Schweinemastanlage in Spanien

Gefahr für Wasser und Tourismus

In Südspanien will ein Investor eine riesige Mastanlage für Schweine bauen. Die BewohnerInnen fürchten um die Zukunft ihrer dünn besiedelten Region.

Landschaftsbild der Provinz Granada

Bald durch die Gülle von 50.000 Mastschweinden bedroht? Die südspanische Provinz Granada Foto: imago/Westend61

MADRID taz | In Cuevas del Campo drehen sich seit Monaten alle Gespräche um eine riesige Schweinerei. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. „Keine 2,5 Kilometer entfernt soll die größte Schweinemastanlage Spaniens entstehen“, berichtet Alicia Ruiz. Die 39-Jährige sieht ihre Zukunft gefährdet. Sie besitzt einige für die Region in Südspanien so typische Wohnhöhlen und baut sie gerade zu Touristenunterkünften um. „Jetzt habe ich alles gestoppt“, sagt sie. „Wer kommt schon in eine Gegend, in der 50.000 Schweine gehalten werden?“

Gestank, Jauche, Insektenplagen – das sind einige der Gründe, warum Ruiz vergangenen Dezember mit anderen aus Cuevas del Campo und zehn umliegenden Dörfern eine Bürgerinitiative, die Plattform zum Schutz des Guadiana Menor, gegründet hat. Der Guadiana Menor fließt durch die ansonsten trockene Landschaft. „Die Schweinemast bedroht das Grundwasser“, ist sich Ruiz sicher.

Die Schweineproduktion boomt in Spanien. 2015 hat das südeuropäische Land Deutschland von Platz 1 der europäischen Schweinezucht verdrängt und zieht seither mit jährlichen Wachstumsraten von bis zu 3 Prozent davon. Ende 2017 meldete Spanien einen Bestand von 30 Millionen Schweinen. In Deutschland waren es 27,5 Millionen. Jedes fünfte europäische Schwein kam damit aus Spanien.

„Die Mastbetriebe suchen gezielt dünn besiedelte Gegenden, um Protesten aus dem Weg zu gehen“, sagt Ruiz. Hier in der Gegend zwischen den Provinzhauptstädten Jaén und Granada tun sie den Betreibern diesen Gefallen nicht. Seit Jahresbeginn hat die Bürgerinitiative in einer Region mit gerade einmal 15.000 Einwohnern über 6.000 Unterschriften gesammelt.

In drei Monaten von 20 auf 100 Kilogramm

Die Mastanlagen sind das letzte Glied in der Kette. In ihnen werden Ferkel im Alter von zwei Monaten eingepfercht und in nur drei Monaten von 20 auf 100 Kilogramm gemästet. „Insgesamt werden pro Jahr rund 125.000 Schweine die Anlage durchlaufen. Es werden sieben Gebäudekomplexe mit jeweils vier Hallen entstehen“, erklärt José Antonio Cabrera das ganze Ausmaß des Projekts. #

Cabrera gehört der Umweltschutzorganisation Ecologistas en Acción an und hat ein Widerspruchsverfahren eingeleitet, das jetzt von den zuständigen Umweltbehörden geprüft werden muss. „Die Feldwege, die als Zufahrt dienen, werden den Lkw-Verkehr einer Autobahn aushalten müssen“, fügt er hinzu. Die Mastanlage ist von Naturschutz- und Vogelschutzgebieten umgeben.

Carmen Rocio Martínez, Bürgermeisterin

„Wir werden weit mehr Arbeitsplätze in der Landwirt­schaft und im Tourismus verlieren“

Wer hinter dem Betreiber mit dem Namen Vagido Alto steckt, weiß keiner so genau. Das Unternehmen gehört laut Register einer einzelnen Person und hat ein Grundkapital von 3.010 Euro. Bei ihren Protesten tragen die Menschen immer wieder Transparente gegen El Pozo, den größten Fleischwarenproduzenten Spaniens, der in anderen Regionen mit ähnlichen Projekten an Bürgerprotesten scheiterte.

„Wir haben erst vom Projekt erfahren, als es im November öffentlich gemacht wurde“, beschwert sich die Bürgermeisterin von Cuevas del Campo, Carmen Rocio Martínez. Elf Arbeitsplätze soll die Anlage schaffen. Die Mast läuft weitgehend vollautomatisch. „Wir werden weit mehr Arbeitsplätze in der kleinen Viehzucht und Landwirtschaft sowie im Tourismus verlieren“, sagt die 38-jährige Krankenschwester.

Ein Mastschwein produziert täglich vier bis sieben Liter nitrat- und ammoniakhaltige und mit Medikamtenrückständen verseuchte Jauche. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben 225 Hektar, um diese auszubringen. „Das ist viel zu wenig“, sagt Martínez. Die Betreiber werden große Becken für die Zwischenlagerung der Jauche errichten. „Wenn es stark regnet, können diese überlaufen“, ist sie sich sicher.

Die Bürgermeisterin befürchtet, dass das gesamte Grundwasser der Gegend und damit der Guadiana Menor, der wiederum den Guadalquivir und damit die Wasserversorgung der andalusischen Hauptstadt Sevilla speist, verseucht wird.

Marco und Janet Kriener werden regelrecht in diese Jaucheseen schauen. Weniger als 500 Meter trennen das Anwesen der deutschen Familie mit einer 12-jährigen Tochter von der künftigen Mastanlage. „Unser Paradies“, sagt Marco Kriener und berichtet stolz, was sie in 15 Jahren aufgebaut haben.

Sie leben vom Anbau von Biogemüse und Gelegenheitsjobs. „Das Trinkwasser kommt aus Quellen. Der Boden ist unbelastet“, sagt Marco Kriener. Es ist das einfache, ländliche und vegane Leben, das das Paar aus Unterfranken gesucht und hier in Andalusien gefunden hat. „Wenn sie ihre Pläne umsetzen, müssen wir gehen“, sagt Kriener.

.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de