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„Geheimnisse einer Seele“ auf BerlinaleIm Rausch der Psychose

Vor 100 Jahren zeigte G. W. Pabsts Stummfilmklassiker „Geheimnisse einer Seele“ die Psychoanalyse. Nun läuft der Film auf der Berlinale in einer restaurierten Fassung.

Die Sektion „Berlinale Classics“ lädt seit Jahren dazu ein, Filmklassiker neu zu entdecken, die gerade frisch restauriert wurden. Darunter gibt es dieses Jahr Fundstücke wie „Crystal Palace“ von 1934 aus der Ukraine (damals Teil der UdSSR), der unter anderem wegen seiner Kritik am Totalitarismus verboten wurde. „The Pornographers“ (1966) von Shohei Imamura ist wiederum als comichafte Satire angelegt und handelt von den sexuellen Neurosen seiner Zeit.

Höhepunkt der Reihe ist dieses Jahr der deutsche Stummfilm „Geheimnisse einer Seele“ von Georg Wilhelm Pabst, der 1926, vor genau 100 Jahren, seine Uraufführung erlebte. Der Regisseur, dessen Karriereverlauf jüngst in Daniel Kehlmanns Roman „Lichtspiel“ thematisiert wurde, gehörte neben Fritz Lang und Friedrich Wilhelm Murnau zu den wichtigsten Regisseuren der Weimarer Republik. Mit einfühlsamen, realistischen Melodramen um gesellschaftlich ausgestoßene Frauen (unter anderem „Die freudlose Gasse“, „Die Büchse der Pandora“) dargestellt von Stars wie Asta Nielsen, Greta Garbo oder Louise Brooks, feierte er seine größten Erfolge.

In „Geheimnisse einer Seele“ steht jedoch ein Mann im Mittelpunkt, der Chemiker Martin Fellmann (dargestellt vom brillanten Werner Krauß, bekannt aus „Das Cabinet des Dr. Caligari“), der in einer glücklichen, jedoch kinderlosen Ehe mit einer schönen Frau lebt. Nachdem in ihrer Nachbarschaft ein Frauenmord geschieht, entwickelt Martin eine Messerphobie.

Der Film

„Geheimnisse einer Seele“: 15. 2., 11 Uhr, HKW 1

Als tags darauf der gemeinsame Freund des Ehepaars aus Kindheitstagen von einer langen Tropenreise zurückkehrt, wird Martin von bizarren Angstträumen heimgesucht, und er glaubt, seine Frau mit einem Messer erstechen zu wollen. Er lernt einen Psychoanalytiker kennen und beginnt eine Therapie. Eine Heilung scheint möglich, wenn erst die Ursachen der Obsession gefunden sind: in Träumen und Kindheitserlebnissen.

In fast dokumentarischer Nüchternheit erzählt

Der mit dem Untertitel „ein psychoanalytischer Film“ versehene Streifen kam seinerzeit bei Kritikern wie beim Publikum gut an, bekam das Prädikat „volksbildend“. Pabst hatte den Anspruch, eine psychische Krankheit anhand eines konkreten Falls glaubhaft darzustellen und die damals noch nicht sehr verbreitete Wissenschaft der Psychoanalyse auf der Leinwand zu vermitteln. Um das umsetzen zu können, suchte er die Unterstützung zweier Mitarbeiter Sigmund Freuds, Karl Abraham und Hanns Sachs, die auch im Vorspann genannt werden.

Der Fokus der in fast dokumentarischer Nüchternheit erzählten Geschichte liegt auf der Perspektive Martins, dessen Geisteszustand immer wahnhaftere Züge annimmt, insbesondere, wenn sein Blick auf messerähnliche Gegenstände fällt. Für die Traumsequenzen wurden surrealistische Bilder geschaffen, die noch heute beeindrucken. In einer Szene beginnt Martin wie ein Vogel zu fliegen, und sein vermeintlicher Nebenbuhler (im Traum stets grinsend, mit verwegenem Tropenhelm!) schießt ihn wie ein Jäger ab, worauf ein schwindelerregender Absturz erfolgt.

Kameramann war Guido Seeber (1879–1940), ein Filmtechnikpionier, der seine beeindruckenden Effekte oft mithilfe von raffinierten Mehrfachbelichtungen erzielte. Perfekte Lichtgebung und Montage kommen hinzu.

Pabsts „Seelenthriller“ ist durch die neue Restaurierung, die aus drei verschiedenen Kopien aus Deutschland, Belgien und den USA zusammengesetzt wurde, deutlich kompletter geworden als die bisher bekannte, knapp zehn Minuten kürzere Fassung. Durch den Zusammenschnitt von 35-mm- mit (unschärferem) 16-mm-Material kommt es wegen der unterschiedlichen Formate manchmal zu kurzen Irritationen.

Zum filmischen Experiment wird zur Premiere auch die passende musikalische Begleitung geboten. Sie stammt vom koreanischen Komponisten Yongbom Lee und dem Kammerensemble Broken Frames Syndicate. Auf innovative Weise wird das Gehirn des Solobratschisten mit dem Synthesizer verbunden. Unbewusste neuronale Bewegungen lenken so den Verlauf der Musik und sorgen für zusätzliche Lichteffekte.

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