Mittwochsclub im Dezember 2014

Günter Wallraff

Zum Mittwochsclub im Dezember haben wir Günter Wallraff in der Rudi-Dutschke-Straße begrüßen können.

Moderator Michael Sontheimer diskutierte mit unserem Gast Günter Wallraff. Bild: Philipp Reiss

Zum Mittwochsclub im Dezember konnten wir Günter Wallraff in der Rudi-Dutschke-Straße begrüßen. Der stilbildende, inzwischen legendäre Journalist aus Köln hat mit uns darüber gesprochen, wie er als gelernter Buchhändler über Umwege zum Undercover-Journalismus kam. Er sprach über Hintergründe, erzählte Anekdoten zu seinen Recherchen und erklärte vor den achtzig anwesenden Jungjournalisten, was es mit der „Methode Wallraff“ eigentlich auf sich hat. Im Konferenzraum der taz erläuterte er über eine Stunde lang die Vor- und Nachteile seiner Art der Recherche, die Grenzen und auch die Konsequenzen, die seine Enthüllungen für sein Privatleben und seine Finanzen haben. Wallraff betonte auch immer wieder, dass glückliche Fügungen, Zufälle und die richtige Portion Dreistigkeit in seinen größten Enthüllungen durchaus eine Rolle spielten.

In der zweiten Stunde stellte sich Wallraff, in einer Diskussion mit den Nachwuchsjournalisten, auch den kritischen Fragen zu seiner jüngsten Burger King-Enthüllung – wie etwa dem Vorwurf, dass er im Vorfeld Honorare von McDonalds bekommen habe, wie der Spiegel vergangenen Mai berichtete. Es stand auch die Frage im Raum, wieso er seine Enthüllungen nun bei dem Privatsender RTL machen muss, da der ja nicht gerade für Qualitätsfernsehen bekannt ist. Die Kritik aus dem Publikum nahm Wallraff gerne an und versprach, auch über die Einwürfe nachzudenken. Da die öffentlich-rechtlichen Sender aber seine Enthüllungen nicht machen wollen oder können, sei neben RTL die einzige Alternative, die Arbeit gar nicht zu tun und das komme für ihn nicht in Frage, sagte er.

...lange ist's her. 1992 macht Günter Wallraff in der taz Zeitungskritik. Bild: taz

Günter Wallraff, geboren 1942 in Burscheid, absolvierte eine Lehre als Buchhändler. Seine erste Reportage veröffentlichte er 1965 in der Zeitung der IG-Metall, aber hatte mit seinem ersten Buch "Industriereportagen" eher schleppenden Erfolg. Wallraff protestierte gegen die Militärdiktatur in Griechenland und landete im Knast. 1977 schlich er sich bei der BILD-Zeitung in Hannover ein und enthüllte in drei Büchern die Arbeitsweise des Springer-Blattes. Sein Buch "Ganz unten", in dem er als Türke Ali in Billiglohnjobs arbeitete, wurde zum am besten verkauften deutschen Sachbuch. Bis heute deckt Wallraff Missstände, vor allem in der Arbeitswelt, auf, zuletzt bei der Fast-Food-Kette Burger King.