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Piratenpartei – denkt auch mal nach!

Wie wollen wir in Zukunft leben und arbeiten? Dazu könnten sie auch mal was sagen, die Piraten. Außer „Grundeinkommen, schalalala“ fällt ihnen aber nicht viel ein.

Wir sind multikulinarisch, wir sind multisexuell … und wir sind multiidentitär. Gestern verbrachte ich mal wieder die ganze Nacht in meinem Lieblingschat no drama. Es war völlig ausreichend, dass „plomlompom“, der Autor des Buchs „Prima leben ohne Privatsphäre“, vor Ort war. Wir unterhielten uns über die Rentenpetition.

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Es gibt nämlich nun eine Petition im System des Bundestags, bei der man sich dagegen auflehnen kann, dass Arbeitsministerin von der Leyen eine „Zwangsrente“ für Freiberufler einführen will. Zwangsrente ist natürlich ein tendenziöser Begriff, denn im Prinzip ist es richtig, dass man dazu angehalten wird, sich eine Altersvorsorge zuzulegen – auch wenn Befürworter der Petition behaupten, dass der überwiegende Teil der Selbstständigen schon heute fürs Alter vorsorge.

Von der Leyen will Freiberufler verpflichten, einen bestimmten Betrag – mindestens 350 bis 450 Euro – pro Monat einzuzahlen. Für diejenigen, die prekär Freiberufler sind, ist das zu viel, denn sie müssen schon für die Krankenkasse hohe Mindestbeiträge zahlen. Auf der anderen Seite sind all diejenigen, die wie plomlompom stoisch von 1.000 Euro brutto leben, so wie es einige in Berlin tun, damit vom Bankrott bedroht.

Mein Kumpel plomlompom und ich diskutierten also die ganze Nacht über Prekarität, Rentenmodelle, das Bankgeheimnis und Möglichkeiten, den von der Leyen’schen Vorschlag abzuwehren. Aber Rente ist eh Stein der Weisen. Kann keiner lösen. Die Petition sei da aber schon mal nicht schlecht, auch wenn man sich die Neoliberalen ins Boot hole, sagte plom.

Die Frage ist ja auch: Wo geht’s eigentlich hin mit unserer Arbeitsgesellschaft? Ist das mit den Gewerkschaften noch zeitgemäß, fragen sich viele – nicht, weil sie das abschaffen wollen, sondern weil sich angesichts eines immer mehr flexibilisierten Arbeitsmarktes sehr wohl die Frage stellt, wie das eigentlich weitergehen kann.

Dafür könnten wir die Piratenpartei brauchen. Die beschäftigt sich zwar scheinbar lieber mit ihrem Personal und dem Holocaust, aber vielleicht fängt sie ja auch irgendwann an, die wirklich wichtigen Fragen zu behandeln – warum das deutsche Frühaufstehen, was ist denn jetzt mit den entgrenzten Arbeitsverhältnissen, wie kann das digitale Prekariat Zugang und eine starke Stimme erhalten – kurz und gut: wie wollen wir in Zukunft leben und arbeiten? Das sind wichtige Fragen in Zeiten, in denen die Linkspartei im Orkus verschwindet, weil sie keine Erzählung mehr findet, die Wählerinnen und Wähler anspricht.

Die Piratenpartei könnte die Partei des digitalen Prekariats sein und derer, die die Idee vom Zugang für alle unterstützen. Schade, dass ihr außer „Grundeinkommen, schalalala“ zur Arbeitsgesellschaft nicht sonderlich viel einfällt. So müssen wir diese Fragen also in no drama klären. Vielleicht reicht das auch aus, und vielleicht hat ja irgendwer Lust, die Ideen aus der gated community no drama auch nach draußen zu tragen. Ich zum Beispiel hier mit dieser Kolumne. Also, Piratenpartei, jetzt seid ihr etabliert – denkt doch mal nach!

 

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