6. - 12. September 2014

Moskau

Reiseleitung: Bernhard Clasen in Kooperation mit Klaus-Helge Donath

Die Uspenski-Kathedrale im Kreml  Bild: Nadja Moussa

Mit Architektur-Rundgang und Treffen mit Bürgerrechtsgruppen

Wer sich kurz in der Hauptstadt aufhält, glaubt, in einen ewigen Karneval geraten zu sein. Eine „Bella figura“ macht Moskau nicht erst, seit der Rubel wieder rollt. Den Superlativ pflegt die Hauptstadt von alters her. Sie beherbergt die größte Kanone und die gewaltigste Glocke der Welt.

PROGRAMM

PREISE UND LEISTUNGEN

LITERATUR ZUM EINLESEN

 

 

PREIS:  1.675 Euro (DZ/HP/Flug)

VERANSTALTER: Ventus Reisen, Berlin Tel. 030-39 74 92 94, office@ventus.com

Die Reise kann nur beim Veranstalter gebucht werden.

Die Kanone hat nie Pulver gesehen, die Glocke nie geläutet. Doch ist das von Belang? Was zählt, sind die Gesten, der Wille, Undenkbarem Gestalt zu verleihen. Die Stadt war immer Schaufenster dessen, was der russische Geist an Ideen ersann, oftmals Geniales, in jedem Fall aber Ambitioniertes. Schwierigkeiten tauchten stets erst bei der Feinausführung auf.

Bernhard Clasen ist  u.a. Übersetzer und Dolmetscher für Russisch und schreibt seit 25 Jahren als freier Autor für die taz über Russland. 

Klaus-Helge Donath, taz-Korrespondent in Moskau

Von der „Welthauptstadt des Kommunismus“ hätte sich Moskau zur „Welthauptstadt des Kitsches“ entwickelt, meint der Historiker Perry Anderson.

Selbst die Postmoderne wirke in der russischen Metropole wie eine Karikatur ihrer selbst. Reflektiert der unermessliche Plunder indes nur eine Landschaft des Imaginären, wie es der kritische Moskaukenner behauptet?

Sowjetische Avantgarde

Moskau kennt kein Maß, hat aber immer ein Ziel. Kleine Brötchen werden hier nicht gebacken. Die stoliza (Hauptstadt) will kein normales Leben führen. Sie putzt sich heraus, donnert sich auf und möchte doch nur eins: Eindruck schinden und Fremden die Sinne rauben.

Der riesige Stalinbau beherbergt das Außenministerium.  Bild: Archiv

Moskau ist keine Stadt aus einem Guss, sie verfügt über kein leicht einprägsames und wiedererkennbares historisches Stadtbild wie andere europäische Hauptstädte. Dennoch steht die Stadt anderen Metropolen in der Vielzahl herausragender Gebäude in nichts nach. Sie müssen meist nur wieder entdeckt werden.

Die Bauten aus der kommunistischen Periode dominieren noch heute das Stadtbild, im Bewusstsein der Bewohner sind sie tief verankert. Vor allem die sieben Hochhäuser der Stalinära. Die „sieben Schwestern“, wie sie im Volksmund heißen, prägen die Skyline der Stadt. Sie sind mehr als architektonische Relikte der versunkenen Weltmacht. Davon zeugt nicht nur, dass zeitgenössische Architekten des russischen Petrostaates für ihre superreiche Klientel an Dimensionen und Formensprache des Stalinschen Eklektizismus anknüpfen.

Fast vergessen ist unterdessen die experimentelle Architektur der sowjetischen Avantgarde aus den 20er und 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Bauten, die nicht nur den Inbegriff der Moderne darstellten, sondern der sowjetischen Architekturszene auch einen Platz an der Weltspitze eroberte.

Gosplan-Carage des Architekten Melnikov von 1936  Bild: Archiv

Vom revolutionären Impetus hat sich die Sowjetunion indes bald verabschiedet. Die Perlen dieser Epoche wurden vernachlässigt und vergessen. Sie repräsentieren die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen. Ein Motto, das die russische Kultur und Geschichte deutlicher durchzieht als andere europäische Kulturen, die Russland begierig aufsog, modifizierte und in veränderter Gestalt als Eigenes ausgab. Europa als Vorbild verlor unterdessen an Bedeutung.

In 20 Jahren wird sich Moskau nicht an Berlin, Wien oder Paris messen. Die asiatischen Metropolen Shanghai, Seoul oder Singapur dienen als Orientierungspunkte. Das meinen zumindest Moskaus Stadtplaner. Wie gesagt, kleine Brötchen werden in Moskau nicht gebacken.

Die berühmten „Matrjoschka“-Puppen.   Bild: Nadia Moussa