Eklat am Palmsonntag in Jerusalem: Verletzung religiöser Freiheit
Zum ersten Mal verbietet Israel den Gottesdienst am Palmsonntag in der Grabeskirche, international gibt es scharfe Kritik. Nun steuern die Behörden gegen.
Foto: Ammar Awad/reuters
An diesem Palmsonntag ist in Jerusalem das Undenkbare geschehen. Die israelische Polizei hat dem höchsten Vertreter der katholischen Kirche im Heiligen Land den Zugang zur Grabeskirche verweigert. Der traditionelle Gottesdienst durfte dort nicht stattfinden. „Zum ersten Mal in Jahrhunderten“, so steht es in der Mitteilung des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem.
Ein Affront von großem Ausmaß, der Wellen schlägt. In der Nacht auf Montag gab dann der israelische Premier Benjamin Netanjahu bekannt, er habe die Behörden angewiesen, Kardinal Pizzaballa ab sofort wieder Zutritt zur Grabeskirche zu gewähren.
Was war passiert? Kardinal Pierbattista Pizzaballa war an diesem grauen Sonntagmorgen mit einem weiteren Geistlichen auf dem Weg in die Kirche des heiligen Grabs in der Altstadt von Jerusalem, als die beiden von israelischen Beamt*innen in einer Seitengasse angehalten und zur Umkehr gezwungen wurden. Schließlich hielt der Kardinal die Messe in der Kirche aller Nationen am Ölberg ab.
Das Lateinische Patriarchat spricht von einem „schwerwiegenden Präzedenzfall“ und von „Missachtung der Sensibilität von Milliarden Menschen weltweit, die in dieser Woche nach Jerusalem blicken“. Schließlich habe man alle Regeln der Behörden befolgt und öffentliche Andachten gestrichen, geplant war lediglich eine Live-Übertragung der Zeremonie.
Liturgie von größter Bedeutung für Christen
Seit dem Beginn des Konflikts mit Iran sind große Menschenansammlungen in Israel verboten. Religiöse Einrichtungen sind in der Altstadt für Gläubige geschlossen, denn hier gibt es kaum Schutzräume. Bereits am Zuckerfest durften Muslim*innen kein Freitagsgebet in der Al-Aksa-Moschee abhalten. Immer wieder hat die Polizei Menschen festgenommen, die in der Nähe der Altstadt beteten.
Menschenrechtsorganisationen bemängeln, Gruppen von Ultraorthodoxen könnten indes frei durch die Gassen ziehen. Kritiker*innen werfen zudem ein, an den Bars in Jerusalem säßen weiterhin Gruppen von Menschen. Da erscheint das Verbot, einen Gottesdienst ohne Gläubige abzuhalten, etwas übertrieben – gerade angesichts der großen Bedeutung der Liturgie am Palmsonntag für die christliche Gemeinschaft.
Die israelische Polizei erklärte auf X, Einschränkungen für die heiligen Stätten in der Altstadt seien wegen der Risiken durch iranische Raketen erforderlich und gälten für alle Religionen. Man stehe im Austausch mit religiösen Anführern, um Lösungen zu finden. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu beteuerte, hinter dem Verbot steckten „keine bösen Absichten“.
Doch im Ausland war die Empörung groß. Italiens Premierministerin Giorgia Meloni bezeichnet den Vorfall als „eine Beleidigung“ und bestellte den israelischen Botschafter ein. Frankreichs Regierungschef Emmanuel Macron verurteilte das Geschehen und sprach von einer „besorgniserregenden Reihe von Verletzungen des Status religiöser Stätten in Jerusalem“. Ähnlich äußerten sich Spaniens Staatschef Pedro Sánchez sowie mehrere arabische Staaten. Die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission Kaja Kallas schrieb auf X, die Entscheidung der israelischen Behörden stelle eine Verletzung der religiösen Freiheit dar.
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