Homophobie in Russland: Ganz alltäglicher Hass
Leider nicht überraschend: Das russische Vermietungsportal MyLinker schlägt Alarm, wenn sich in einer Stadt zu viele Schwule tummeln.
Feinde Russlands gibt es so einige, und sie werden, so scheint es, stetig mehr. Einen Spitzenplatz auf der Liste der Hassobjekte belegen seit Jahren unangefochten die Homosexuellen. Ein anschauliches Beispiel für den kruden Umgang mit dieser Minderheit, der nicht anders als pathologisch zu nennen ist, lieferte jüngst die russische Webseite MyLinker.
Hier kann fündig werden, wer im Reich von Wladimir Putin für einen Kurzaufenthalt eine private Unterkunft mieten möchte. Seit Kurzem wird unter der Bezeichnung GayLocator auch ein Extraservice angeboten: Dort ist vermerkt, wie viele Homosexuelle in russischen Städten ihr westlich-dekadentes Unwesen treiben.
Als Berechnungsgrundlage dient dabei die Anzahl der Suchanfragen bei Google nach „Porno“ und „Gay Porno“. Für die Stadt Sotschi kommen die Zahlenkünstler auf 6.702 Homosexuelle, was bei 400.000 Einwohnern verständlicherweise erhebliche Gefahren birgt. Deswegen bietet das Portal auch seine nicht näher erläuterte Hilfe an, sich Schwuler zu entledigen, sollten sie bei ihren Aktivitäten zu Höchstform auflaufen.
Ein weiterer Feind, den MyLinker ausgemacht hat, ist der westliche Wohnungsvermittlungsdienst Airbnb. Dieser hatte sich erdreistet, Wohnungsbesitzer aus dem Programm zu streichen, die Homosexuelle als Gäste abgelehnt hatten.
Das westliche Modell à la Airbnb passe nicht zu Russland, da die Mentalitäten zu unterschiedlich seien, heißt es auf der Webseite. Dort sind auch Kommentare einiger User zu lesen. Sie lassen immerhin den Schluss zu, dass nicht alle ihres Resthirns verlustig gegangen sind.
„Zählt doch auch noch betrunkene Popen“, schreibt einer. Und ein anderer: „Ihr tut mir leid. Wie kann man so tief fallen.“ Man kann, und es geht sogar noch tiefer.
In Russland werden Homosexuelle tagtäglich gedemütigt, erniedrigt und manchmal einfach totgeschlagen. Warum sich also über ein Portal aufregen? So etwas nennt man Gewöhnungseffekt. Bitter!
🏳️⚧️ SHANTAY. YOU PAY. 🏳️🌈
Auf taz.de finden Sie eine unabhängige, progressive Stimme. Frei zugänglich, ermöglicht von unserer Community. Alle Informationen auf unserer Webseite sind kostenlos verfügbar. Wer es sich aber leisten kann, darf einen kleinen Beitrag leisten. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert
Linker Populismus
Nett war gestern
Azubi über Handwerksbranche
„Die Atmosphäre ist für queere Menschen unerträglich“
Kabinett für neues Wehrdienstgesetz
Freiwillige vor!
Anschlag auf Nord-Stream-Gasleitungen
Viele Fragen in der Pipeline
Diskriminierung im Sport
Verpflichtende Gentests bringen gar nichts!
Rückzug von Robert Habeck
Der Erklärbär geht