Die Zukunft der Tageszeitung (III)

Die Zukunft ist digital

Journalistin Fatema Mian hat die taz irgendwann aus den Augen verloren. Warum liest sie sie heute wieder regelmäßig? Und warum digital?

„Versuchen Sie mal, in der U-Bahn Zeitung zu lesen!“ Bild: André Wunstorf

taz: Frau Mian, können Sie sich noch an Ihre erste taz erinnern?

Fatema Mian: Das war Anfang der 80er. Damals kam der Film „Mein wunderbarer Waschsalon“ in die Kinos, darin geht es um einen schwulen Pakistani in London. Der Film wurde schnell Kult, die taz hat ihn damals besprochen. Dieses Erspüren von Trends fand ich toll. Eine Zeitung braucht für mich eine Art Alleinstellungsmerkmal, damit ich sie lese.

arbeitet beim Bayerischen Rundfunk und ist Mitglied bei

den Neuen Deutschen Medien-

machern.

Und die taz schafft das?

Meistens, aber nicht immer. Den Kulturteil finde ich heute unglaublich gediegen, ich ärgere mich oft darüber. Da ist nichts wirklich Neues, nichts Überraschendes mehr dabei. Aber Sie haben nicht aufgehört, die taz zu lesen. Doch. Über die Jahre wurde sie mir zu links, zu selbstgefällig. Nach der Wende, als es plötzlich sehr viele Zeitungen in Deutschland gab, habe ich die taz irgendwann einfach aus den Augen verloren. Seit vergangenem Jahr lesen Sie die taz wieder regelmäßig – aber ausschließlich digital.

Wie kommt’s?

Tatsächlich hat mich ihr Einsatz für Deniz Yücel der Zeitung wieder näher gebracht. Ich fand es toll, dass diese kleine Zeitung, die bekanntlich ja auch nicht so viel Geld hat, so für Yücel gekämpft hat. Da wollte ich solidarisch sein.

Warum machen Sie bei „taz zahl ich“ mit, obwohl es die taz im Netz umsonst gibt?

Wenn man einigermaßen Geld hat, ist das selbstverständlich. Man sollte Journalisten unterstützen, die etwas anbieten, das es sonst nicht gäbe. Ich mag es nicht, nur zu nehmen, da hätte ich ein schlechtes Gewissen.

Was halten Sie von den Überlegungen der taz, ab 2022 die werktägliche Ausgabe nur noch digital zu publizieren und lediglich zum Wochenende auf Papier zu erscheinen?

Es fühlt sich komisch an, weil man sich damit natürlich auch von etwas verabschiedet. Es ist ein mutiger Schritt, denn es gibt sicher noch viele alte taz-Leser, die sich von der Umstellung vielleicht abschrecken lassen.

Glauben Sie, dass die Printzeitung sterben wird?

Ja. Tageszeitungen wird es in Zukunft nur noch in digitaler Form geben. Und warum auch nicht. Mir geht es nicht nur um schöne Artikel, sondern auch darum, beim Lesen schnell etwas nachzuschlagen, das geht nur online.

Mal ganz abgesehen davon, dass man weniger Papier produziert, ist das digitale Lesen praktischer. Versuchen Sie mal, in der U-Bahn Zeitung zu lesen! Das ist doch Quatsch.

Das Interview führte CORNELIA NEUMEYER