Kommentar zum Grundstücksstreit

Überdenkt das Konzeptverfahren

Schöneberger Linse: Der Streit um ein Stück Bauland zwischen RuT und Schwulenberatung zeigt ein Dilemma – es gibt viel zu wenig Baugrundstücke in Berlin.

Ein Bauschild auf grüner Wiese mit dem Spruch: Grundstück zu verkaufen

Genug Bauland? Gibt es nur (noch) im Brandenburgischen Foto: dpa

Jetzt ist der Schlamassel da, und die Aufregung groß – auf beiden Seiten. „Geht’s noch!“, möchte man allen Beteiligten zurufen, und das sind beileibe nicht nur die beiden Streitenden, „Rad und Tat“, die Offene Initiative Lesbischer Frauen (kurz: RuT) auf der einen und die Schwulenberatung Berlin auf der anderen Seite. Beide hatten sich in einem Konzeptverfahren um ein Grundstück im neu entstehenden Stadtquartier Schöneberger Linse, einem Gelände zwischen dem Bahnhof Südkreuz und dem S-Bahnhof Schöneberg, beworben. RuT hatte die Ausschreibung gewonnen. Doch dann legte die Schwulenberatung Widerspruch ein – und bekam danach das Grundstück dann doch zugesprochen.

Tenor der Kritik in Teilen der queeren Community und in sozialen Medien: Wieso kann die große Schwulenberatung (eine gemeinnützige GmbH) nicht einfach zugunsten des kleinen lesbischen Vereins RuT verzichten?

Die Frage ist falsch gestellt. Denn sie übersieht, dass auf dem Rücken zweier ehrenwerter Projekte ein Kampf ausgetragen wird, der ins Abgeordnetenhaus und den Senat gehört. Warum? Weil das Konzeptverfahren von der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) durchgeführt wird, einem landeseigenen Unternehmen. Wie der Fall zeigt, stößt das Konzeptverfahren, das unter anderem dafür da ist, soziale Projekte wie etwa Angebote für benachteiligte Bevölkerungsgruppen umzusetzen, an seine Grenzen. Denn in der offiziellen Begründung der BIM war für die neuerliche Entscheidung zugunsten der Schwulenberatung deren architektonisches Konzept ausschlaggebend. Fassade zählt mehr als Inhalt? Eine fragwürdige Entscheidung.

Ehrlicher wäre es, wenn die BIM einräumen würde, dass es viel zu wenige Baugrundstücke gibt. Beide Wohnprojekte, das lesbische und auch das schwule, gehören umgesetzt. Aber wer nicht genügend Bauland bereitstellen kann, sollte sich vorerst das Konzeptverfahren schenken.

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„Richtig schön multikulti“ – Erkundungen im Kiez rund um den taz Neubau:

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