Ralf Leonhard
Mitarbeiter der Woche

Max Zirngast

Karikatur: Inga Israel

Journalisten leben in der Türkei gefährlich. Schnell werden sie zu Terroristen abgestempelt, wie zuletzt der Österreicher Max Zirngast, der Dienstag gegen 5 Uhr früh gemeinsam mit zwei türkischen Mitbewohnern in einer Wohnung in Ankara festgenommen wurde. Mithatcan Türetken und Hatice Göz gehören der linken Bewegung Töp an. Die türkischen Behörden werfen ihnen „Terrorpropaganda“ vor. Was ihnen konkret zur Last gelegt wird, ist offenbar noch unklar, denn die Staatsanwaltschaft hat erfolgreich beantragt, den Polizeigewahrsam um vier Tage zu verlängern. Zirngast wird daher erst am kommenden Dienstag einem Richter vorgeführt werden. Der entscheidet, ob die drei formal angeklagt werden können. Andernfalls müssen sie freigelassen werden.

Der 29-jährige Steirer, der seit 2015 in der Türkei lebt und in Ankara an der Technischen Hochschule des Mittleren Ostens (ODTÜ) studiert, schreibt als freier Mitarbeiter unter anderem für das linke Onlinemagazin re:volt. Dabei hat er Sympathien für linke kurdische Bewegungen gezeigt. In einem Beitrag für das Buch „Kampf um Kobane“ setzt er sich kritisch mit der Beziehung der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und der Türkei auseinander. In den Ferien hat er Sommerschulen für Jugendliche aus armen Familien mit organisiert.

Für Fred Turnheim, den Präsidenten des Österreichischen Journalisten Clubs (ÖJC), kommt die Festnahme nicht überraschend: „Dass nun auch ein österreichischer Journalist von Recep Tayyip Erdoğan und seinen Schergen verhaftet wurde, war zu erwarten, nachdem zahlreiche österreichische Politiker auf die Menschenrechtsverletzungen in der Türkei hingewiesen haben. Nun hat sich Recep Tayyip Erdoğan eine neue Geisel geholt.“

Österreichs Außenministerin Karin Kneissl, die sich zugute hält, die Beziehungen zur Türkei dank Charmeoffensive verbessert zu haben, gab sich zunächst gelassen: „Meinungs- und Pressefreiheit sind Grundrechte, Pfeiler der internationalen Ordnung.“ Sie erwarte, „dass die türkischen Behörden umgehend Gründe für die Haft vorlegen oder ihn sofort freilassen“. Eine Belastung der Beziehungen zur Türkei sieht sie in der Causa nicht.

Das re:volt magazin berichtet indessen, dass die Polizei die Festgenommenen unter Druck gesetzt habe: „Ihm wurde vorgehalten, er beleidige den Staatspräsidenten Erdoğan als Diktator, und man werde ihn deportieren.“ Außerdem soll Zirngast mit IS-Verdächtigen in eine Zelle gesperrt worden sein.