Guerilla-Protest gegen „Drecksloch“-Zitat

Mit Scheinwerfer gegen den Blender

Ein Künstler projiziert „Shithole“ ans Trump-Hotel in Washington. Der US-Präsident bestreitet, das Wort verwendet zu haben.

Der Schriftzug "Shithole" erscheint über einem Hauseingang

So sah das Trump-Hotel in Washington am Samstag etwa 40 Minuten lang aus Foto: Robin Bell @bellvisuals

Nach den neuesten herablassenden Äußerungen des US-Präsidenten gegen afrikanische und mittelamerikanische Länder wird darüber diskutiert, wie man überhaupt noch angemessen (und originell) auf den trumpschen Rassismus reagieren kann. Ein Künstler hat die Frage am Samstag elegant beantwortet – mit Licht. Diese Form des friedlichen Protests wird immer beliebter.

Der US-Videokünstler Robin Bell hat das Wort „Shithole“ über den Eingang des Trump International Hotel in Washington, D.C. projiziert. Bell bekannte sich am Sonntagabend auf Facebook zu der Aktion. Der Künstler bewirbt damit seine Dokumentation mit dem Titel „This is not normal“, die demnächst erscheinen soll. Der Künstler erregt nicht zum ersten Mal Aufmerksamkeit durch Projektionen an genau diesem Gebäude. Im Mai etwa warf er die Worte „Zahlen Sie Trump-Bestechungsgelder hier“ über den Eingang des Luxus-Hotels, welches die Trump-Holding betreibt.

Bei einem nichtöffentlichen Treffen mit Abgeordneten beider Parteien im Weißen Haus am Donnerstag soll der US-Präsident gesagt haben: „Warum kommen all diese Menschen aus Drecksloch-Ländern (‚shithole countries‘) hierher?“, und bezog sich dabei offenbar auf afrikanische Länder sowie Haiti und El Salvador. Das berichtete die Nachrichtenagentur AP und berief sich auf TeilnehmerInnen des Treffens. Die Senatoren und Kongressabgeordneten waren gekommen, um über einen Kompromiss beim Einwanderungsgesetz zu beraten.

Die Reaktionen waren heftig: Die Vereinten Nationen verurteilten die Aussage als „rassistisch“, etliche afrikanische Länder forderten eine Entschuldigung – Botswanas Regierung berief sogar den US-Botschafter ein und bat genüsslich um Klarstellung, ob das Land im südlichen Afrika in den USA auch als „Drecksloch“ gelte. Auch Südafrika hat inzwischen die US-Botschafterin einbestellt.

Donald Trump bestreitet derweil, das Wort verwendet zu haben. Der republikanische Senator David Perdue sprang Trump am Sonntag in einem Interview beim Sender ABC bei. Das Wort sei nicht gefallen. Der demokratische Senator Dick Durbin hingegen bestätigte den Bericht.

Aktionskunst für wenige Minuten

Über seine Guerilla-Projektion mit dem Wort „Shithole“ (garniert mit Kacke-Emojis) sagte der Künstler Robin Bell dem Sender CNN, er nehme bloß sein Recht auf freie Rede in Anspruch. „Wir fassen das Gebäude nicht einmal an. Wir betreten nicht das Gelände.“

Solche Aktionen sind ungewöhnlich und werden besonders wahrgenommen und man spart man sich Bürokratie und Gebühren

Die Guerilla-Projektion eine beliebte Strategie friedlichen urbanen Widerstands. Schon Ende der 80er Jahre nutzte Greenpeace Projektionen, um gegen das Anlegen eines britischen Flugzeugträgers mit Atomwaffen im Hamburger Hafen zu protestieren. „We have nuclear weapons on board“ warfen die Umweltaktivistinnen an den Bug des Schiffs. Zum vergangenen Frauenkampftag am 8. März projizierte ein anonymes Berliner Kollektiv namens „Vulvarella“ eine feministische Botschaft an die Berliner Parteizentrale der AfD. Meistens wird mit einem leistungsstarken Scheinwerfer aus einem Kleinbus heraus projiziert, welcher auf öffentlichem Boden parkt – und der zur Not schnell wegfahren kann.

Inzwischen bieten sogar Werbeagenturen Projektionen als sogenanntes „Guerilla-Marketing“ an. Der Vorteil: Erstens sind solche Aktionen ungewöhnlich und werden besonders wahrgenommen – zweitens spart man sich Bürokratie und Gebühren für das offizielle Werben im öffentlichen Raum. In der Regel verweisen die Firmen jedoch darauf, dass das rechtliche Risiko bei den Werbenden selbst liegt.

In den meisten Fällen allerdings sind die Installationen von kurzer Dauer. Es geht eher darum, ein Social-Media-taugliches Foto von der Aktion zu machen, als darum, dass sie von möglichst vielen tatsächlich erlebt wird. Robin Bells „Shithole“ war am Samstag nur etwa 40 Minuten zu sehen. Noch bevor der Sicherheitsdienst gekommen sei, seien sie wieder gefahren, so der Künstler. Von der „Vulvarella“-Aktion im März hat von der AfD selbst niemand etwas mitbekommen.

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