Hedonistische Internationale spaltet sich

Geht endlich auseinander!

Erst Luther und die SPD, dann ganz Berlin: Spaltung ist ein Lieblingshobby unter Linken. Jetzt gibts ein neues Spaltungsinstitut. Das wird aber auch Zeit.

"Wir wollen uns solidarisch auseinanderentwickeln", die Hedonistische Internationale wird zum "Institut Solidarische Spaltung". Bild: imago/Christian Schroth

Tja, so läuft das mit den Linken: Kaum sind sie erfolgreich, nehmen sie sich wieder auseinander. Das war schon immer so, das wird so bleiben. Nun höre man sich dies hier an:

"Nach langen Jahren des äußeren und inneren politischen Kampfes haben wir uns heute entschlossen, unsere vermeintliche Nichtexistenz mit sofortiger Wirkung zu bewahrheiten. Ausschlaggebend waren insbesondere musikalische Differenzen, organisatorische Ungereimtheiten in Theorie und Praxis sowie unausgesprochene Wahrheiten."

Das ist das treue Zeugnis der "Berliner Sektion der Hedonistischen Internationale", die gerade erst in Zwietracht auseinanderging. Und wer die Hedonistische Internationale kennt und fürchtet, weiß, dass diese Elitetruppe des Spaßprotests - höflich gesagt: ein loser Zusammenschluss lebensbejahender Protestaktivisten - zwar nicht sehr international, dafür aber schon immer so hedonistisch war, dass ihre Spaltung schmerzen müsste:

Als vermeintliche Fans von Karl-Theodor zu Guttenberg versuchte die Spaßguerilla vor dem Brandenburger Tor Guttenbergs Ehre als "adeliger Widerständler gegen die kapitalistische Arbeitslogik" etwa so aufrichtig zu retten, dass ihre Parodie von vielen mit echter Sympathiebekundung verwechselt wurde.

Fehlt die Hedonistische Internationale in Deutschland, dann droht das einzig intelligente Widerstandsformat zu fehlen, das den viel zu häuftig kollektiv ausgerufenen Gesellschaftswahnsinn ("Fasst Guttenberg!", "Hasst Sarrazin!", "Schasst Wulff!") stets angenehm unterhaltend und mit dem richtigen Fünkchen Reflexionsvermögen kritisierte.

Was muss es uns also sagen, wenn sich ausgerechnet diese Avantgarde des Protests einem Spaltungstrend beugt, den kein geschichtlicher Fortschritt je stoppen konnte?

Destruktiv oder fortschrittlich?

Glaubensführer jedweder Couleur ließen ihr theologisches Lebenselixier oft auf fruchtbaren Spaltungen gründen. Sie nannten es Schisma. Martin Luther, alter Spalter, ist einer ihrer übermäßig Gefeierten. Charidschiten, Schiiten und Sunniten feiern wieder andere Spalter; die Gnostiker, die Donatisten und die Arianer die ihren. Dann noch die SPD, USPD, MSPD, KPD, VKPD, SAP, SED, PDS, WASG, FDP etc.pp. Heute spalten Westerwelle, Rösler und Lindner die Liberalen, Mesut Özil spaltet die Türkei.

Dieser Hang zur Spaltung wird allzu oft als destruktiv empfunden ("Lasset nicht Spaltungen unter Euch sein", 1. Korinther; auch: "Alle die Spaltungen zielen darauf, eine Herde und einen Hirten hervorzubringen", Johann-Georg Hamann, 18. Jahrhundert; auch: "Wir lassen uns nicht spalten!", Schlesische Jugend, Mai 2011).

Doch wahr ist wohl auch: Die Spaltung (in der Werkzeugtechnik: Inbegriff für trennende Fertigungsverfahren; im Energiegeschäft: Geheimnis großen Reichtums; in Berlin: Grund zum Mauerbau) hat, wie zu sehen ist, im physischen wie metaphysischen Sinne im Lexikon der Geschichte ihr eigenes Kapitel verdient.

Dass sich nun auch die Hedonisten ihren Eintrag dort sichern wollen, ist zwar vermessen, aber wohlbegründet: Sie sind eine jener seltenen Ausnahmeorganisationen, die - etwa anders als die Freie Demokratische Partei (FDP) - die Spaltung als Erfolg zu feiern wissen.

Gleich nach ihrer Spaltung rief die Initiative daher die Gründung eines Instituts Solidarische Spaltung (ISS) aus. Hierin wollen sich die Politikversteher nun "solidarisch auseinanderentwickeln". Auch dies eine Tugend, die viel zu selten als Erfolg gewertet wird.

Und so formuliert das neu gegründete "Institut" derzeit, was auch bei Philipp Röslers Liberalen fest auf dem Programm zu stehen scheint: "Das Institut Solidarische Spaltung will unterschiedliche Politikansätze auseinanderführen, dezentralisieren und verschiedene organisatorische Widersprüche politisch verdichten und wieder auflösen." Das klingt fast so, als ließen sich die Liberalen schon von dort beraten. Schaden wird das der linken Idee wohl kaum. Spaltung war ihr stets ein schönes Werk.

 

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