DER RECHTE RAND

Hakenkreuz auf Knastlektüre

Das Schwarz-Weiß-Cover der 10. Ausgabe des „JVA-Reports“ ziert ein SA-Angehöriger mit einer Hakenkreuzarmbinde. Die Publikation ist schlicht gehalten. In der Haft sind die Möglichkeiten des Verantwortlichen eingeschränkt.

Seit Jahren veröffentlicht der Neonazi Enrico Hilprecht aus dem Gefängnis heraus den „JVA-Report“. Der „Report“ soll den „Gedankenaustausch, sowie die Knüpfung von Kontakten zwischen Kameraden innerhalb und außerhalb der Kerkermauern“ vorantreiben. Hilprecht sitzt in der JVA Brandenburg / Havel wegen Mordes. Im Jahr 2000 hat er in Dessau Alberto Adriano zu Tode getreten.

Ein Mitverantwortlicher für diese „Waffe der Solidarität“ jenseits der Haftmauern ist Stefan Richardt aus Carolinensiel. Wegen des Verdachts der Volksverhetzung läuft gegen Richardt ein Ermittlungsverfahren.

Auf der Website des „Reports“, die Richardt verantworten soll, finden sich Ausgaben der Publikation zum downloaden. Hier wirbt Richardt, NPD-Landtagswahlkandidat, auch für ein „Soli-T-Hemd“ für Kay Diesner. Der sitzt in der JVA Lübeck ein, weil er einen Buchhändler anschoss und einen Polizisten tötete.

“Freiheit für Kay Diesner“ ziert die Vorderseite des Hemds, die Rückseite ein Gewehr mit dem Spruch: „Im Kampf gegen Zog“. „Zog“ steht für „Zionist occupation government“. Mit dem Erlös des Shirts sollen Diesners Anwaltskosten gedeckt werden.

Dass der „Report“ erscheint, überrascht einen Justizvollzugsbeamten, der anonym bleiben will, nicht. „Da ist vieles möglich, weil nicht alles so genau kontrolliert werden kann“, sagt er. „Bleiben die Kontakte, führt die Haft kaum zum Szeneausstieg.“

Wegen der Ausgabe mit der Hakenkreuzbinde ermittelt die Staatsanwaltschaft. „Vernehmungen müssen noch vorgenommen werden“, sagt Oberstaatsanwalt Werner Kramer. Doch trotz der Ermittlungen erschien gerade zu Weihnachten eine neue Ausgabe des „Reports“.

Hinweis:ANDREAS SPEIT arbeitet als freier Journalist und Autor über die rechte Szene Norddeutschlands