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Schülerunruhen in KeniaDie Oberschulen brennen

Eine Welle teils gewaltsamer Proteste hat Internate in Kenia ergriffen. Nachdem ein Feuer 16 Schülerinnen tötet, reagiert die Regierung mit Härte.

Aus Nairobi

Maria Macharia

Zwei Jahre nachdem Jugendproteste der Generation Z Kenia erschütterten und mehrere Dutzend Menschen getötet wurden, fegt eine Welle von Schülerunruhen durch das Land. Rund 100 Oberschulen sind bisher betroffen, auf sozialen Medien breitet sich die Mobilisierung aus.

Tiefpunkt bisher war ein Brandanschlag auf einen Schlafsaal des Mädcheninternats Utumishi Girls Academy im Ort Gilgil, der am 28. Mai 16 Tote und rund 80 Verletzte forderte. Ganz Kenia war entsetzt.

Neun Schülerinnen wurden mittlerweile als Verdächtige festgenommen und werden jetzt in einem Jugendheim festgehalten. Als mögliche Motive gelten Widerstand gegen neue Schulregeln und Prüfungszeitpläne sowie sozialer Druck.

Ein weiterer Brandanschlag im Jungenintrnat Alliance High School im Ort Kikuyu am 4. Juni führte zur Festnahme von über 20 Schülern; die Schule wurde vorübergehend geschlossen und alle Schüler müssen jetzt mit ihren Eltern einen Verhaltenskodex unterschreiben, um wieder zum Unterricht zu dürfen.

Zusammenhang mit Stress in der Prüfungszeit

Das zweite Schulhalbjahr sei immer schwierig, sagen Analysten. Oberschüler stünden unter besonders großem Druck, wenn Schulen ihre eigenen Vorprüfungen in Vorbereitung auf die landesweiten Abschlussprüfungen durchführen. „Erfahrungsgemäß gibt es genau in dieser Zeit einen messbaren Zusammenhang zwischen akademischem Stress und Verhaltensauffälligkeiten“, sagt Analyst Misheck Obara.

Dazu seien gerade in Internaten die Unterrichtstage sehr lang und die Schulregeln sehr streng. „Dies führt zu einem Umfeld enormen Drucks für moderne Schüler.“ Außerdem hätten viele Schulen zu viele Schüler und zu wenig Personal. „Für Gewalt gibt es keine Rechtfertigung, aber die dahinterstehende Wut entstammt oft alten Beschwerden, die köcheln, bis sie explodieren“, so Obara.

Die Gewerkschaft der Oberschullehrer, Kenya Union of Post-Primary Education Teachers (Kuppet), hat diese Woche gefordert, alle Oberschulen kurzzeitig zu schließen, um der Ausbreitung von Gewalt Einhalt zu gebieten.

Regierungsantwort: Disziplin und Überwachung

Kenias Regierung lehnt das ab. Sie hat stattdessen mehr Sicherheitspatrouillen, die verpflichtende Durchsuchung von Schülern bei der Rückkehr von Schulausflügen und Videoüberwachung angeordnet.

Regierungssprecher Isaac Mwaura sagte, die Regierung wolle ein „sicheres, unterstützendes und zielführendes Lernumfeld für alle Lernenden“ herstellen. Mehr Unterstützung für die mentale Gesundheit der Schüler und mehr direktes Engagement mit ihren Bedürfnissen sei nötig. 1.000 Qualitätssicherungsbeamte statt bisher 600 sollten jetzt Lehrstandards in Schulen sowie Respekt und Verantwortung unter Schülern überprüfen.

Nötig, so Mwaura, sei auch, dass Eltern diese Tugenden bei ihren Kindern förderten. „Disziplin ist keine Strafe, es ist ein Prozess, in dem man Werte vermittelt, Grenzen setzt und jungen Menschen hilft, zu verstehen, dass Handlungen Konsequenzen haben.“ Und Schulen dürften keine Orte für unmoralisches Verhalten sein. „Wir müssen über Unmoral reden. Wir müssen über Homosexualität in Schulen reden.“

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