bremen kommt, ist eine kleine Sensation. Allerdings eine mit einem großen Haken, der geradezu sinnbildlich ist für den unterbelichteten Stand der Comics in Bremen. Der Wallsaal ist ein schöner Ausstellungsraum, aber zu klein. Die Schautafeln, auf denen die Arbeiten im Detail vorgestellt werden, mussten sogar ein Stockwerk höher auf den Flur ausweichen. Man hat das populäre Thema unter Wert verkauft – aus der Not: Öffentliche Förderung gab es dafür nicht.

Eine Comicszene, wie sie sich etwa in Hamburg über Festivals und Lesereihen etabliert hat, gibt es hier nicht. Wenn mal jemand kommt, dann ist es ein Glückstreffer, weil der Golden Shop oder die Logbuch-Buchhandlung den richtigen Riecher hatten und jemanden eingeladen haben.

So wie etwa Birgit Weyhe, die am heutigen Mittwoch bei der Ausstellung in der Bibliothek zu Gast ist, um ihren Comic „Mad­germanes“ vorzustellen – ein bildgewaltiges Werk, das die Geschichte mosambikanischer Vertragsarbeiter*innen in der DDR erzählt. Das ist eine Fußnote zum historischen Wirrwarr des zusammenbrechenden Sozialismus – aber eben auch eine, die über ihre assoziative Bildsprache gerade als Comic glänzt.

Dass Ausstellung und Rahmenprogramm trotz knapper Mittel nach Bremen kommen, ist das Verdienst von Gregor Straube vom Verein Kulturnetz – einem von diesen hyperaktiven Comic-Enthusiasten, die hier in Bremen gute Arbeit machen und zumindest auswärts auch wahrgenommen werden.

Da war etwa die Ausstellung „Abstrakte Comics“: Damit hat Straube in der Neustadt eineinhalb Räume gleich dreimal bespielt. Die internationalen Künstler*innen kamen in Etappen nach Bremen, weil zu wenig Platz war. Der große Aufschlag fand dann anderswo statt. In Mannheim, wo die drei Teile gemeinsam gezeigt und gut besucht wurden. Oder „Ink & Pixels“, eine hochinteressante Rundumschau über die Vielfalt des kenianischen Comics: auf dem Flur der Bibliothek versteckt, später dann in Wiedensahl in angemessener Größe – und mit eigenem Katalog.

Comic in Bremen gibt es schon – man muss nur gründlich danach suchen

Die Bremer Comickultur ist ein Exportgut. Mit Geschichte übrigens: Auch Panel, ein einst verdienstvolles Magazin stammt aus Bremen. Hier herrscht produktives Rumgewurschtel unter widrigen Bedingungen. Hört man sich in der Bremer Kulturszene nach Comics um, dann kommt man noch heute nach zwei Sätzen auf „Kaboom“ zu sprechen, eine Ausstellung der Weserburg, welche die Schnittstellen von Comic und Kunst untersucht hat. Das war wirklich toll, ist aber auch schon fünf Jahre her.

Dennoch: Wer nach Comics in Bremen sucht, der findet sie auch. In Straubes Galerie in Walle, oder im Institut Français, das regelmäßig verdiente französische Künstler*innen vor- und ausstellt. Auch Künstler*innen gibt es, die aber ebenfalls eher peripher unterwegs sind.

An der Hochschule für Künste etwa wird mit Zines gearbeitet: künstlerischen Druckerzeugnissen, unter denen zwischen Kunst-, Illustrations- und Literaturmagazinen eben auch ein paar Comics zu finden sind. Ende Mai steht das Bremer Zine- Festival auf dem Plan – und ganz sicher werden auch da wieder ein paar schöne Comictitel versteckt sein – weil auch da wieder ein paar Enthusiasten rumgewurschtelt haben werden.

Die Besten Deutschen Comics“: noch bis 21. 4., Zentralbibliothek, Wall-Saal;

Lesung Birgit Weyhe: Mittwoch, 21. 3., 19 Uhr