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Kommentar: Online-Bürgerbeteiligung im Friesland Lieber klein anfangen

Ilka Kreutzträger

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Ilka Kreutzträger

Liquid Feedback im Friesland ist eine gute Idee. Wenn aber die Technik hakt oder Vorschläge verpuffen kann es schell zu einer Anti-Werbung für Bürgerbeteiligung im Netz werden. Ein Experiment im kleineren Rahmen wäre daher besser.

H AMBURG taz Friesland will seine Bewohner künftig im Netz nach ihrer Meinung fragen. Aus Liquid Feedback wird Liquid Friesland und das ist eine gute Idee – vor Ort wissen die Leute manchmal genauer, welches Thema auf die politische Agenda gehört oder welches eben nicht. Schnell war von Friesland als dem Vorreiter der Basisdemokratie die Rede. Aber ganz so einfach ist das nicht.

Selbst bei der Piratenpartei, die Liquid Feedback zur Abstimmung und Diskussion nutzt, sind Prozedere und Software intern umstritten: zu wenige machen mit, die Benutzeroberfläche ist manchem zu verwirrend, die Technik hakt und es ist unklar, wie mit den Meinungsbildern umgegangen werden soll. Vor allem mit der immer größer werdenden Zahl von Parteimitglieder stößt Liquid Feedback an seine Grenzen.

Dazu kommt, dass bisherige Bürgerbeteiligungsprojekte funktionierten, wenn es um konkrete Vorhaben ging, die wirklich umgesetzt wurden. Fragt man einfach generell, was man sich denn so wünsche, klingt das zwar erstmal nach Teilhabe. Aber wer feststellt, dass die eigenen Vorschläge einfach verpuffen, wird sich abwenden.

Es wäre also besser, Liquid Feedback nicht gleich in ganz Friesland und für alle Themen einzuführen, sondern sich für das Experiment einen kleineren Rahmen zu suchen. Sonst wird die gute Idee schnell zu einer Anti-Werbung für Bürgerbeteiligung im Netz.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Ilka Kreutzträger

Ilka Kreutzträger Redaktionsleiterin Nord

Jahrgang 1977, die Soziologin arbeitete lange für die taz nord als Autorin und CvD sowie für den NDR in Hamburg als Nachrichtenredakteurin Online und Radio, ging dann kurz zum stern und war stellvertretende Ressortleiterin Lokales bei der Hamburger Morgenpost. Sie gibt an der Uni Bremen seit 2013 Schreib-Workshops. Seit 2023 ist sie Redaktionsleiterin der taz nord.
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