Zusammen gärtnern und leben

In Göttingen feiern die Internationalen Gärten ihren 20. Jahrestag. Seither sind viele Ableger gewachsen

Es gab Waffeln, Saft, selbst geerntete Früchte und auch ein paar Reden. Die Internationalen Gärten Göttingen, in denen Geflüchtete und deutsche Nachbarn gemeinsam Gemüse und Obst anbauen, haben am Wochenende ihr 20-jähriges Bestehen gefeiert. Knapp 70 Mitglieder aus 25 Ländern hat der Trägerverein zurzeit, sie bewirtschaften zwanzig Parzellen.

1998 hatte das Flüchtlingsberatungszentrum Göttingen das Projekt ins Leben gerufen, um bosnischen Flüchtlingsfrauen die Möglichkeit zu geben, ein Stückchen Land zu beackern. Die Idee war ursprünglich Anfang der neunziger Jahre in Großstädten wie New York oder Buenos Aires entwickelt worden. Das Göttinger Projekt markierte zugleich den Startschuss für die Entstehung weiterer internationaler Gärten in ganz Deutschland. Inzwischen gibt es mehre hundert interkulturelle Gärten, die in den Kommunen für ein gutes Miteinander Alteingesessener und Zugezogener sorgen.

Die Göttinger Internationalen Gärten wollten Orte der Begegnung sein, der Entwurzelung durch Flucht etwas entgegensetzen, sagte der Mitgründer und Vereinsvorsitzende Tassew Shimeles bei der Feier. Es handele sich um Orte, an denen Migranten und Deutsche Beziehungen aufbauen und positive Beispiele für Völkerverständigung und Integration ­geben könnten. Das Projekt mit seinen Gärten und vielfältigen Aktivitäten setze sich gegen Ausgrenzung ein, indem es konkrete Perspektiven für die Eingliederung von Flüchtlingsfamilien aufzeige.

Neben den Einzelparzellen gibt es in Göttingen Gemeinschaftsflächen für Feste, Kurse und andere Aktivitäten. Der Verein legt den Mitgliedern ökologisches Gärtnern nahe, Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger sind tabu. Mehrmals wurden neu in die Stadt gekommene Asylsuchende eingeladen, in den Gärten Beerensträucher und Obstbäume zu pflanzen und so erste Kontakte zu knüpfen. Regelmäßig gibt es Siebdruck-Workshops mit Geflüchteten, Saatgut-Börsen, handwerkliche Angebote.

2014 stieg der Verein in die Imkerei ein. Zwei Bienenvölker wurden in einen der Gärten gebracht und die Bienenstöcke dort aufgestellt. Inzwischen betreiben Migranten in beiden Gärten eine Lehrimkerei.

Die Internationalen Gärten Göttingen wurden vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Niedersächsischen Umweltpreis, dem Göttinger Friedenspreis und dem Integra­tionspreis des Bundespräsidenten.