Deutschland im Jahr 2015

taz seit 30 Jahren im Knast!

„Die Tageszeitung ist immer vergriffen, denn es gibt nur ein Exemplar für 84 Gefangene!“ Mit einem taz Freiabo kann man helfen.

Hinter diesen Gittern lauert endlose Tristess – ohne taz. Bild: Freiabonnements für Gefangene e.V.

„Ich sitze seit dem 24.8.14 in Haft, besitze keinen Fernseher und bin gerade in diese Justizvollzugsanstalt verlegt worden. Hier muss ich mehrere Monate auf ein Leih-TV-Gerät warten. Die Tageszeitung ist immer vergriffen, denn es gibt nur ein Exemplar für 84 Gefangene! Deshalb bitte ich Sie, mir Zeitungen zuzusenden, wenn es geht täglich, dann wäre ich Ihnen sehr dankbar.”

Diese Zeilen schrieb Christian R. im Mai 2015 an Freiabonnements für Gefangene e.V., dem Verein, der seit 30 Jahren die „taz” in Haftanstalten vermittelt. Binnen einer Woche erhielt Herr R. sein 6-Monats-Abo. In den nächsten Wochen wird die „tageszeitung” sein fast einziger Zugang zur Außenwelt sein.

Die Welt verändert sich rasant. Das Internet überflutet uns rund um die Uhr mit Informationen, per Handy haben wir ständig Zugang zu unterschiedlichsten nützlichen und unnützlichen Dienstleistungen, gedruckte Zeitungen sind in diesem Stimmengewirr nur noch eine Stimme unter vielen.

„Sechs Monate in den Knast“ - das ist kein neues Strafmaß für prominente Steuerhinterzieher, sondern die durchschnittliche Dauer eines Knast-Spendenabos.

 

„Nur zu Besuch“ - wie bei Monopoly können Sie Ihre Zeitung vorübergehend in den Knast schicken. Wenn Sie Urlaub machen, wird für Sie von unserer Aboabteilung eine bezahlte Lieferunterbrechung eingerichtet und die Zeitung umgeleitet.

 

Oder Sie schenken direkt ein taz-Abo an einen Gefangenen: 10 Wochen zu 60 Euro, ein halbes oder ganzes Jahr zum ermäßigten Preis von 25,90 Euro pro Monat.

Was bedeutet das für Herrn R. in der Praxis des Haftalltags? Für ihn herrscht unterdessen Funkstille.

Zum Internet hat er keinen Zugang, verboten, zu gefährlich. Ein Handy darf er nicht besitzen, er könnte damit neue Straftaten begehen.

Die Konsequenz dieses Verbots der digitalen Medien, die unseren Alltag „draußen” bestimmen: die Anzahl der Gefangenen, die Zeitung lesen möchten, ist in den vergangenen 30 Jahren gleich geblieben.

Die gedruckte Zeitung hat hier nicht an Bedeutung verloren – im Gegenteil. Durchschnittlich kann „Freiabonnements für Gefangene” mehr als 1000 Lesewünsche pro Monat (neben der „taz” werden noch 40 weitere Zeitungen und Zeitschriften vermittelt) nicht erfüllen.

Aber nicht nur das Internetverbot erklärt  den hohen Stellenwert, den Zeitungen nach wie vor im Gefängnis genießen. Zeitungen sind teuer und deshalb selten. Die wenigsten Vollzugsanstalten können aus ihrem Medienetat Zeitungen für ihre Insassen finanzieren.

Spenden Sie jetzt ein Knast-Abo! Hier gehts zum Formular.

Jede/r Gefangene kann zwar – sofern er/sie genug Geld hat - ein Abonnement beim Verlag bestellen. Aber was nutzt das, wenn kein Geld zur Bezahlung vorhanden ist.

Ein ohne Schuld arbeitsloser Gefangener, der seine monatlichen Ausgaben von 30 Euro Taschengeld bestreiten muss, kann sich eben keine Zeitungen leisten. Er kann nur auf Unterstützung von anderer Stelle hoffen.

Gefangene sind heute nicht komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Die meisten Insassen haben einen Fernseher auf der Zelle. Doch mit der Informationsversorgung für Menschen in Haft, die Freiabonnements für Gefangene seit 30 Jahren gewährleisten will, war von Anfang an mehr gemeint.

Inhaftierte sollten in der Lage sein, wie alle anderen BürgerInnen Zugang zu allen Informationsquellen zu haben. Nur dann ist es möglich, sich eine Meinung über die Welt zu bilden und sich nach der Haft in dieser Welt zurecht zu finden. Der Sinn ist, nach der Haft ein Leben führen zu können, dass nicht in kürzester Zeit wieder zurück ins Gefängnis führt. Diese Forderung ist bis heute aktuell.

Wer seine gute Tat von der Steuer absetzen möchte, spendet ein Knastabo über den 1985 von der taz mitbegründeten Verein Freiabonnements für Gefangene e.V..

Anders als die taz kann der Verein aufgrund seiner Gemeinnützigkeit auch Spendenbescheinigungen ausstellen. Der Verein vermittelt neben der taz auch andere Zeitungen und Zeitschriften.

Freiabonnements für Gefangene wurde 1985 von einer Gruppe interessierter Menschen aus der „taz” und deren Umfeld ins Leben gerufen.  Das Motto damals war: „Jedem Knacki seine taz...”  Und heute?

Ein „taz”-Leser aus der JVA Celle fasst das so zusammen: „Für mich ist die tägliche taz-Lektüre hinter Gittern ein unverzichtbares Stück Freiheit für Seele und Geist, die mir ermöglicht, ‚sitzend’ auf dem Laufenden zu bleiben. Aber das taz-Freiabo bedeutet für mich auch eine wohltuende Geste persönlich-sozialer Zuwendung und menschlicher Solidarität”.