BND will Verschlüsselung knacken

Mut zur Lücke

Der Bundesnachrichtendienst will Informationen über Sicherheitslücken in Software kaufen, um sie für Spähaktionen zu nutzen.

Die BND-Zentrale in Berlin. Die Palme soll Kunst sein. Bild: dpa

BERLIN dpa | Der Bundesnachrichtendienst (BND) will einem Medienbericht zufolge Informationen über Sicherheitslücken in Software kaufen. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtete, dass der BND in den nächsten Jahre 4,5 Millionen Euro eingeplant habe, um bisher unbekannte Sicherheitslücken in Software zu kaufen. Das gehe aus geheimen Unterlagen hervor.

Die Lücken wolle der BND nutzen, um die verbreitete Verschlüsselung SSL auszuhebeln. Banken, Online-Netzwerke oder Shopping-Seiten verwenden SSL, um Kundendaten und Login-Informationen zu schützen. Auch die Süddeutsche Zeitung berichtete von den Plänen des BND, diese Verschlüsselung zu knacken. Der BND wolle offenbar Software-Sicherheitslücken für gezielte Spähattacken nutzen, berichteten Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR.

Die Bundesregierung hat die Zusammenarbeit des Bundesnachrichtendienstes (BND) mit der französischen Software-Sicherheitsfirma Vupen bestätigt. Eine der Dienstleistungen der Firma Vupen ist es, Geheimdiensten und Sicherheitsbehörden eben diese in Software entdeckten Sicherheitslücken zur Verfügung zu stellen. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte am Montag in Berlin, die Erkenntnisse aus der Zusammenarbeit mit Vupen seien vor allem für den Schutz der Regierungsnetze und nicht zur Weitergabe an Dritte erworben worden. Die Zusammenarbeit mit der französischen Firma sei inzwischen beendet worden.

Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte, Ziel der Bundesregierung sei es, die Abhängigkeit von ausländischen Dienstleistern im Bereich IT-Sicherheit weiter zu reduzieren. „Es trifft zu, dass der BND plant, seine vorhandene technische Basis zu stärken“, fügte Seibert hinzu. Das zentrale Element dieser Initiative sei der Aufbau eines Frühwarnsystems für Cyber-Angriffe.

CCC fordert, den Sicherheitslücken-Kauf zu verbieten

Der Hackerverein Chaos Computer Club (CCC) reagierte empört. Er warf dem BND vor, Bürger und Unternehmen Gefahren durch Sicherheitslücken in Computerprogrammen auszusetzen. Der CCC forderte, den Kauf der Sicherheitslücken durch deutsche Behörden zu verbieten. Diese Sicherheitslücken, genannt „zero day exploits“, werden teilweise von Hackern aufgespürt und auf einem unkontrollierten Markt gehandelt.

Angreifer können die Lücken unter Umständen ausnutzen, um in Computer einzudringen. Auf diese Gefahr weist schon der Name hin: „zero days“ heißen so, weil Nutzer keine Zeit („null Tage“) haben, um sich vor einem Angriff zu schützen. Auch Kriminelle können die Schwachstellen entdecken und für ihre Zwecke ausnutzen.

Dass der BND solche Schwachstellen angeblich aufkaufen wolle, sei „inakzeptabel“, kritisierte der Chaos Computer Club am Montag. Er warf dem Nachrichtendienst vor, den Markt für Software-Fehler anzuheizen. „Der Anreiz würde weiter steigen, aufgespürte Sicherheitslücken im Geheimen zu handeln“, erklärte der CCC. Auf dem Schwarzmarkt würde das Wissen um die Schwachstellen „für sechs- bis achtstellige Euro-Beträge“ verkauft.

„Gleichzeitig wird es Bürgern und Unternehmen erschwert, sich vor technischen Angriffen auf persönliche Daten oder Geschäftsgeheimnisse zu schützen“, betonte der Hackerverein. Sicherheitsexperten warnen immer wieder vor Gefahren durch unveröffentlichte Software-Lücken. Fachleute werben dafür, Sicherheitslücken den Herstellern der Software mitzuteilen.

Die können dann dafür sorgen, dass die Lücken gestopft werden. Unternehmen wie Google oder Microsoft schreiben Geld für die Jagd nach Schwachstellen aus. Google startete im Sommer das „Project Zero“, um selbst Sicherheitslücken in Software aufzudecken.

 

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Foto: time. / photocase.com

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