piwik no script img

Kommentar Vertrag PrivatsphäreSo tun, als sei es Politik

Christian Rath

Kommentar von

Christian Rath

Die Bundesregierung schlägt ein Zusatzprotokoll zum UN-Zivilpakt vor, um angeblich die Privatsphäre zu schützen. Das ist nichts als Propaganda.

D ie Bundesregierung fährt zweigleisig. Einerseits erklärt sie den NSA-Skandal für beendet. Andererseits zeigt sie sich besorgt um die Privatsphäre der Bürger. Schließlich könnten bis zum Wahltag ja jederzeit neue beunruhigende Informationen aus dem Snowden-Archiv gestreut werden. Die Regierung entwickelt deshalb allerlei Aktivitäten, deren Ziel ist, den Eindruck von Untätigkeit zu vermeiden. Es geht dabei nicht um Politik, sondern um Fake-Politik.

Ein gutes Beispiel ist das von der Bundesregierung vorgeschlagene Zusatzprotokoll zum UN-Zivilpakt. Es soll den Schutz der digitalen Privatsphäre im Völkerrecht verankern. Entstehen soll ein neues Instrument, das überflüssig ist, weil der Zivilpakt die digitale Privatsphäre natürlich heute schon schützt.

Außerdem wird das neue Protokoll, gerade wenn es Zähne hat, wenig Wirkung zeigen, weil sich die USA einfach nicht beteiligen. Bestenfalls verpufft die deutsche Initiative spurenlos. Das Ergebnis ist der Bundesregierung aber eh egal, solange sie im Wahlkampf wohlklingende Aktivitäten vorweisen kann.

Ein anderes Beispiel ist das avisierte No-Spy-Abkommen mit den USA. Dort soll vereinbart werden, dass sich US-Geheimdienste in Deutschland künftig an die hiesigen Gesetze halten. Auch das klingt gut.

Doch wer soll das Abkommen aushandeln? Ausgerechnet die Geheimdienste BND und NSA, von denen Ed Snowden sagte, dass sie „unter einer Decke“ stecken. Der Bundestag darf dagegen am Abschluss des Abkommens nicht mitwirken und die Öffentlichkeit wird es wohl auch nicht zu sehen bekommen. Was für ein absurdes Theater.

Wie der Spiegel meldet, will die Europäische Union nun ebenfalls ein No-Spy-Abkommen mit den USA abschließen. Der Fake wird damit sogar zum Exportschlager. Die Propaganda funktioniert also.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Christian Rath

Christian Rath Rechtspolitischer Korrespondent

Geboren 1965, Studium in Berlin und Freiburg, promovierter Jurist, Mitglied der Justizpressekonferenz Karlsruhe seit 1996 (zZt Vorstandsmitglied), Veröffentlichung: „Der Schiedsrichterstaat. Die Macht des Bundesverfassungsgerichts“ (2013).
Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • U
    UN-Feindstaatenklausel

    Die Bundesregierung könnte sich mal darum kümmern, oder zumindest einmal anfragen, wie es sein kann, dass Deutschland auch im Jahr 2013 in der UN-Feindstaatenklausel enthalten ist und quasi, laut Satzung, jederzeit ohne Angaben von Gründen militärisch angegriffen werden könnte, weil sich Deutschland lat Satzung immer noch im Kriegszustand mit allen Gegnern des 2. Weltkrieges befindet. Es gab schon immer mal versuche von deutschen Politikern, diese Satzung zu beseitigen - ohne Erfolg. Also Frau Merkel, machen Sie mal!!! Ist das nicht ein schönes Wahlkampfthema? Ich bin gespannt, ob ch demnächst auf der Taz darüber lese, vor allem über die Wegnahme der UN-Feindataatenklausel. Aber ganz ehrlich, eine Tilgung dieser Satzung wird nicht passieren, da bin ich mir sicher. Und das wissen die deutschen Politiker. Und so spricht man halt nicht darüber...