Buchvorstellung 16.07.

Die Geschichten der "Magliari"

Die italienischen Textilverkäufer, die in Nachkriegsdeutschland ihre Ware anboten, etablierten sich in der neuen Welt des Konsums.

Die „Magliari“waren ein echtes Phänomen - sie sind bis heute ein wichtiger und spannender Bestandteil der Migrationsgeschichte. Bild: Donzelli Editore

„Magliari“– das ist die Bezeichnung für italienische Hausierer, die von den 1950er bis in die 1990er Jahre hinein in West-und Ostdeutschland ihre Waren anboten. Sie folgten dem Fluss der italienischen Migranten nach Norden und entwickelten eine ganz eigene Art des so charmanten wie betrügerischen Verkaufs minderwertiger Textilien an eine Kundschaft, die in der beginnenden Konsum-Wunderwelt den Verlockungen der scheinbaren Schnäppchen nur zu gerne nachgab.

Wann: Mo., 160.7.2018, 19 Uhr

Wo: taz Café

Rudi-Dutschke-Straße 23

10969 Berlin

Eintritt frei

Das Phänomen war so verbreitet, dass der italienische Regisseur Francesco Rosi 1959 einen Film darüber drehte, der auf Deutsch den schönen Titel „Auf St.Pauli ist der Teufel los“ trägt. Ausschnitte davon werden wir an diesem Abend präsentieren, vor allem aber wird der Autor Marcello Anselmo mit der in Potsdam lehrenden Sozialwissenschaftlerin Edith Pichler über das Phänomen der „magliari“ sprechen – ein wichtiger, spannender und nicht zuletzt sehr amüsanter Bestandteil der Migrationsgeschichte überhaupt.

Marcello Anselmo ist Historiker und pendelt zwischen seiner Geburtsstadt Neapel und seinem Arbeitsplatz, der Uni Marseille. Für sein Buch hat er zahlreiche alte "Magliari" interviewt.

Edith Pichler Geboren in Bozen (Italien) ist Dozentin an der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Universität Potsdam und forscht über ethnische Ökonomie, Migration und Alter, symbolische Exklusion von Migranten und Erinnerungskulturen in Italien und Deutschland.

Moderation: Ambros Waibel, taz Redakteur. Die Veranstaltung finden im Wesentlichen auf deutsch statt.