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Donald Trump und Kim Jong Un werden sich nicht einig

Ihr zweites Gipfeltreffen in Hanoi brechen der US-Präsident und Nordkoreas Machthaber ohne Ergebnisse ab. Die verbindliche Denuklearisierung Nordkoreas rückt somit in die Ferne

Das Neue

Kim Jong Un und Donald Trump haben ihren zweiten Gipfel am Donnerstag in Hanoi vorzeitig abgebrochen. Dabei konnten sich der nordkoreanische Machthaber und der US-Präsident zu keiner Einigung durchringen – weder in Bezug auf die Denuklearisierung Nordkoreas noch auf die Errichtung eines gemeinsamen Verbindungsbüros. Wann die nächsten Arbeitsgespräche oder gar ein drittes Gipfeltreffen stattfinden wird, steht bislang noch nicht fest. „Wir werden sehen, was passiert“, deutete Trump während seiner Pressekonferenz an.

Der Kontext

Seit seiner Neujahrsrede im Januar 2018 fährt Kim eine Charmeoffensive gegenüber Südkorea und den USA, die schließlich in Verhandlungen über sein Atomprogramm mündeten. Nach dem ersten Gipfeltreffen mit Trump in Singapur im Juni haben beide Seiten ihren guten Willen bewiesen: Nordkorea hat etwa eine Raketenanlage gesprengt, die USA ihre mit dem südkoreanischen Militär halbjährlich abgehaltenen Manöver heruntergefahren. Für den zweiten Gipfel in Hanoi waren nun konkrete Ergebnisse erwartet worden. Die blieben aus, weil Trump Kims Angebot zur nuklearen Abrüstung nicht weit genug ging. Kim hat angeboten, den Nuklearreaktor Yongbyon zur Urananreicherung zu schließen. Im Gegenzug forderte er die Lockerung sämtlicher Wirtschaftssanktionen. Trump hätte dem aber nur zugestimmt, wenn die Nordkoreaner noch eine zweite Atomanlage abgerüstet hätten.

Die Reaktionen

Südkoreas Präsidialamt zeigte sich enttäuscht über den Ausgang des Gipfels. Es sei bedauerlich, dass Trump und Kim „keine vollständige Einigung beim heutigen Gipfel“ erzielt hätten, sagte ein Sprecher von Präsident Moon. Gleichzeitig sei man zuversichtlich, dass die beiden Länder ihren Dialog fortsetzen werden. Ganz andere Töne aus Tokio: Japans Premierminister Abe begrüßt Trumps Entscheidung, dem nordkoreanischen Regime keine Konzessionen zu machen. Kritiker meinen, dass Abe das Feindbild Nordkorea aktiv aufrechterhält, um seine Aufrüstungspolitik fortzusetzen.

Die Konsequenz

… trägt zunächst die südkoreanische Regierung: Moon hatte geplant, am Freitag Details über seine neuen innerkoreanischen Kooperationsprojekte vorzustellen. Viel Neues wird er nun allerdings nicht verkünden können: Eine Wiedereröffnung der gemeinsamen Sonderwirtschaftszone Kaesong wird es ohne gelockerte Nordkorea-Sanktionen nicht geben, seine Annäherungspolitik bleibt also bis auf Weiteres auf symbolischen Kulturaustausch beschränkt.

Kim hingegen wird es leichter haben, den enttäuschenden Gipfel seiner weitgehend von freier Information abgeriegelten Bevölkerung als Erfolg zu verkaufen. Rüdiger Frank, Leiter des Instituts für Ostasienwissenschaften der Uni Wien, skizziert auf Twitter bereits das Narrativ der nächsten Ausgabe der Staatszeitung Rodong Sinmun: „Kim hat seine Forderungen heroisch präsentiert und gab dabei keinen Millimeter nach.“ Fabian Kretschmer